Ups, dachte ich im ersten Moment, der jagt sich aber durch die Suiten. Zumindest die ersten 3 Sätze der ersten Cello Suite sind ungewohnt flott gespielt, mit einer Verve, wie ich sie selten zuvor gehört habe. Thedeen spielt technisch brillant und seine Interpretation ist modern und leidenschaftlich. Klanglich ist die Aufnahme über jeden Zweifel erhaben; man hört das Cello förmlich singen, man hört das Streichen der Saiten. Und doch gibt es einen - wenn auch leisen - Kritikpunkt: Wenn ich Fournier oder Schiff die Suiten spielen höre, ist das wie Balsam für die Seele, strömt ein Hauch von Magie durch den Raum, versteht man, warum die Cellosuiten auch erfolgreich bei Burn Out und Depressionen eingesetzt werden. Thedeens Spiel erreicht diese wahrlich heilsame Wirkung nicht; es ist vermutlich auch nicht seine Absicht gewesen, so zu spielen, Epigonen von Fournier gibt es ja auch schon genug.
Es bleibt eine hervorragende Interpretation, die vielleicht nicht die allererste Wahl darstellt, doch sehr wohl eine interessante Alternative zu den legendären Aufnahmen von Fournier, Starker und Schiff.