Babel hat mich noch lange nach dem abendlichen Anschauen beschäftigt.Der Film gehört sicher nicht zu der Kategorie feierabendlichen-Unterhaltungskinos,in ihm stecken viele Aussagen.
Mit einer geschickt inszenierten Handlungsaufteilung, die erst im Laufe des Filmes den Gesamtkontext ergibt,erreicht Babel Spannung. Die Handlung an sich ,ist aufgeteilt in das Schicksal verschiedener Menschen,die mit kulturellen, wirtschaftlichen und vor allem zwischenmenschlichen Problemen zu kämpfen haben.Ein amerikanisches Ehepaar befindet sich auf einer Reise in Marokko( Brad Pitt und Cate Blanchet).Ihre Ehe ist zerrüttet, wie die weite Wüste,in der sie mit einem Reiseunternehmen,jene Bustour starten, auf der eine Gewehrkugel die Fensterscheibe durchschlägt.Die Ehefrau wird dabei lebensgefährlich verletzt. Zwei Jungen haben diesen Schuss ausgelöst,beim Testen ihres Gewehres,mit dem sie die Ziegenherde des Vaters vor Schakalen bewachen sollten.
Parallel dazu,wird das Kindermädchen,des amerikanischen Ehepaares in eine schwierige Lage gebracht.Eine Hochzeit,der in Mexico beheimateten Familie findet statt,dabei müssen die Kinder mit über die Grenze von Kalifornien zu Mexico genommen werden.Ein dritter Handlungsstrang findet auf der anderen Seite der Erdkugel statt.In Japan,lebt ein gehörloses,pubertierendes Mädchen,alleine,nach dem Tod der Mutter,mit dem Vater zusammen.Der Vater ,ein Grossunternehmer hat kaum Zeit für das Mädchen. Die dargestellten Charaktere setzen sich also aus den unterschiedlichsten Menschen,an so verschiedenen Orten und in gänzlich anderen Lebenssituationen zusammen.Doch, sie sind verbunden ,vernetzt durch das Gewehr, den Schuss,durch eine spontane Situation.Hier fiel mir das Sinnbild des Schmetterlinges ein,der auf der anderen Seite der Erde ein Erdbeben auslöst.
Die Bildsprache des Films ist beeindruckend.
Auf der einen Seite sehen wir eine karge Wüstenlandschaft,in der die Menschen früh altern und Kinder schon mit vielzuviel Verantwortung konfrontriert werden.Demgegenüber steht eine eher künstliche,dichtbevölkerte Metropole,in der eine permanente Reizüberflutung und Oberflächlichkeit herrscht.Eine Kultur, die befremdlich wirkt.Die Szenerie in Mexico ist eher amerikanisch,mit ihrer Justiz,dem Umgang mit Ein und Auswanderung an der Grenze.
Jede Person trägt in Babel ein Schicksal,ein Lebensproblem, auf eigene Weise .Menschliches Leid wird hier auf verschiedensten Ebenen deutlich. Die leidtragenden sind die Kinder, die mit den Problemen der Erwachsenen nicht umgehen können und so desorientiert werden.
Babel, ein Film mit einerseits Starbesetzung und auch unbekannten Darstellern. Die Ereignisse rund um den Globus wurden in ihrer jeweiligen Kultur vernetzt,zu einem Geschehen, das erst in den letzen Filmminuten zusammenläuft. Untertitel ersetzen die Synchronisierung zum Teil, um den Charakter der Landeskultur zu wahren. Herausragend empfand ich die Darstellung,der Erlebenswelt,des gehörlosen Mädchens. Hier wurde der Ton zum Teil weggenommen,und wir als Zuschauer,erleben die Situation quasi auch gehörlos.Nur ein dumpfes Rauschen bleibt,wie der Blutstrom im Innenohr.
Dieser Film erhält in meiner Bewertung alle fünf Sterne.
Ich empfehle ihn aber nicht,um abends abzuschalten und danach in Ruhe den Tag zu beenden. Mich hat er beschäftigt.
Ein Meisterwerk.
Tom Netzer