Die Brandenburgischen Konzerte von Johann Sebastian Bach zählen zweifelsohne zu den populärsten Werken der Klassik. Dabei ist es keineswegs zulässig, die sechs Konzerte zu vereinheitlichen. Während die ersten drei und das sechste Konzert üppig solistisch besetzt, beschränken sich die Konzerte vier und fünf weitest gehend auf einen kammermusikalischen Rahmen. Man tut auch nicht falsch daran, das fünfte Konzert als ein Cembalokonzert zu bezeichnen.
Auf jeden Fall zeichnen sich alle Konzerte durch eine espritvolle Heiterkeit, eine einnehmende melodiöse Geradlinigkeit und die Vielfalt an tänzerischen Elementen aus. Es kommt schließlich nicht von ungefähr, dass viele Kritiker die Brandenburgischen Konzerte zu Bachs größten Errungenschaften zählen.
Aber auch die vier Orchestersuiten des Thomaskantors dürfen getrost über alle Maßen gelobt werden. Bach setzt hier zum großen Teil auf einen ausgebauten Orchesterapparat. Nur die tief tragische h moll Ouvertüre BWV 1067 ist kammermusikalisch konzipiert. An ausladende, überreiche Ouvertüren reiht Bach eine ganze Reihe abwechslungsreicher Tänze, die er allesamt zu feinen, mitreißenden Charakterstücken verarbeitet. Man höre sich nur die berückende Air aus der dritten Suite an, die nicht grundlos die wohl beliebtesten und bekanntesten Melodien Bachs enthält.
Kongenial zu diesen Meisterwerken erweist sich das auf Originalinstrumenten musizierende English Concert, das der Koryphäe Trevor Pinnock untersteht, der selbst am Cembalo Platz nimmt. Das Spiel ist heiter, frisch und transparent, die Aufnahmequalität superb. Selten beispielsweise wird man die teils voluminösen Orchestersuiten klarer und heller gehört haben als in dieser Interpretation.
Pinnock lässt sich ein auf die herrlichen Dimensionen bachscher Barockkosmen. Sein Dirigat ist straff und fließend. Das kommt dem inneren Zusammenhalt und der Spannung der Kompositionen sehr entgegen. Man höre sich nur das knappe Adagio aus dem dritten Brandenburgischen Konzert an, über das viele andere Interpreten nur allzu leicht hinwegwischen. Hier hingegen wirkt es intensiv und verbindend.
Der lautere Klang der Originalinstrumente erzeugt so viel mehr an Klangfarben und selten gehörten Nuancen, dass man darauf nicht mehr verzichten möchte. Keiner der Akteure ist gewollt, über die Ecken und Kanten der Kompositionen hinwegzuwischen. Die vielen Tänze, die Bach in seine Kompositionen integrierte, werden gezielt in ihrem Charakter betont. Somit entsteht der größtmögliche Kontrast, der fesselt und packt.
Ein Meilenstein in der umfangreichen Diskographie dieser Repertoireklassiker!