Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bach ist immer die Zukunft, 18. Oktober 2008
Bach (Ltd.ed.)
Helene Grimaud ssagt in ihrem Vorwort, dass Bach der Komponist sei, der "die ganze Innigkeit des Gebets und die einsame Antwort des Göttlichen in ihrer Wahrheit vereint". Und sie ergänzt, das man Bach nicht als Menschen und Zeugen seiner Zeit sehen (darf)- "denn Bach ist immer Zukunft".
Mit dieser Aufnahme tritt die französische Pianistin den Beweis ein: Wer bei dieser Musik an Vergangenheit denkt, hat keine Ohren. Es ist eine Musik für alle Sinne. Helene Grimaud brilliert jedoch nicht allein in ihren Interpretationen von Bachs Musik: Die Aufnahme zeigt einmal mehr, wie sehr sie als Solopianistin eine Einheit mit dem sie begleitenden Orchester bildet. Sie versteht es immer wieder, der wunderbaren Kammerphilarmonie aus Bremen den Vortritt zu lassen und sich auch zurückzunehmen, um dann wieder die Stimme zu erheben. Diese Musik lässt die Traurigkeit des Herbstes und die Einsamkeit des Winters vergessen- sie ist voller Optimismus und Hoffnung auf die Zukunft.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bewegender Bach , 23. November 2008
Soll man Bachs Klavierwerke auf einem Originalinstrument oder auf einem modernen Flügel spielen? Für Hélène Grimaud ist diese Diskussion kein Thema. "Bach lässt sich auf jedem Instrument wundervoll spielen", sagt sie und tritt prompt den Beweis an. Sie interpretiert Bach auf einem (Steinway) Konzertflügel - und überzeugt damit auf unvergleichliche Art. In der Auseinandersetzung mit den verschiedenen Aufführungstraditionen und -ideologien fand sie ihren eigenen, persönlichen Weg zu Bach: Ohne Dogmen, aber auch ohne stilistische Extreme. Stattdessen mit der für sie charakteristischen Haltung, und die heißt: intellektuelle und emotionale Aufrichtigkeit.
Hélène Grimaud's Bach-Interpretationen entspringen dem Hier und Jetzt. Vielleicht klingen die Kompositionen unter ihren Händen deshalb so organisch und so ehrlich. Auf ihrem Konzeptalbum stellt sie originale Bach-Werke (ausgewählte Stücke aus dem Wohltemperierten Klavier sowie das erste Klavierkonzert d-Moll) und Bach-Bearbeitungen anderer Komponisten (Busoni, Liszt, Rachmaninow) gegenüber.
Faszinierend, wie Hélène Grimaud zwischen der formalen Strenge und dem spirituellen Gehalt der Kompositionen vermittelt. Ihr Spiel ist transparent und fließend, der Anschlag klar konturiert, die Dynamik kontrastreich. Die moderaten Tempi lassen die die Musik in einem natürlichen Fluss erklingen. Bemerkenswert: Wo andere Interpreten oft mathematisch streng am Metrum kleben, belebt Hélène Grimaud die Musik mit flexibler Artikulation und dynamischen Akzenten.
Die Rhythmik in Bachs Kompositionen gewinnt dadurch an emotionaler Spannung. Man höre zum Beispiel den Finalsatz des Klavierkonzertes (Allegro, Track 7): Mit wogendem, akzentuiertem Spiel entfacht Hélène Grimaud einen mitreißenden musikalischen Sog; mit ihrer kraftvollen "Linken" arbeitet sie die Kontrapunktik des Satzes plastisch heraus. Hier "groovt" es, auch ohne dass Solistin und Orchester das Tempo irrwitzig beschleunigen müssten. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen - von der Solistin geleitet - agiert mit Verve, charakteristischem Klangprofil und bestechender Akkuratesse.
Die Chaconne d-Moll (Bearb: Busoni) atmet Größe und Weite. Hélène Grimaud kostet das Dynamik- und Klangspektrum dieser Bearbeitung mit kontrollierter Leidenschaft aus. Die mächtigen Akkorde und Steigerungen gestaltet sie ausdrucksstark, ohne den Bogen zu überspannen.
