Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
38 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Großes, packendes und gefühlvolles Meisterwerk, 8. August 2007
Es gibt Filme, deren emotionalem Sog man sich kaum entziehen kann. Filme, die einen aufrütteln und nicht mehr loslassen.
"Babel" ist ein solcher Film. Nach "Amores Perros" und "21 Gramm" erschafft der mexikanische Regiekünstler Alejandro González Inárritu sein Meisterstück. Mit diesem Film vollendet der Filmemacher seine Trilogie über Schuld, Sühne, Schicksal und Zufall. Doch während seine ersten beiden Werke, die ohnehin schon zu den faszinierendsten dieses Jahrzehnts gehören, noch kleinere Schönheitsfehler aufwiesen, erweist sich "Babel" nun als prinzipiell vollkommenes Werk.
Es kommt nur wirklich selten vor, dass man als Zuschauer von einer Geschichte vom ersten Moment an so fasziniert ist und somit über die gesamte Laufzeit emotional völlig involviert bleibt.
Inárritu gelingt dieses Kunststück.
Die episodenhafte Struktur hat der Regisseur auch schon in seinen vorigen Werken angewandt. An und für sich ist diese Art des Filmemachens gewiss nichts neues, denkt man da beispielsweise an Tarantinos Filme, vor allem natürlich "Pulp Fiction" oder auch an die von Robert Altman ("Short Cuts") und Paul Thomas Anderson ("Magnolia"). Doch nicht nur, dass einzig und allein echte Meister diese Technik beherrschen, führt Inárritu diesen Stil auf eine neue Ebene. "Babel" umfasst die miteinander verwobenen Schicksale verschiedener Menschen über den gesamten Globus verteilt.
Zugrunde liegt dieser wie auch schon in "21 Gramm" nicht chronologischer Struktur die Theorie des Schmetterlingseffekts. In diesem Fall ist es der versehentlich ausgelöste Schuss aus einem Gewehr zweier marokkanischer Hirtenjungen, der eine amerikanische Touristin (Cate Blanchett) trifft. Diese ungewollte Tat löst eine Kette dramatischer Auswirkungen auf drei verschiedenen Kontinenten aus.
Inárritu schafft es ohne Zweifel auf meisterhafte Weise, diese heikle Geschichte nicht nur plausibel, sondern auch emotional dicht und extrem intensiv zu erzählen.
Ihm gelingt es, Emotionen für das Publikum wirklich spürbar zu machen.
Der häufig dokumentarisch wirkende Inszenierungsstil wirkt spontan und ungemein direkt, sodass der Zuschauer wirklich voll und ganz bei der Sache ist. Die Atmosphäre der jeweiligen Länder, so unterschiedlich wirkenden Länder kann man so fast schon schmecken.
Kameramann Rodrigo Prieto, der wohl zu den besten seiner Zunft gehört, erschafft diese Bilder mit unglaublicher, fast schon selbstverständlich scheinender Bravour.
Inárritu drehte "Babel" über die Zeitspanne von ganzen 101 Tagen, sicherlich ein enorm ambitioniertes Unterfangen, das die Crew immer wieder vor logistische Probleme stellte. Teilweise ohne Dreherlaubnis (Tokio) und mit Laiendarstellern gefilmt, ist es erstaunlich, wie Inárritu all diesen Problemen trotzte und gemeinsam mit seinem Cutter einen großartigen Film formte.
Sein Stil führt zudem stets zu Höchstleistungen der Darsteller. Besonders Entdeckung Rinko Kikuchi brilliert als stummer Teenager in der Japan-Episode. Ihre Darstellung wirkt so authentisch und gefühlvoll, dass der Zuschauer keinen Moment an ihrer Behinderung und an ihren Gefühlen zweifelt. Ihr gehört auch der ungemein kraftvolle Schluss des Films, der den Zuschauer sprachlos und wie gelähmt zurücklässt. Ach Brad Pitt beweist eindrucksvoll mit seiner gewagten Performance, dass er ein wirklich außergewöhnlich talentierter und nuancierter Darsteller ist.
