BPMN ist ein weiterer Standard in der Modellierung von Prozessen. Nachdem Ernüchterung über die Überformalisierung von UML eingetreten ist, taucht mit BPMN eine einfache, erstaunlich leicht erlernbare und intuitiv sehr gut verständliche Sprache zur Prozessbeschreibung auf. BPMN ist dabei in weiten Teilen keine neue Erfindung: Die Modellsprache übernimmt alle bewährten graphische Elemente aus anderen Prozessbeschreibungssprachen udn fügt sie zu einem sinnvollen Baukasten zusammen. Dabei ist leitendes Prinzip die Einfachheit: Anders als UML versucht BPMN (noch!) nicht, alle möglichen komplexen Strukturen abzubilden. Nur einfachste Diagrammelemente werden überhaupt angeboten. Meiner Erfahrung nach handelt es sich bei BPMN um ein sehr geeignetes Werkzeug im Handwerkskasten von Anforderungsspezialisten und Architekten. Ob BPMN auch ausführbare Modelle beschreiben kann, wage ich zu bezweifeln. Zu befürchten ist, dass weitere Versuche in diese Richtung zu einer Erweiterung der Sprache führen, die der gerade so nützlichen Einfachheit zuwider läuft. Die erste wesentliche Erweiterung, die mit BPMN 2.0 freigegeben wurde, führt in erster Linie sogar zu Vereinfachungen, z.B. bei der Darstellung komplexer Interaktionen zwischen verschiedenen Parteien (Choreographien). Begrüssenswert auch die Konversationsdiagramme, die eine höherliegende Strukurierungsebene in Interaktionen einführen.
Das vorliegende Büchlein hat sich in der Praxis als sehr gute Einstieglektüre in die BPMN Notation erwiesen. Es deckt den Standard vollständig ab. Das Buch ist keine Einführung in Prozessmodelierung an und für sich, es beschränkt sich dankenswerterweise auf die reine Darstellung der Notation. Die Erklärungen sind verständlich und ausreichend, die Beispiele durchgehend angemessen (nicht zu einfach, nicht zu komlex, immer passend zum darzustellenden Thema). Der Leser wird zum Ende des Buches mit einer komplexen Aufgabe konfrontiert - wer sie meistert, hat die Notation verstanden (diese Aufgabe entfällt leider in der Ausgabe zu BPMN 2.0, es wäre sehr zu wünschen, wenn die Autoren sie in kommenden Ausgaben wieder einbauen). Nützlicher Begleiter zum Buch (und zur Arbeit) sind übrigens BPMN Poster, die die Notation übersichtlich darstellen. Man findet sie kostenlos im Internet.