Schon nach dem ersten Hören war diese Aufnahme der h-Moll-Messe für mich eine einzige Enttäuschung.
Ich war so stolz, eine Karajan-Aufnahme erworben zu haben und musste feststellen, dass ich lieber zu einer anderen hätte greifen sollen:
Der Chor, der wichtigste Teil dieses Werkes, ist in sich sehr unstimmig und größtenteils viel zu tief (s. z.B. "Et in carnatus est" oder "Crucifixus"), was bestimmt auch auf die bedenkenswerte Interpretation des Dirigenten zurückzuführen ist. Wenn ein Dirigent merkt, dass ein Chor seine Ansprüche nicht erfüllen kann, dann sollte er darauf Rücksicht nehmen. Das berühmte "Cum sancto spiritu" ist so viel zu schnell, wodurch der Chor einfach nicht hinterher kommt. Von vielen Stücken kann man behaupten, dass die Tempi einfach ins Lächerliche gezogen werden, da sie von einem Extrem ins andere schwanken. Selbst die sonst so guten Berliner Philharmoniker sind in dieser Aufnahme (s. z.B. "Et resurrexit") oft nicht zusammen, was das eigentlich so beeindruckende Werk kaputt und die von Bach vorgesehene Stimmung zunichte macht.
Sehr gut sind aber die Solisten, was sich vor allem in der Bass-Arie "Quoniam tu solus sanctus" von Karl Ridderbusch bemerkbar macht.
Ingesamt ist diese Aufnahme nicht empfehlenswert, da sie alle Erwartungen an das Werk zerstört. Von Herbert von Karajan bin ich bessere Leistungen gewohnt.