Hört man den Beginn dieser CD, wie Hengelbrock im Schmerz bohrt, gibt er gleich eine Visitenkarte seines Musizierens ab.
Immer intensiv. Vor Jahr und Tag hörte ich ihn mit seinem ensemble beim Bremer Musikfest. Er führte Teile der h-moll Messe auf, in einer Intensität, dass es einem Tränen in die Augen trieb.
Auch der Zeit-Kritiker Beaujean ist von diesem Musiker begeistert, schrieb bereits früher über ihn:" Der Dirigent Thomas Hengelbrock hat sich an den Dresdner Lotti-Quellen berauscht und, wieder nüchtern im Geist, eine entzückende Auswahl für eine CD seines fabelhaften Balthasar-Neumann-Chor Das architektonisch meisterhafte Miserere d-moll, das Lottis Ruhm europaweit befestigte, darf natürlich nicht fehlen. Doch zum Glücksfall wird die Aufnahme durch das unbekannte Requiem F-Dur. Der Hörer kommt sich vor, als führe ihn ein Engel Gottes in eine seltsam erregte Welt zwischen Himmel und Hölle". In der aktuellen Ausgabe der Zeit schreibt er begeistert über diese CD.
Hengelbrock setzt sich seit einiger zeit für Antonio Lotti ein."In seiner Notensammlung taucht auch ein Meister aus Venedig auf: Antonio Lotti (1667 bis 1740). Den schätzte Bach unter den Italienern ebenso wie Palestrina oder Pergolesi und stand damit keineswegs allein. 1717 war Lotti aus dem engen Winkel San Marcos für zwei Jahre an den Dresdner Hof gereist. Die geistige Luftveränderung äußerte sich in explodierendem Tatendrang: Er richtete dort eine komplette italienische Kapelle ein, komponierte wie ein Berserker und pflegte Kontakte zu Kollegen. Da Dresden seinerseits die Liebe zu Lotti über die Jahre konservierte, finden sich in dortigen Archiven heute viele seiner Kompositionen, die meisten jungfräulich im Original."
Hengelbrock musiziert alle drei Stücke mit grosser Begeisterung und Intensität. Bei BWV 12 kann man ja vergleichen und die Aufnahme von Hengelbrock durchaus als Referenz bezeichnen.
Lotti und Zelenka machen deutlich, in welchem Umfeld Bach komponierte und machen verständlich, dass den Zeitgenossen deren Musik näherstand und Bach eher als Orgelmeister wahrgenommen. Die gefälligere Musik schrieben die anderen.
Mit seinem immer hochprofessionellen Ensemble Balthasar Neumann hat Hengelbrock wieder einmal das Repertoire deutlich bereichert.