Wenn der gestandene Mumford & Sons-Liebhaber Babel einlegt und auf Play drückt, passiert folgendes: Der Titelsong läuft an, und nach spätestens 30 Sekunden weiß man: Man ist zuhause. Die Gentlemen of the Road haben Spaß an ihrem Album, das merkt und hört man.
Besagter Titelsong reißt mit, ohne aufdringlich zu sein, er macht Schweinehunde klein und Motivationsprobleme nichtig. "I know my weakness, know my voice, and I believe in grace and choice / and I know perhaps my heart is farce, but I'll be born without a mask."
In Whispers in the Dark kann man sich nur verlieben. So unschuldig. Und dann doch kraftvoll.
Die erste Singleauskopplung I will wait hält, was sie versprach, nur dass man in der Gesellschaft der anderen Tracks doch merken muss: Es geht noch besser als das.
Holland Road ist melancholisch, aber es erzählt eine Geschichte. Ein bisschen wie Autofahren, eine Reise, wie das Gefühl vom Unterwegs sein, auch durchs Leben. Für die Durststrecken, die es manchmal gibt. "If you believe in me, I still believe."
Ghosts that we knew ist eins der leiseren Lieder auf dem Album. Aber nicht minder schön. Ganz im Gegenteil. Es ist ganz groß. "So give me hope in the darkness and I will see the light cause oh, they gave me such a fright. I will hope as long as you like, just promise we will be alright." Es erzählt vom nicht alleine sein wollen, vom Hoffen. Der Joker für Momente, in denen man eigentlich aufgeben möchte. Weil man es eben doch nicht tut.
Lover of the Light rettet dann die Laune wieder. Tauglich für Sommernächte zum Mitsingen, urpositiv mit einem leichten Unterton, der bittet, die alten Fehler zu vergessen. Ein Lied von der Liebe ans Leben und die Liebe selbst. Wenn man es lässt, quillt es über davon, und man möchte die Welt umarmen. (Mumford & Sons eben.)
Lover's Eyes klingt anders, beginnt leise, traurig. Ein melancholischer Mann singt von einer Liebe, die ihn von Zeit zu Zeit überwältigt. Schön, klar. Auch wenn das manchen zuviel Liebe auf einen Schlag sein kann. Anhören sollte man sichs deshalb natürlich trotzdem.
Reminder ist da nicht anders. Thema Fernbeziehung. Oder doch einseitige Trennung? "A constant reminder of where I can find her, a light that might give up the way, is all that I'm asking, for without her I'm lost, Oh my love, don't fade away." Ein Lied von der Sehnsucht, das leiseste auf dem Album.
Hopeless Wanderer mutet erst nochmal langsam an, und man fragt sich schon, ok, wo ist der Rums hin, Verliebtheit hin oder her? Antwort: Bei 1:35. In alter Frische, wie sich das gehört. Die Melancholie steckt auch hier drin, aber die Melodie tut dem Lied nicht weh.
Und dann, fast am Ende, Broken Crown. Der düsterste Song auf dem Album. (Vielleicht brauchbar, wenn die ganze Liebe von vorher zum Gegenteil geworden ist?) "Better not to breathe than to breathe a lie." Aber mit auch der stärkste. Die Weigerung eines Sündenbocks. Er strotzt vor Kraft, und, ja, vor Enttäuschung, vor Ohnmacht, vor Wut, und immer vor Melodie und Textstärke, aber genau sowas braucht man nun manchmal. "Cause in this twilight, how dare you speak of grace?" Mumford & Sons lassen einen auch in solch ekelhaften Momenten nicht allein.
Below my Feet holt einen dann wieder auf die Beine. Es ist dezent, aber wunderschön. Es bittet um Geduld, darum, einen nicht aufzugeben.
Not with Haste, der letzte Song (leider, leider!), ist ein bisschen ruhig und ein bisschen episch. Es erzählt vom Leben und von solchen Sommernächten, in denen man Lover of the Light singen würde. Von Zeiten, in denen man tatsächlich glaubt, dass alles gut wird und man alles hinkriegt, in dieser süßen Naivität. "We will run and scream, you will dance with me, they'll fulfill our dreams, and we'll be free / and we will be who we are, and they'll heal our scars, sadness will be far away." Und hier verlassen uns die Herrschaften, denn so sollte es sein.
Fazit/Favoriten: Babel (ganz klar!), Holland Road, Ghosts That We Knew, Lover of the Light, Hopeless Wanderer & Broken Crown. So oder so ist wohl für jeden was dabei. Ein Album zum Autofahren, für nachts, für tagsüber, zum träumen, zum Sachen anpacken. Und immer (so geht es zumindest mir) ist da das innere Bild einer Straße, die an einem vorbeizieht. Das Album, ja, weiß auch nicht, bringt einen weiter. Aber auch abgesehen von halb pathetischen, persönlichen und emotionalen Eindrücken: Das Album ist großartig. Fünf Sterne von mir.
Mag sein, dass manchen Instrumente, Texte und Songauswahl zu altbekannt sind. Nichts Neues. Aber wieso sollte man dann ein Album von einer Band kaufen, die man schon kennt? Mumford & Sons erfinden mit Babel nicht das Rad neu, aber das müssen sie auch nicht, Erfolg hin oder her. Das, was sie tun, können sie nunmal. Und das extrem gut.