Aus der Amazon.de-Redaktion
Ein junger Mann aus der Provinz, begabt, sehr selbstbewusst und gut aussehend dazu, macht sich auf in die weite Welt. In diesem Fall nach Berlin, wo all die Plattenfirmen sind. Und die, offenbar beeindruckt von Martin Stadtfelds Eloquenz und seinem Auftreten geben ihm die Chance seines Lebens: die Aufnahme von Bachs Goldberg-Variationen. Nun heißt es, in Deutschland stamme das Genie aus der Provinz. Das Temperament und die Klarheit eines Glenn Gould, jenes genialen Pianisten, der mit 22 Jahren das gleiche Werk einspielte, sind bei dem fast gleichaltrigen Martin Stadtfeld da. Und manchmal auch die Rasanz, mit der dieser seine Aufnahme absolvierte, die er im Übrigen später für überschätzt hielt.
Nur stellt sich bei Stadtfeld kein "freies Gefühl", kein "inneres Beben", das seinerzeit Glenn Goulds Intrepretation so einzigartig machte, ein, eben das, was Musikkritiker spröde mit "Binnendynamik" bezeichnen. Noch ist Martin Stadtfeld zu sehr am Notentext verhaftet. Gewiss hat er einen Sinn für Bezüge, für gewichtige Zusammenhänge, wenngleich er diese manchmal eigenwillig interpretiert, indem er schon mal Stimmen um eine Oktave verschiebt. Diese vom PR-Text genannten "musikdramaturgischen Eingriffe" ändern dennoch nichts daran, dass seine stürmisch, bisweilen heitere auf jeden Fall technisch brillante Intepretation einfach (noch) nicht atmet und lebt. --Teresa Pieschacón Raphael
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