Wer die "Letzte Liebe" der unternehmungslustigen Professorenwitwe Maria miterleben durfte, sollte auch die Fortsetzung und "Babuljas Glück" nicht versäumen: Die mittlerweile 80jährige Dame ist aus dem Altersheim getürmt, um in Sibirien nach ihrem Schützling, dem 16jährigen Russlanddeutschen Wowa, zu fahnden. Wie "ein Wellensittich, der seinen Käfig verlassen hat" lernt Maria bei ihrem Ausflug ins Ungewisse viel über fremde Kulturen, liebgewonnenen Wahlenkel und über sich selbst. Mit Charme und Klugheit hat die "spätdebütierende" Autorin Dorothea Razumovsky das herzerfrischende Porträt einer alten Frau gezeichnet, die man trotz ihrer Macken und Sturheiten einfach liebgewinnen muss. Die greise Heldin streut die ermunternde Botschaft unters Leservolk, dass Lebenshunger und Wissensdurst keine Frage des Alters sein müssen. Sie zeigt, dass man "das Leben zwar rückwärts betrachten, aber nur vorwärts leben kann", wie Razumovsky einmal
Babuljas Glück in einem Interview sagte. Für die Literaturkritik der FAZ kreuzen sich hier "die Schreiberfahrung der politischen Journalistin und Sachbuchautorin mit Lebenserfahrung, gewonnen unter anderem in ehrenamtlicher Arbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund" zu einem gelungenen Ganzen.