Als unbezahlte Magd im Haushalt konservativer Schwestern und Angehöriger einer pietistisch-puritanischen Glaubensgemeinschaft angestellt lebt die französische Meisterköchin Babette jahrelang letztlich unter einem großen Deckel der Sparsamkeit und Schlichtheit. Eine Sparsamkeit und Schlichtheit die auch dem Lebensgefühl und der Lebenseinstellung der tristen Dorfgemeinschaft ihres neuen Lebensumfeldes entspricht.
Ihre kontinuierliche Beteiligung an einem Gewinnspiel in ihrer früheren Heimat führt eines Tages zu einem unerwarteten Geldgewinn. Kritisch und unverständig akzeptieren ihre Geldgeberinnen schließlich ihren offensichtlich lang gehegten und sehnlichsten Wunsch, ein außergewöhnliches Festmahl zubereiten zu dürfen. Anlass ist das Gedenken an den Geburtstag des schon einige Jahre verstorbenen Familienoberhauptes und Vater der beiden frommen Schwestern.
In einer nahezu märchenhaften Weise schildert die Autorin die Enge der Lebensgemeinschaft, die eingeschränkte und wenig offene Denkweise der baldigen Gastgeberinnen. Dem gegebenüber steht das Bestreben der Köchin, etwas ganz Besonderes, kunstvoll Ausstrahlendes zu schaffen. Eindringlich wirkt auch das Vorhaben der geladenen Gäste, sich in Anbetracht ihrer bescheidenen Lebenseinstellung nicht über das Essen zu äußern lässt die vorherrschende bedrückende Stimmung auch im Leser aufkommen.
Je näher das Fest rückt, desto deutlicher entwickelt sich das Leuchten der Geschichte. Doch dann gibt es in der wahrsten Bedeutung des Wortes einen Sinnes-Wandel. Babette scheint sich von der unscheinbaren, unbedeutenden Angestellten zur Meisterin der Szene zu entwickeln. Allein die Einkäufe waren den sich unsicher zurückhaltenden Schwestern Martine und Philipa schon nicht geheuer. Auch die Tatsache, dass sie selbst die Kosten für das Essen von Ihrem 10.000-Franc-Gewinn finanzieren möchte, nehmen die beiden Damen erst nach einigem unverständigen Nachfragen und erlegener Toleranz an.
Das Mahl selbst schließlich wird ein Rausch des Geschmacks und ein Meisterschauspiel der Kochkunst, ergänzt um die hoch lobenden und anerkennenden Bemerkungen kulinarisch erfahrener Gäste des gehobenen Standes. Als Babette am Ende des Meistermahles durchblicken lässt, dass sie das Essen ihr gesamtes Geld gekostet hat, spürt erst die tiefe Bedeutung dieser opulenten Kunstschöpfung für sie, die zudem ihren weiteren Aufenthalt in Jütland macht, was sie jedoch für dieses eine Mal exzessiven inneren und äußeren Ausdrucks gerne in Kauf nimmt. Ihr Lebensziel scheint verwirklicht, denn sie hat als Künstlerin mit ihrer Schöpfung Menschen für einen Lebensaugenblick glücklich gemacht. © 2/2005, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.