"Babel", der 2007 für sieben Oscars nominiert und schließlich nur die Auszeichnung für die beste Musik von Gustavo Santaolalla gewinnen konnte, ist einer der wirklich großen Filme der letzten Jahre, ein auch politisch brisantes Werk, das in schlechten Zeiten eine Botschaft der Hoffnung vermittelt und das Publikum so aufs Tiefste berührt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
27 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Drei Kontinente - vier Schicksale - fünf Sprachen, 4. Mai 2008
In Marokko sollen zwei Jungs auf ihre Ziegenherde aufpassen und sie vor Schakalen schützen. Zu diesem Zweck überreicht ihnen ihr Vater ein Gewehr, das er neu erstanden hat. In ihrem jugendlichen Übermut testen die beiden die Schussweite der Waffe, indem sie u.a. auf fahrende Fahrzeuge schießen... In Japan muss ein taubstummes Mädchen mit den täglichen Schwierigkeiten ihres Alltags zurechtkommen. Sei es die Probleme, die aufgrund ihrer Behinderung entstehen oder auch ihr zerrüttetes Verhältnis zu ihrem Vater, den die Polizei wieder einmal sprechen will... In Amerika muss ein mexikanisches Kindermädchen ihre zwei amerikanischen Kinder, auf die sie aufpasst, mit nach Mexiko zu der Hochzeit ihres Sohnes mitnehmen, weil sich die Eltern noch im Ausland befinden und sie die Kinder nicht anderweitig unterbringen kann. Doch auf dem Rückweg aus Mexiko gibt es Schwierigkeiten an der Grenze... In Marokko verbringt ein amerikanisches Ehepaar ihren Urlaub, um die vergangenen Schicksalsschläge zu verarbeiten. Als die Frau angeschossen wird, beginnt der Alptraum für das Ehepaar und ein Kampf gegen die Zeit...
DVD1:
- Hauptfilm (ca. 131 min. ohne Abspann)
- Trailer
DVD2:
- Making of (ca. 87 min.)
- Interview mit dem Regisseur (ca. 8 min.)
- B-Roll (ca. 17 min.)
- Featurettes (ca. 12 min.)
- Trailer
Alejandro Gonzalez Inarrito hat mit "Babel" seine Episodenfilm-Trilogie, nach "Amores perros" und "21 Gramm", vervollständigt. Im Vergleich zu seinen ersten beiden Werken wirkt "Babel" auf den ersten Blick etwas schwächer und weniger intensiv. Dieser Film ist poetischer und ruhiger als die anderen beiden und lebt von der sehr gelungen Musik, die öfters das Einzige ist, was dem Zuschauer zu den Bilder geboten wird und ein wesentlicher Bestandteil von "Babel" ist, sozusagen als weitere Sprache, die es auf der Welt gibt und die jeder versteht. "Babel" zeigt Menschen aus verschiedensten Teilen der Erde, die mit ihren Schicksalen zurechtkommen müssen. Sei es in Japan, Marokko oder Mexiko. Wie unterschiedlich die Menschen auch sein mögen und welche Sprache sie auch sprechen, so besteht doch zwischen den zwei marokkanischen Jungen, dem amerikanischen Ehepaar, dem mexikanischen Kindermädchen und der japanischen Jugendlichen doch eine Verbindung. Zwar wirkt diese Verknüpfung der verschiedenen Personen hier in "Babel" etwas weit hergeholt, dennoch vermittelt es die Botschaft, dass wir alle auf der Erde doch die gleiche Luft atmen. Betrachtet man die vier Geschichten der einzelnen Personen dann näher, so ist die Familie der nächste wichtige Punkt des Films. Besonders die Geschichte mit den zwei marokkanischen Brüdern geht einem sehr nahe und wirkt nicht zuletzt durch die Tatsache, dass mit Laiendarstellern aus dem Dorf gedreht wurde, sehr authentisch. Aber auch die Handlung von dem japanischen taubstummen Mädchen ist sehr interessant und stellt die Körpersprache als eine weitere Sprache dar. Da "Babel" in verschiedenen Ländern spielt, gibt es dementsprechend auch sehr viele Untertitel zu lesen (es sei denn, man kann japanisch, arabisch oder spanisch). Man kann zwar über den Film geteilter Meinung sein, doch muss man die Leistung des ganzen Filmteams würdigen, welches sicherlich tolle Arbeit geleistet hat, wenn man bedenkt, welche Herausforderungen dieses Filmprojekt geboten haben muss. Näheres findet man beim gelungenen Bonus-Material, das wirklich aufschlussreich ist und ein vorbildliches Making of zeigt. Ich kann "Babel" nur jedem empfehlen und diese "Special Edition" wird einem sicherlich den Kauf zusätzlich erleichtern. Nur sollte man sich den Film nicht anschauen, wenn man einen heiteren DVD-Abend plant. Wer Episodenfilme mag und "Amores perros", "21 Gramm" und "L.A. Crash", sowie "Magnolia" gut fand, kann hier beruhigt zuschlagen. Wobei ich "Babel" etwas schwächer einschätzen würde im Vergleich zu diesen Filmen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
57 von 65 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wir sind alle vernetzt miteinander..., 13. Januar 2008
Babel hat mich noch lange nach dem abendlichen Anschauen beschäftigt.Der Film gehört sicher nicht zu der Kategorie feierabendlichen-Unterhaltungskinos,in ihm stecken viele Aussagen.