Erwähnung verdient die ansprechende Ausstattung des Albums: Mit 76 Minuten Spielzeit ist die CD randvoll mit herrlicher Musik. Auch das dreisprachige Booklet macht Freude. In einem Vorwort gibt Hélène Grimaud Auskunft über ihre persönliche Sicht auf den Menschen J.S. Bach und sein Schaffen. Ein ausführliches Interview gibt weitere Aufschlüsse über die musikalische Konzeption dieser CD. Anspruchsvolle Fotografien vom Fotokünstler Mat Hennek zeigen die Pianistin bei der "Arbeit", ergänzt durch Impressionen aus dem Aufnahme- und Tonstudio.
Fazit: Ein programmatisch und musikalisch großartiges Album in attraktiver Aufmachung.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Besonders die Ciaccona, Busonis Bearbeitung von BWV 1004, ist hier außergewöhnlich gut interpretiert, 15. November 2008
Die Interpretationen dieser CD sind allesamt Beweise für die Musikalität ebenso wie für die technische Perfektion von Hélène Grimaud - auch wenn ich bei den meisten Werken für Tasteninstrumente, die vor ca. 1800 komponiert wurden (z.B. denen von Bach), immer noch auf eine Aufnahme warte, die noch viel stärker "romantisierend", dabei aber zugleich einigen Ausdrucksmöglichkeiten des Originals näher wäre. Alle mir bekannten Weltklassepianistinnen/pianisten sind musikalisch offenbar im 19. u. 20. Jh. beheimatet, die Musik des 18. Jh.s ist für sie eine Fremdsprache, die sie mehr oder weniger gut 'beherrschen'. Da wird dann leider das Klavier zu sehr an das Cembalo angelehnt, und das Tempo viel zu gleichmäßig, fast nach Metronom, durchgespielt und oft auch zu schnell, statt die Harmonien und Polyphonien mehr auszukosten, z.B. mit sehr viel mehr (obgleich wohldosiert eingesetztem) Rubato. Das wäre eine spannende Innovation, die bis heute noch weitgehend aussteht, obwohl es immer wieder einige Werkinterpretationen in diese Richtung gibt (z.B. schon ca. 1974 die Interpretation von Maria Joao Pires von Mozarts Fantasie in c moll KV 475 ein). Brillant ist diese Aufnahme dennoch und bekommt daher von mir auch 4 Sterne.
Besonders die Chaconne, Busonis Bearbeitung der Ciaccona aus der Violin-Partita BWV 1004, ist hier außergewöhnlich gut interpretiert, auch im Vergleich zu bisherigen Aufnahmen. Manche sind virtuoser, aber das ist nicht unbedingt besser, andere spielen sie wuchtiger, manche härter. Hélène Grimaud überzeugt mich aber hier am meisten, auch wenn sie (wie auch in einigen anderen Stücken) für mein Empfinden manches zu sehr in Richtung Staccato spielt (statt mehr Portato oder Legato). Sie betont sehr gut und passend die Kontraste, sowohl bzgl. der Lautstärke als auch der Geschwindigkeit. Das geht in die Richtung, die ich oben angedeutet habe. Allein dieses eine Stück hätte schon für sich genommen 5 Sterne verdient.
Da ich für den Rest insgesamt eigtl. nur 3 Sterne geben würde (v.a. das Orchester, von dem sie in einigen Stücken begleitet wird, überzeugt mich überhaupt nicht, es wirkt recht flach und monoton), nehme ich einen großzügigen Durchschnitt daraus von 4 Sternen.
(Sehr gut klingt diese Ciaccona übrigens auch in manchen Bearbeitungen für Gitarre, z.B. von Narciso Yepes - in einer leider heute kaum mehr erhältlichen Aufnahme. Im Original für Violine wird sie leider - auch von Profis - an vielen Stellen (v.a. bei Doppelgriffen und dergleichen) recht schief intoniert, zu oft auch verquietscht und verkratzt, und - was der Intonation ebenfalls schadet, meist mit viel zu viel Vibrato im Stil des späteren 19./20. Jh.s gespielt, aber z.B. finde ich die Interpretation von Nemanja Radulovic sehr gut und sogar noch besser (auch vom Klang der Aufnahme her) die Version von Baiba Skride auf ihrer CD "Bach Bartok Ysaye").
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