Diese Aufnahmen sind zum Teil sehr alt, einige aus den späten 40ern. Günther Ramin, geboren 1898, seit den 40ern Thomaskantor, baute den Thomanerchor nach dem Krieg wieder auf und aus dieser Zeit stammen die Aufnahmen dieser Sammlung. Deshalb darf man keine besonders gute Tonqualität erwarten. Es sind aber keine Life-Aufnahmen, so daß sie trotzdem recht anständig klingen. Diese Aufnahmen sind insbesondere im Vergleich mit den späteren von Rotzsch, Mauersberger, Flämig und Karl Richter interessant. Ramins Aufnahmen stammen nämlich aus einer Zeit, wo die Vermittlung des textlichen Inhalts durch die Musik wichtiger war, als die technische Perfektion (Dementsprechend waren damals die Ausrutscher auch üblicher). Die Verinnerlichung des Textes war so wichtig, daß sich die Interpretationen aus dieser Zeit viel freier anhören als die späteren. Deshalb vermittelt aber diese Kantatensammlung ein unmittelbares, persönliches religiöses Gefühl, das bei den spätern in dieser Intensität nicht mehr da ist. Das gilt vor allem für die Solisten, die nicht so durchtrainiert wie die späteren klingen, aber auch für den Thomanerchor. In dieser Sammlung ist ebenfalls eine hervorragende Johannespassion und auch einige Orgelstücke, die Ramin selbst spielt. Er war zu Lebzeiten ein weltberühmter Organist.