Dieses Beikostbuch ist tatsächlich so ziemlich das aktuellste, was man auf dem Markt zum Thema finden kann. Alle wichtigen Themen werden ausführlich erläutert (Allergien, geeignete Lebensmittel) und es gibt eine Menge nützliche Zusatzinformationen, z.B. zum Thema Einfrieren und Auftauen etc.
Die enthaltene Lebensmittelkunde ist genauso wie der enthaltene Saisonkalender sehr nützlich.
Die ersten drei Mahlzeiten werden Schritt für Schritt eingeführt und ausführlich erläutert. Auch auf fleischfreie Ernährung wird eingegangen. Es wird aufgzeigt, wie man die Breie zubereiten sollte bzw. wie welchen Früchten oder mit welchem Gemüse um möglichst viel Eisen mitzunehmen.
Und das ist es auch, was mich am Buch wirklich gestört hat: es wird an jeder auch nur ansatzweise freien Stellen auf Eisen angesprochen. Und damit meine ich wirklich jedes freie Plätzchen. Mir ist klar, dass Eisen ein großes Thema ist und das die Kinder natürlich eine adäquate Eisenversorgung benötigen. Allerdings ist es lange nicht so problematisch wie man hier den Eindruck bekommen könnte. Und auch bei einer fleischfreien Ernährung haben die Kinder, solange der Beikostplan viel Gemüse/Obst und Getreide enthält, was ja in der Regel der Fall ist, kein Problem mit ihrer Eisenversorgung.
Ich möchte nicht grundsätzlich kritisieren, dass die Autorin das Thema Eisenversorgung angeht. Es ist einfach mittlerweile schon allgemein bekannt, dass es nicht ein allzu großes Problem darstellt, wenn man sich ausgewogen ernährt. Die Natur bietet einiges. Und auch wenn pflanzliches Nicht-Hämeisen (FE3+) weniger gut resorbiert werden kann als das tierische Hämeisen (FE2+), gleicht sich dieser Nachteil bei gleichzeitiger Vitamin-C-Aufnahme durch Säfte oder geeignete Früchte vollständig aus, was die Autorin auch im Kapitel der vegetarischen Säuglingsernährung anspricht. Die Natur hat in dieser Hinsicht vorgesorgt: Bei unzureichender Versorgung oder einem Mangel, wird die Resorptionsrate vom Körper um bis zu 40% erhöht, was man eben durch die Gabe von Vitamin-C-haltigen Lebensmitteln begünstigen kann.
An dieser Stelle hätte erwähnt werden sollen, und das erwarte ich von der Autorin, da sie so vehement auf das Thema Eisen angeht, dass die gleichzeitige Aufnahme von Kalzium und/oder Milch- und Eiproteinen und/oder Polyphenolen die Eisenresorption wiederum stark hemmt, warum man es vermeiden sollte Getreidegerichte mit Milch anzureichern. Allerdings bestehen die Obst-Getreide-Milch-Brei-Rezepte, wie die Betitelung schon vermuten lässt, alle aus Milch. Gerade für vegetarische Beikost also kein guter Vorschlag die eisenreiche Getreide-Obst-Breie mit Milch anzurühren. Dies sollte eher vermieden werden.
Weiter ist mir aufgefallen, dass die Autorin schreibt, man solle sich im Falle einer rein pflanzlichen Ernährung, also bei veganer Ernährung, unter anderem an die Hebamme, den Kinderarzt oder eine Ernährungsfachfrau wenden. Letzteres ist wohl der einzig richtige Weg, vorausgesetzt der oder die Ernährungsberater/in sind auf vegane Ernährung spezialisiert. Eine Hebamme oder gar einen Kinderarzt zum Thema vegane Ernährung zu Rate zu ziehen halte ich für genauso sinnvoll, wie einen Schornsteinfeger zum Rohrbruch hinzuzurufen. Weder die Hebamme noch der Kinderarzt werden auf solche Ernährungsnischen ausgebildet. Das einzige, was man von dieser Seite zu hören bekommt ist wohl, dass eine vegane Ernährung auf keinen Fall für Kinder und Säuglinge geeignet sein. Eine längst überholte aber in der Gesellschaft fest im Sattel sitzende Behauptung.
Was mich allerdings brennend interessiert hätte und worüber ich in diesem Buch wenig erfahre ist die Jodzufuhr. Natürlich könnten Kinder über Lachs Jod aufnehmen. Allerdings würde ich persönlich meinem Kind keine Fische zum Essen geben nur damit es Jod aufnimmt, dazu aber auch einen Haufen krebserregender Zusatzstoffe und Schwermetalle. Ganz zu schweigen von der Überfischung der Meere, der grenzenlosen Überzuchtung und Quälerei der Tiere und insgesamt des erheblichen Umweltschadens den man damit anrichtet, nur damit das Kind das gute Jod vom Tier bekommt. Hier sollten immer auch Alternativen aufgezeigt werden, schon alleine weil es einfach viele Kinder gibt, die kein Fisch essen wollen.
Der Rezepteteil gefällt mir wieder ausgesprochen gut. Schon alleine dafür hat sich die Anschaffung gelohnt. Gerade die Backrezepte im hinteren Teil sind klasse! Ein großes Lob dafür!
Fazit: ein erfreulich aktuelles Buch zum Thema Beikost, was mir etwas zu dominant, dafür aber mit Halbwissen das Thema Eisen angeht und dafür andere Nährstoffe gar nicht anspricht. Da habe ich mir schlicht mehr erwartet. Der Rezepteteil ist sehr gut!