Die geistlichen Kantaten von Johann Sebastian Bach sind derart berühmt und beliebt, dass sich der Begriff der "Bachkantate" unlängst eingebürgert hat, obschon Bach bei Weitem nicht der einzige Komponist war, der Kantaten komponierte. Diese zählen aber zu den besten und schönsten, so dass neben den seinen heute kaum noch andere Kantaten zu Gehör kommen.
Dementsprechend breit ist die Diskographie dieser einmaligen Werke. Im Rahmen der "Bach Cantata Pilgrimage" nahm der großartige John Eliot Gardiner gemeinsam mit seinen English Baroque Soloists und dem genialen Monteverdi Choir zahlreiche Kantaten in verschiedenen Kirchen in ganz Europa auf. Die vorliegende CD - in ausgezeichneter Tonqualität - enthält die überaus bekannten zwei Kantaten BWV 140 "Wachet auf, ruft uns die Stimme" und BWV 147 "Herz und Mund und Tat und Leben", die in der St. Andrew's Church in Dorset im Jahre 1990 entstanden sind.
Dass Gardiner auf grandiose Solisten zurückgreifen kann, zeigt bereits die Einspielung von BWV 140. Mit Ruth Holton (Sopran), Anthony Rolfe Johnson (Tenor) und Stephen Varcoe (Bass) erhält man die Optimalbesetzung. Die Kantate, die für den 27. Sonntag nach Trinitatis geschrieben wurde und die die Vereinigung der wartenden Seele mit Jesus als feierliche Hochzeit darstellt - schließlich steht der Advent vor der Tür -, wird durch die glänzende Darbietung der drei und dem wie immer tadellos singenden Monteverdi Choir transparent, schlicht und fesselnd. Auch wenn manch einer kritisieren mag, dass Gardiner zu groß besetzte Chöre verwendet, so schafft es sein nuanciertes und punktgenau akzentuiertes Dirigat trefflich, alles so wunderbar aufzugliedern, dass nichts verloren geht.
BWV 147 - für das Fest Mariä Heimsuchung am 2. Juli komponiert - behandelt das Thema der Verstockung wider Gott. Dieser wird darum gebeten, dem Menschen dahingehend zu helfen, dass er seinen Glauben offen kundtue. Die Kantate gipfelt im berühmten Choral "Jesus bleibet meine Freude". Diesem Topos maß Bach offenbar so viel Gewicht bei, dass er seine Kantate in zwei Teile unterteilte. Besonders auffällig ist hier der gezielt gesetzte Kontrast. So lässt Bach beispielsweise ein Rezitativ des Kontertenors kammermusikalisch schlicht untermalen, um die darauf folgende Arie des Bass' besonders üppig zu gestalten. Überhaupt ist die Instrumentierung hier besonders ausgefeilt. Gardiner lässt sich darauf ein, schließlich kann er auf die wieder einmal superb aufspielenden English Baroque Soloists bauen, deren durchsichtiges Spiel schon beinahe beispielhaft ist.
Fazit: Bach und Gardiner - die perfekte Symbiose! Hier kann man nichts falsch machen...