"Bonk" von Mary Roach ist unterhaltsames Sachbuch, in dem sich alles um die wissenschaftliche Erforschung der menschlichen Sexualität dreht: Von den prüden Anfängen der Sexualforschung, in denen viele couragierte Forscher aus Mangel an Versuchspersonen die freizügigen Untersuchungen an sich selbst, ihren Partnern & Prostituierten in abgelegenen Dachkammern vornahmen, bis hin zu heutigen, hochmodernen Labor-Untersuchungen mit wissenschaftlichen Hightech- Geräten werden alle wichtigen Erkenntnisse & Meilensteile auf humorvolle Art & Weise geschildert.
Man erfährt eine Vielzahl von interessanten Informationen rund um das Gebiet Sexualität. Manche Fakten dürften einigen aufgeklärten Menschen bereits bekannt gewesen sein: beispielsweise dass regelmäßige Masturbation beim Mann die Samenproduktion fördert, dass der Abstand zwischen Klitoris & Vagina bei der Frau entscheidend für den weiblichen Orgasmus sein kann, oder dass regelmäßige Orgasmen Stressanfälligkeit, Herzinfarkt- & Krebsrisiko senken und somit zu einer erhöhten Lebensdauer beisteuern. Dennoch trägt dieses Buch zu einer Fülle von bisher unbekannten, aufschlussreichen, und mitunter bizarren Informationen bei, die man so schnell nicht mehr vergessen wird. So wusste ich vorher beispielsweise nicht, dass auch Tote einen Orgasmus haben können, dass der sichtbare Teil der weiblichen Klitoris nur 10% der Gesamtmasse beträgt, und diese bei Erregung auf die doppelte Größe anschwellen kann, oder dass die ersten Vibratoren an Ärzte verkauft wurden, die ihren Patientinnen zur Vorbeugung von "Hysterie" per "Beckenmassage" zum Orgasmus verhalfen.
Zudem ist das Buch mit einer Vielzahl von amüsanten Anekdoten versehen, die für reichlich Abwechslung & Unterhaltung sorgen. So erfährt der Leser in den Fußnoten, dass der berühmte Sexualforscher Alfred Kinsey in der Lage war, sich eine Zahnbürste mit dem Kopf voraus in seine Harnröhre zu stecken, dass Gynäkologen im viktorianischen Zeitalter Frauen aus Pietätsgründen behandeln mussten, ohne sich die betreffenden Körperstellen anzusehen, und welche ungewöhnlichen Gegenstände durch unsachgemäße Handhabung im Darm stecken geblieben sind & nur durch erfahrene Ärzte wieder ans Tagelicht befördert werden konnten (Ölkanne, Brille, 402 Steine, usw.).
Doch leider nehmen die Fußnoten für meinen Geschmack auf manchen Seiten zu sehr überhand: Manche Fußnoten sind seitenlang, und einige Buchseiten scheinen fast ausschließlich aus Fußnoten zu bestehen. Das hindert mitunter den Lesefluss und ist absolut unnötig, da die meisten Fußnoten so unterhaltsam & wissenswert geschrieben sind, dass sie auch problemlos im "normalen Text" Platz gefunden hätten.
Einzig und allein 2 der 15 Themenbereiche konnten in mir keine Neugierde wecken und lasen sich - im Gegensatz zum kurzweiligen Rest des Buches - recht zähflüssig: zum einen die überausführliche Schilderung einer künstliche Besamung beim Schwein, und zum anderen die detailgenaue Beschreibung von Operationen am männlichen Glied. Doch dafür überbieten sich die restlichen 13 Kapitel mit aufschlussreichen & bemerkenswerten Informationen, so dass sich für mich der Kauf dieses Sachbuches voll und ganz gelohnt hat!
Mein Lob an die mutige Autorin Mary Roach, die sich nicht scheute, aus Recherche-Gründen an vielen der beschriebenen Labor-Untersuchungen selbst als Versuchsperson teilzunehmen. Wäre Wissenschaft immer so witzig & kurzweilig geschrieben, könnten sich die Universitäten vor Studenten nicht mehr retten!
Von daher gebe ich diesem amüsanten Sachbuch 4 von 5 möglichen Punkten!