Johann Sebastian Bach (1685 - 1750): Orchestersuiten/Ouvertüren. Sinfonia aus Kantate BWV 29 "Wir danken dir, Gott, wir danken dir". Sinfonia aus Kantate BWV 146 "Wir müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen". Ausführende: Masahiro Arita, Traversflöte; Christoph Lehmann, Orgel (nur Sinfonien aus Kantaten); La Stravaganza Köln, Ltg. Andrew Manze. Aufgenommen 1994 im Sendesaal des Deutschlandradios, Köln. Erstveröffentlichung 1995 auf dem Denon-Label. Jetzt zum günstigen Preis als Brilliant Classics 92721 [2]. Gesamtspielzeit: 111'17".
Bachs vermutlich um 1720 in Köthen entstandene Orchestersuiten BWV 1066-1069 gehören zu den beliebtesten Barockstücken und sind dementsprechend häufig aufgenommen worden, auch auf historischem Instrumentarium. Meine Lieblingsversion ist und bleibt die 1979 aufgenommene, erste Einspielung mit Trevor Pinnock und dem English Concert auf Deutscher Grammophon (erhältlich in einer 3-CD-Box zusammen mit den Brandenburgischen Konzerten), doch muss ich Andrew Manze und dem Kölner Orchester "La Stravaganza" zugestehen, mein Interesse für diese so oft gehörten Stücke neu geweckt zu haben. Andrew Manze hat sich in den letzten Jahren sowohl als Geiger als auch als Ensembleleiter (Academy of Ancient Music, English Concert) einen hervorragenden Namen gemacht - diese bereits 1994 gemachte Aufnahme zeigt, weshalb er so erfolgreich geworden ist. Seine Tempi sind, wie man das von ihm kennt, nicht halsbrecherisch, manchmal sogar etwas langsamer als das Gros der Konkurrenz - und treffen das Wesen der Musik eben einen Tick besser. Manze hat sich natürlich auch als Musikwissenschaftler mit den Quellen befasst und lässt hier die vierte Suite ohne Trompeten und Pauken spielen, die seiner Meinung nach erst spät hinzugefügt wurden und in Köthen auf keinen Fall hätten dazugehören können. Natürlich vermisst man im ersten Augenblick den festlichen Klang, aber genaueres Zuhören gibt Manze Recht: Der "Antiphonaleffekt" eines "Chores" aus Oboen, der einem "Chor" aus Streichern gegenübersteht, wird hier nicht durch Trompeten verdunkelt, die ihrem Wesen nach kaum in der Lage sind, mehr zu spielen als die Tonika und die Dominante. In der zweiten Suite spielt Masahiro Arita abgeklärt die Traversflöte; die Zugaben aus den Kantaten machen überdeutlich, wie Bach Stücke, die für andere Instrumentenkombinationen entstanden waren, als Parodien neu einsetzte. Die Tonqualität ist sehr gut und ausgewogen, das Beiheft enthält (allerdings nur in englischer Sprache) eine exzellente Einführung von Andrew Manze selbst. Brilliant Classics sei für diese günstige Ausgabe gedankt!