WASP ist an und für sich keine Band. Es ist Blackie Lawless und seine Begleitmusiker. Das ist zwar nichts Neues, bei "Babylon" fällt es leider aber bisweilen etwas negativ aus. Als Allein-Produzent, Allein-Songwriter, Lead-Sänger, Lead-Keyboarder und Lead-Gitarrist merkt man vom ersten bis zum letzten Ton, dass WASP am Werke sind. Kein Song auf diesem Album ist wirklich schlecht oder unterschreitet ein gewisses Niveau, doch diese "Das hab' ich doch schon mal gehört"-Deja-vu-Erlebnisse hat man das ganze Album hindurch.
Sicher, auch der Vorgänger "Dominator" von 2007 zitierte die beliebteste WASP Phase (Headless children/Crimson Idol/Still not black enough), aufgemischt mit einem bisschen Räudigkeit aus der Anfangszeit, und die Songs waren vom Strickmuster her nicht anders, aber ... na ja, das Songwriting eben etwas "hittauglicher".
Ich möchte "Babylon" dabei gar nicht schlechtreden. Im Gegenteil, mit "Crazy", "Babylon's burning" und "Sea's of fire" sind sogar drei richtig gute Heavyrocker drauf, die ich qualitativ zu den großen Hits von WASP zählen würde. Der Rest jedoch ist nur gefällig, teilweise aber auch belanglos. Der Stampfer "Thunder red" zum Beispiel sorgt für ein Zucken in den Nackenmuskeln, aber es fehlt der letzte Kick. Auch zeigt die obglitatorische Monsterballade - hier "Godless run" - dass Blackie Gänsehaut-Feeling vermitteln kann, aber sich beim Komponieren wohl zu oft "Heaven's hung in black" oder "The Idol" angehört hat.
Wie zu jeder WASP Scheibe die Anmerkung, dass Blackie einfach eine geile Stimme hat, an der man sich nicht satt hören kann, und auch hier wieder zu voller Geltung kommt.
Noch ein Wort zu den beiden Coverversionen: "Burn" wird solide gezockt, gefällt mir aber von Deep Purple nach wie vor besser. "Promised Land" stamm von einem gewissen Chuck "Johnny B. Goode" Berry - und zu diesem Rock n Roll Urgestein passt der Song auch wesentlich besser als zu Blackie's Mannen.
Fazit: "Babylon" ist eine solide Scheibe mit einigen echten Krachern geworden. Ganz in die erste Reihe schafft es das Album nicht, denn dafür gibt es auch einige mäßige Songs und einige Songs, die sich zu sehr an dem bisherigen Schaffen von Herrn Lawless bedienen. Dennoch Daumen nach oben, fette vier Sterne und eine Kaufempfehlung.