Wer Stefan Austs Baader Meinhof Komplex gelesen hat, der wird in diesem Buch nicht sehr viel Neuigkeiten entdecken.
In eine Rezension wird über "unversöhnlichen Feinde" geschrieben. Ich empfand dies im Gelesenen nicht so. Eigentlich kann man fast von gegenseitlichem Respekt sprechen. Aussagen Horst Herolds wie "Eine Frage ist, ob der Terrorismus in seinen Erscheinungsformen in Deutschland, wie aber auch in der ganzen Welt, ein Produkt der Hirne der Täter ist [...] Oder ob der Terrorismus eine Widerspiegelung gewisser gesellschaftlicher Situationen der westlichen Welt ist, dass der Terrorismus gewissermaßen die Probleme reflektiert, die objektiv bestehen." bezeugen eine gewisse Empathie für die erste Generation der RAF. Andererseits wurden Herolds Schriften zur Terrorismusbekämpfung von Baader zur Pflichtlektüre der RAF gemacht. Folgerichtig stimmt wohl auch Herolds Aussage: "Baader war der einzige, der mich jemals richtig verstanden hat. Und ich bin der einzige, der ihn jemals richtig verstanden hat." Und dies obwohl sich beide nie persönlich getroffen haben.
Trotzdem ist es interessant zu lesen, dass es in der Tat gewisse Prallelen in beiden Bibliographien gibt. An einer Kreuzung drifteten dann halt die Lebenswege auseinander. Während Baader sich für die Gewalt entschied, entschied sich Herold für den Rechtsstaat mit all seinen objektiven Mängeln. Dies wird im Buch ganz ordentlich herausgearbeitet.