Es ist ein lohnenswertes Unterfangen, die hier vorgelegte Einspielung der Partita No. 6 in E-Moll mit der erst kürzlich erschienenen von Murray Perahia zu vergleichen: Man meint, das seien zwei verschiedene Werke. Nicht nur, dass Perahia das Stück gefühlt halb so schnell spielt wie Anderszewski; sein Ansatz (wohlgemerkt: desselben Stückes) scheint ein ganz anderer zu sein. Während Anderszewski diese Partita quasi als Bravourstück nimmt - Sturm und Drang eines doch wesentlich jüngeren Interpreten? - fallen einem bei Perahia sofort Begriffe wie "nobel", "gediegen", ja durchaus: "klassisch" ein. Da ich die Einspielung von Anderszewski zuerst im Ohr hatte, war mir diese anfangs vertrauter; doch beim mehrmaligen Hören und miteinander vergleichen finde ich nun, dass beide Interpretationen sehr gut nebeneinander (be-)stehen können. Weshalb sich Bach- und Klaviermusikliebhaber am besten gleich beide CDs zulegen - und dann auch noch Schiffs Einspielung aller sechs Partiten. Das wird dann zwar ein teureres Weihnachten, aber: Man gönnt sich ja sonst nicht, oder?