Als ehemaliger Burghauptmann, Leiter der technischen Verwaltung von Hofburg, Belvedere, Augartenkomplex, sowie des Kunst- und Naturhistorischen Museums ist Richard H. Kastner genau der Mann wenn es um Fragen zu Bau und Geschichte der Wiener Hofburg geht. 2004 hatte Kastner mit GLANZ UND GLORIE - DIE WIENER HOFBURG UNTER KAISER FRANZ JOSPEH bereits einmal sein weit reichendes Wissen um den ehemaligen Kaiserpalast niedergeschrieben. In WO BABENBERGER UND HABSBURGER RESIDIERTEN nimmt die Hofburg daher und auch aufgrund ihrer historischen Bedeutung als Jahrhunderte lange Herrscherresidenz einen besonderen Stellenwert ein. Doch ehe sich Kastner seiner Hofburg zuwenden kann, führt er zunächst durch die bewegte Geschichte der Herrschaftssitze von Babenberger und Habsburgern.
Bereits im Vorwort räumt Kastner unter anderem mit dem alten Mythos auf der Böhmenkönig Przemysl Ottokar II. oder König Rudolf I. hätten die Hofburg begründet. Tatsächlich haben Umbauarbeiten in der Schatzkammer 1987 den Beweis zu Tage gefördert dass es schon Herzog Leopold VI. war. Somit ist die Hofburg ein historisches Bindeglied zwischen der Herrschaft der Babenberger und ihrer Nachfolger der Habsburger. Fast 1000 Jahre österreichischer Geschichte sind damit auch die Geschichte eines Bauwerks, in dem heute noch der Bundespräsident als höchster Mann des Staates residiert.
Doch beginnt die Geschichte in Pöchlarn, dem ersten Markgrafensitz der Babenberger, noch zu einer Zeit als die östliche Mark Teil Bayerns war. Doch mit der Expansion der Babenberger gegen Osten, zogen die Markgrafen und späteren Herzöge zunächst in die Melker Burg, welche als Benediktiner-Stift noch heute erhalten ist, über Gars-Thunau bis Klosterneuburg und schließlich Wien.
Für Habsburger- und Babenberger-Verehrer zweifellos ein lesenswertes Buch, auch für Freunde der österreichischen Geschichte oder der Wiener Hofburg. Denn Kastner erzählt hier vor allem im "ersten Abschnitt" des Buchs sehr viel von der österreichischen Frühgeschichte, die sonst meist nur sehr kurz oder episodenhaft abgehandelt wird. Im Weg steht sich das Werk nur manchmal durch einen etwas unklaren Stil der zwischen eindrücklicher Geschichtserzählung und einem Auftrumpfen mit technischen Fakten schwankt. Besonders fällt das auf, wenn es in den "zweiten Abschnitt" übergeht und Kastner auf sein ureigenstes Metier, die Hofburg zu sprechen kommt.