Nachdem im ersten Band die Vorgänge rund um die Entstehung des Psi Corps geschildert wurden, widmet sich dieser Band ganz der Entwicklung des Mannes, der in meinen Augen der wohl interessanteste Nebencharakter der Serie werden sollte: Psi Cop Alfred Bester.
Die Handlung dieses Bandes setzt ein, als klein "Alfie" sechs Jahre alt ist. Die ersten Kapitel mögen für heutige Leser ein wenig wie Telepathen-Harry-Potter anmuten, aber man erhält bereits von Anfang an einen guten Einblick in die Psyche des einzelgängerischen und ehrgeizigen Jungen, für den der Leitspruch des Psi Corps: "The Corps is mother, the Corps is father" tatsächliche Realität ist.
Wir erleben ihn als Kind, das seinem Fernseh-Idol nacheifert - Psi Cop John Tracker, Held einer Art "Telepathen-Daily-Soap" - als übereifrigen Jugendlichen, jungen Psi Cop, der nach und nach erkennt, wie sehr sein "geliebtes Corps" für die politischen Machtkämpfe der Erdregierung instrumentalisiert wird, bis hin zum Black Omega Kommandanten - kurz vor seinem ersten Besuch auf Babylon 5 - der im Geheimen auf skrupellose Weise alles daran setzt, SEINE Telepathen vor den Machenschaften der "Normalen" zu beschützen und auf jenen Weg zu bringen, den ER für richtig erachtet.
Dabei bildet sich schon früh die gewohnte Ambivalenz heraus. Jeder "bösen" Tat - vom Jugendstreich bis zum kalkulierten Mord - wird eine Begründung gegenübergestellt, wobei es stets dem Leser überlassen bleibt, zu beurteilen, inwieweit der Zweck die Mittel rechtfertigt.
Doch egal, wie dieses Urteil ausfallen mag, denke ich, dass hier ein Hintergrund aufgebaut wird, der in jedem Fall nachvollziehbar macht, wie aus dem anfangs zwar elitär erzogenen aber dennoch positiv in die Zukunft blickenden Kind, mit jeder enttäuschenden Erfahrung, mit jeder Zurückweisung, mehr und mehr der scheinbar kalte und grausame Al Bester entstehen konnte.
Keyes schafft es - zwar nicht in jeder Szene, aber doch in weiten Teilen - Bester so verblüffend konsistent mit der Serie zu gestalten, dass man ihn oft förmlich "reden hört".
Äußerst gelungen finde ich auch die Schilderung von Teeptown, die Beschreibung der Restriktionen, denen Telepathen unterworfen sind, und der Anfeindungen, mit denen ihnen im täglichen Leben begegnet wird.
Großartig überdies die Umsetzung, wie sich Telepathie für Telepathen anfühlt/anhört.
Aus meiner Sicht, ein solides Buch, in welchem es dem Autor jedenfalls gelungen ist, Bester als Charakter und das Psi Corps insgesamt erstaunlich stimmig einzufangen.