Mit einer geschickt inszenierten Handlungsaufteilung, die erst im Laufe des Filmes den Gesamtkontext ergibt,erreicht Babel Spannung. Die Handlung an sich ,ist aufgeteilt in das Schicksal verschiedener Menschen,die mit kulturellen, wirtschaftlichen und vor allem zwischenmenschlichen Problemen zu kämpfen haben.Ein amerikanisches Ehepaar befindet sich auf einer Reise in Marokko( Brad Pitt und Cate Blanchet).Ihre Ehe ist zerrüttet, wie die weite Wüste,in der sie mit einem Reiseunternehmen,jene Bustour starten, auf der eine Gewehrkugel die Fensterscheibe durchschlägt.Die Ehefrau wird dabei lebensgefährlich verletzt. Zwei Jungen haben diesen Schuss ausgelöst,beim Testen ihres Gewehres,mit dem sie die Ziegenherde des Vaters vor Schakalen bewachen sollten.
Parallel dazu,wird das Kindermädchen,des amerikanischen Ehepaares in eine schwierige Lage gebracht.Eine Hochzeit,der in Mexico beheimateten Familie findet statt,dabei müssen die Kinder mit über die Grenze von Kalifornien zu Mexico genommen werden.Ein dritter Handlungsstrang findet auf der anderen Seite der Erdkugel statt.In Japan,lebt ein gehörloses,pubertierendes Mädchen,alleine,nach dem Tod der Mutter,mit dem Vater zusammen.Der Vater ,ein Grossunternehmer hat kaum Zeit für das Mädchen. Die dargestellten Charaktere setzen sich also aus den unterschiedlichsten Menschen,an so verschiedenen Orten und in gänzlich anderen Lebenssituationen zusammen.Doch, sie sind verbunden ,vernetzt durch das Gewehr, den Schuss,durch eine spontane Situation.Hier fiel mir das Sinnbild des Schmetterlinges ein,der auf der anderen Seite der Erde ein Erdbeben auslöst.
Die Bildsprache des Films ist beeindruckend.
Auf der einen Seite sehen wir eine karge Wüstenlandschaft,in der die Menschen früh altern und Kinder schon mit vielzuviel Verantwortung konfrontriert werden.Demgegenüber steht eine eher künstliche,dichtbevölkerte Metropole,in der eine permanente Reizüberflutung und Oberflächlichkeit herrscht.Eine Kultur, die befremdlich wirkt.Die Szenerie in Mexico ist eher amerikanisch,mit ihrer Justiz,dem Umgang mit Ein und Auswanderung an der Grenze.
Jede Person trägt in Babel ein Schicksal,ein Lebensproblem, auf eigene Weise .Menschliches Leid wird hier auf verschiedensten Ebenen deutlich. Die leidtragenden sind die Kinder, die mit den Problemen der Erwachsenen nicht umgehen können und so desorientiert werden.
Babel, ein Film mit einerseits Starbesetzung und auch unbekannten Darstellern. Die Ereignisse rund um den Globus wurden in ihrer jeweiligen Kultur vernetzt,zu einem Geschehen, das erst in den letzen Filmminuten zusammenläuft. Untertitel ersetzen die Synchronisierung zum Teil, um den Charakter der Landeskultur zu wahren. Herausragend empfand ich die Darstellung,der Erlebenswelt,des gehörlosen Mädchens. Hier wurde der Ton zum Teil weggenommen,und wir als Zuschauer,erleben die Situation quasi auch gehörlos.Nur ein dumpfes Rauschen bleibt,wie der Blutstrom im Innenohr.
Dieser Film erhält in meiner Bewertung alle fünf Sterne.
Ich empfehle ihn aber nicht,um abends abzuschalten und danach in Ruhe den Tag zu beenden. Mich hat er beschäftigt.
Ein Meisterwerk.
Tom Netzer
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|