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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ich empfehle die TV-Langversion, 22. August 2011
Das Thema Baader/Meinhoff wurde 1997 von Heinrich Breloer für eine TV-Dokumentation bereits in beeindruckender Weise behandelt und diese Doku auf DVD hätte für mich eindeutig 5 Sterne verdient. Sie wurde seinerzeit auch als Buch veröffentlicht und vielleicht ist das ja sogar noch im Handel. Der Spielfilm von Eichinger kann da nicht mithalten, obwohl das Thema als solches ja das selbe ist und es eine Vorlage in der Realität gegeben hat. War aber Breloers Dokumentation in Spielfilmform mehr auf die politischen Aspekte und die Auswirkungen der RAF auf die Gesellschaft spezialisiert, hat sich Eichinger mehr auf die Personen selbst bezogen und lässt die Taten ein wenig mehr in den Hintergrund treten. Da Eichinger diese aber bis in die Nebenrollen (z. B. Hans-Werner Meyer als erster Ehemann der Ulrike Meinhoff) mit besonders guten Schauspielern besetzt hat, ist dieser Film am Ende doch ein gelungenes Werk, das ich eben als Ergänzung zu Breloers Film sehe. Nun bewerte ich hier lediglich die Kinofassung, empfehle mir aber selbst nun, mir auch die TV-Langfassung zu besorgen, denn möglicherweise beinhaltet diese doch noch ein wenig mehr die gesellschaftlichen Auswirkungen, die der Terrorismus in den 1970ern hervorgebracht hat.
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93 von 122 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Sehr authentische Verfilmung mit einem Schwachpunkt..., 5. November 2008
... Regisseur Uli Edel hat in die rund 150 Minuten Film einfach zu viel hineingepackt. Ich kenne die RAF und ihren Terror nur aus Büchern und Dokumentationen. Somit ist zumindestens das Grundwissen bei mir vorhanden und es ermöglicht diesem komplexen Film halbwegs gut zu folgern. Aber diejenigen, die über den Film vielleicht mehr von der RAF und ihren Taten erfahren wollen, sind wahrscheinlich hoffnungslos verloren in der Komplexität der Ereignisse.
So wird die Zeit der RAF doch bei manchen Zuschauer ein erhebliches Defizit an Allgemeinwissen verursachen. Das man sagen muss, dieser Film ist eher für jemanden geeignet, der die Namen wie Ulrike Meinhof, Andreas Baader oder Brigitte Mohnhaupt zumindestens schon mal im Zusammenhang mit der RAF gehört hat und dem Namen wie Hans-Martin Schleyer oder Siegfried Buback nicht ganz unbekannt sind.
Die erschütternd authentisch wirkende Verfilmung des nationalen Traumas aus den 70er Jahren spart nämlich an keinem Detail. In Verbindung mit dem gleichnamigen Buch von Stefan Aust bietet der Film für geschichtlich Interessierte trotzdem eine gute Ausgangsbasis. Dieser Film ist kein Terrorthriller für leichte Abendunterhaltung (eine TV-Version des Films soll im nächsten Jahr im Fernsehen starten), sondern eine beinharte Nachinszenierung der RAF-Zeit.
Uli Edels Film konzentriert sich dabei auf die Entstehung der RAF ab 1967 und endet mit dem Deutschen Herbst 1977. Hierbei konzentriert sich die Erzählung stark auf die Lebenswege von Andreas Baader (Moritz Bleibtreu), Ulrike Meinhof (Martina Gedeck) und Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek), sowie die staatlichen Bemühungen unter der Führung vom Präsidenten des Bundeskriminalamtes Horst Herold (Bruno Ganz) die Bedrohung mit allen Mitteln Herr zu werden. Dies endet mit der Gründung der GSG 9.
Die Geschichte beginnt mit den Studentenkrawallen zum Besuch des Schahs von Persien in Berlin 1967, bei denen ein Polizist den Studenten Benno Ohnesorg erschießt. Die politisch vorwiegend links orientierte Studentenschaft, glaubt ein faschistisches Verhalten von Seiten des Staates zu erkennen und beginnt gegen diesen zu rebellieren. Das Verhalten der USA im Vietnamkrieg vertieft die Kluft zwischen den Studenten und ihren Sympathisanten und dem Staat. Nach ersten Protestaktionen (Brandstiftungen), eskaliert die Situation durch das beinahe tödliche Attentat auf Rudi Duschke, dem bekanntesten Wortführer der Studentenbewegung. In Folge dessen entsteht die RAF, lässt sich militärisch ausbilden, begeht Anschläge und finanziert sich durch Banküberfälle.
Die schauspielerische Leistung, die linksradikale, aufmüpfige Einstellung auf die Figuren zu projezieren gelingt den Darstellern mit Bravour. Besonders die Figur von Bruno Ganz (Horst Herold) bildet in dieser hektischen, brutalen, blutigen Realität des "Kampfes" der RAF einen willkommenen, bedachten Pol der Ruhe.
Allerdigns einige wichtige Figuren werden in dem Film nur kurz angerissen, so ist der Auftritt von Alexandra Maria Lara als Petra Schelm nur etwa eine Minute lang. Die Folgen dieses Todes und die dadurch losgetretene Diskussion in Deutschland (Schießausbildung der Polizei) werden gar nicht weiter erwähnt.
