Produktinformation
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| Disk: 1 |
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| 1. Johann Sebastian Bach: "Italienisches Konzert" |
| 2. Französische Suite Nr. 2 in g-Moll |
| 3. 15 dreistimmige Sinfonien BWV 787 - 801 |
| 4. Fantasie c-moll BWV 906 |
| 5. Fantasie und Fuge a-moll BWV 944 |
| 6. Bach/Busoni: "Nun freut Euch, lieben Christen g'mein" BWV 734 |
| 7. Bach/Soloti: Präludium h-moll BWV 893 aus "Das wohltemperierte Klavier", 2. Teil |
| Disk: 2 |
| 1. Bach "Zweistimmige Inventionen" |
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Der deutsche Nachwuchs-Pianist Martin Stadtfeld (geb. 1980) hat nach seiner extravaganten Goldberg-Einspielung vom März 2004 im Herbst 2004 noch eine CD mit Bach nachgeschoben:
"Bach Pur" erschienen bei Sony Classical.
Das Programm beginnt mit einer Transkription: Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ BWV 639 (arr. F.Busoni).
Schon nach 6 Takten eine Sünde; die Verzierung will gar nicht gut gelingen, da sie in der Lamento-kantablen Oberstimme ausgeführt werden muss. Das Langsame ist Stadtfeld's Sache nicht.
Ansonsten ist diese Choralbearbeitung ganz schön durchgeführt. Dinu Lipatti und W. Kempff machten es zwar besser - allerdings ist die Aufnahmetechnik hier moderner und dadurch klarer.
Dann das Italienische Konzert BWV 971 (nicht 911?! ;-)) mit seinen drei Sätzen.
Erster Satz: zügig und brilliant eingespielt.
Zweiter Satz: (Andante) die getupften Bässe sind
etwas gar marinierlich und gewöhnungsbedürftig. Legato wäre hier wohl besser.
Dann der Höhepunkt: 3. Satz (Presto) wird hier zu Prestissimo. Mit über 200 Sachen (hier bpm) wird dieser Satz abgespult. 2:40 Minuten reichen dafür.
Das ist technisch wirklich virtuos, ja halsbrecherisch - allein; die wunderbar ausgestaltete Rhythmik geht in diesem "Raserrausch" für's Ohr verloren. Eine brilliant absolvierte Fingerübung. Schade.
Man sollte das vielversprechende junge Talent hier besser beraten. Wenn er dies annehmen könnte. Oder reifen lassen. Bzw. eben wohl beides...
Weiter geht's mit der franz. Suite Nr. 2, den Dreistimmigen Inventionen, den Fantasien c-moll und a-moll für Klavier.
Schliesslich nochmals so ein Husarenritt auf dem Glatteis: die Choralbearbeitung "Nun freut euch, ihr lieben Christen" (arr. F. Busoni). Der durchschnittliche Christ wird sich eher fürchten.
Hier jagt Stadtfeld (bekennender Porsche-Fan) nur noch ungebremst durch alle Kurven und Kreuzungen. Die Komposition wird quasi wie in abstrakter Malerei nur noch schemenhaft gepinselt.
Man muss (sich) festhalten, nie kommt es zu einem absoluten Crash! Gott sei Dank.
Dafür ist der Pianist technisch einfach zu gut. Schliesslich hat er 2002 als erster Preisträger am Bach-Wettbewerb in Leipzig, den seit 1988 nie mehr vergebenen 1. Preis gewonnen.
Aber etwas mehr Atem, mehr Ruhe, möchte man diesem begnadeten und blendend aussehenden Menschen (und uns Hörern) schon gönnen.
Ich könnte mir vorstellen, dass das mit zunehmender Erfahrung noch wird.
Man könnte es sich einfach machen und Stadtfeld ausblenden, bis er ev. dannzumal die weise Reife eines Murray Perahia bezüglich Bach-Interpretation erreicht hat.
Aber ich finde es sehr interessant, diesen Pianisten auf seinem Werdegang zu verfolgen.
Dafür ist diese CD eine interessante Grundlage; zumal sie noch mit einer Bonus-CD geliefert wird, auf der, recht unspektakulär, die 15 zweistimmigen Inventionen BWV 772-786 aufgenommen sind.
Alle 30 Inventionen (BWV 772-801; also 2- und 3-stimmig) sind also dabei.
Und Überraschung: recht ordentlich und gar nicht exzentrisch eingespielt!
Hans-Ruedi aus Zürich
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