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Die Beschäftigung mit Johann Sebastian Bachs Konzerten ist spannend. Die meisten dieser Werke sind entstanden, als der Barockmeister noch kein Leipziger Thomaskantor, sondern Kapellmeister in Köthen war. In dieser Stellung hatte er für fürstliche Unterhaltung (sprich: virtuose Unterhaltungsmusik) zu sorgen. Nicht immer ließ er eigene Partituren spielen. Aus Studiengründen widmete er sich auch Werken der damals so beliebten italienischen Kollegen und transkribierte sie für andere Besetzungen. Auch eigene Stücke wurden so umarrangiert. Manchmal gingen die Originalpartituren im Laufe der Zeit verloren, und heute kennt man nur noch die Bearbeitungen.
So zum Beispiel im Fall des hier zu hörenen Solokonzerts d-Moll, das vielen Musikhörern eigentlich als Cembalokonzert bekannt ist, ursprünglich jedoch für Violine gedacht war. Seine rekonstruierte Fassung ergänzt den ansonsten schmalen Werkkatalog Bachs auf diesem Gebiet in reizvoller Weise, denn es unterscheidet sich stark von den beiden gängigen Schwesterkonzerten: Hier ist ein virtuoser Bach zu erleben, der weniger auf kontrapunktische Behäbigkeit setzt, sondern mehr auf vordergründigen Effekt. Aber auch in den polyphon verschlungenen Stücken zeigt das Kölner Kammerorchester, dass Bachs Satzkünste keieneswegs Selbstzweck sind, sondern ganz im Dienst einer überzeugenden formalen Gestaltung stehen. Sensibel trennt Müller-Brühl die verschlungenen Solo- und Tutti-Abschnitte auf. Mit dem Solisten Kolja Blacher hat der Dirigent einen Glücksgriff getan: Er musiziert seinen Bach kraftvoll mit viel Sinn für Kontraste und mit einem eigenen Stilempfinden, dass sich freilich völlig vom authentischen Musizieren unterscheidet. Etwas befremdlich ist der Wechsel des zweiten Solisten im Doppelkonzert von Satz zu Satz. Hier wäre eine Begründung im Booklet angebracht gewesen. --Oliver Buslau
Produktbeschreibungen
Bach : Concertos pour violons BWV 1041, 1042, 1052 & 1043 / Kolja Blacher, violin - Orchestre de Chambre de Cologne, Helmut Muller-Bruhl, direction