Fazit:
Wie denn auch? 150 Minuten Film sind zu einfach zu kurz, um dieses umfangreiche Kapitel deutsche Geschichte auch nur im Ansatz mit Tiefgang zu versehen. Herausgekommen ist ein düsteres "Best of RAF"-Konglomerat, das einem zwar ein paar geschichtliche Zusammenhänge nahebringt, aber dennoch nur die Ausgangsbasis für eine vertiefende Eigenrecherche sein kann/ darf. Für sich allein funktioniert der Film voll und ganz und hat seine obigen Sterne verdient. Als geschichtliches Lehrstück versagt er jedoch leider fast auf ganzer Länge. Bis auf die grundlegenden Zusammenhänge wird dem Zuschauer nicht klar, was genau da jetzt wirklich passiert ist und damit zeigt sich: Die Realität ist so viel komplexer als ein Film dies jemals darstellen kann. "Der Baader Meinhof Komplex" kommt zwar atmospährisch nah an das geschichtliche Erleben einzelner Situationen heran, kann aber die Gesamtheit der damaligen Zeit im Ganzen nur schwer nachstellen - dafür läuft der Film zu kurz.
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29 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Gewalt war Glamour, 30. September 2008
Filme über die Geschichte Deutschlands haben einen entscheidenden Vorteil. Sie erleichtern den nachfolgenden Generationen den Einstieg in diese Materie. Jedoch sollte man sich nicht nur allein auf das Wissen des Films stützen, denn man darf nicht vergessen, dass diese Filme reine Unterhaltungsfilme sind und somit die Geschehnisse verfälscht wiedergeben können. Der deutsche Erfolgsproduzent Bernd Eichinger ("Das Parfum") hat mit "Der Untergang" über die letzten 12 Tage von Adolf Hitler das Genre des "Unterhaltungsfilms mit Wissen" ins Leben gerufen und setzt das nun mit "Der Baader Meinhof Komplex" fort.
Die 70er Jahre in Deutschland waren gezeichnet durch die terroristischen Anschläge der RAF, gegründet von dem Trio Andreas Baader, Gudrun Ensslin und der Journalistin Ulrike Meinhof Die US Bomben auf Vietnam, der Millitärputsch in Griechenland, erschossene Studenten in Kent waren neben dem Angriff auf Studentenführer Rudi Dutschke und den Tod von Benno Ohnesorg der Auslöser.
Die RAF musste ein Zeichen in Deutschland setzen, doch dazu reichten die Demos nicht mehr aus. Terror schien die einzige Waffe zu sein.
Produzent und Drehbuchautor Bernd Eichinger reflektierte zusammen mit dem Autor Stefan Aust, der die Buchvorlage zum Film lieferte und dem Regisseur Uli Edel 10 Jahre RAF. Dabei schrecken die beiden Filmemacher Eichinger und Edel nicht vor schonungslosen Gewaltsequenzen zurück. Der Film hat eine FSK 12 Freigabe bekommen, wenn ich jedoch blutige Einschusslöcher in den Gesichtern sehe, einen Rudi Dutschke Darsteller, der nach einem Überfall mit einem fast zerschossenem Gesicht durch die Gegend torkelt, ununterbrochen Blut aus dem Mund fließt, Polizisten die auf Demonstranten mit Knüppeln einprügeln und die Kamera dabei fest draufhält, empfinde ich dies schon als sehr grenzwertig. Gelungen sind die Explosionssequenzen, wobei ich auch sehr schlucken musste, nachdem sie ein Auto in die Luft gejagt haben und eine Frau völlig verbrannt aus dem Auto fiel.
Der Cast dieses Films ist aber nicht zu unterschätzen. Allen voran Moritz Bleibtreu (Andreas Baader), Martina Gedeck (Ulrike Meinhof) und Katharina Wokalek (Gudrun Ensslin). Es glänzen aber auch Bruno Ganz (der in "Der Untergang" in faszinierender Weise Adolf Hitler spielte) als BKA Chef Horst Herold, Nadja Uhl aus Brigitte Mohnhaupt und Jan Josef Liefers als Peter Homann. Der Clou ist nämlich, dass der Cast nach den Vorbildern ausgesucht wurde. Und das ist wohl die richtigste Entscheidung für diesen Film gewesen.
Bei all den positiven Dinge finde ich es schade, dass der Film eine konkrete Stellung bezieht. Natürlich ist das bei diesem brisanten Thema eine heikle Sache, weil beide Parteien (die RAF und der Staat Deutschland) einiges zu den chaotischen 70er Jahren beigetragen hat. Ich sehe den Film daher als ein unterhaltendes Mittel jüngere Generationen über diese Zeit aufzuklären. Denn erst mit dem Film haben sich sehr viele Zusammenhänge erschlossen, die vorher noch unergründet blieben.
Stilistisch kann sich der Film sehen lassen. Die Kamera von Rainer Klausmann zeigt sich sehr dynamisch und ruhig. Perfekte musikalische Untermalung ermöglichen die beiden Komponisten Peter Hinderthür und Florian Tesslof.
Fazit: Ein Film, der einem unterhaltsam die Zeiten der RAF näher bringt, Zusammenhänge genau erklärt, sehr gut inszeniert aber in einigen Sequenzen recht brutal ist.
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