Ich möchte vorausschicken, dass ich dieses Buch nicht ganz zu Ende gelesen habe. Natürlich ist so eine Rezension begrenzter aussagekräftig, vor allem was das Inhaltliche des Buches betrifft. Aber ich bin dermaßen enttäuscht bis verärgert über dieses Buch, dass ich das hier artikulieren möchte - und das, obwohl ich mit goßer Vorfreude an dieses Buch gegangen war, wird Herr Schmidt-Eenboom doch weithin als Experte gesehen (will ich auch gar nicht abstreiten).
Dieses Buch strotzt nur so vor Fehlern und Ungenauigkeiten. Dabei geht es meist um simple Tippfehler, die sich auffälligerweise auf bestimmten Seiten häufen. Zudem schreibt der Autor absolut Leser-unfreundlich. Man braucht an mehreren Stellen einiges an Hintergrundwissen, um den Text komplett zu verstehen. Auch werden Personennamen und andere Begriffe, die man als Durchschnittsleser nicht kennt, einfach genannt, ohne sie irgendwo zu erklären. Ich habe Personen wie Abu Nidal nur einordnen können, weil ich bereits vorher einige Bücher zum Thema Geheimdienste etc. gelesen habe. Werden Zusammenhänge mit mehreren Personen geschildert, muss man das zwei bis drei Mal lesen, um es zu verstehen. (Ähnliches musste ich bereits füher in einem online verfügbaren Artikel von diesem Autor feststellen). Das Lektorat - sofern das Buch überhaupt bearbeitet wurde - hat hier gänzlich versagt. Derart Unprofessionelles ist mir in einem publizierten Sachbuch noch nicht begegnet, so sehen vielleicht unveröffentlichte Entwürfe aus. Als i-Tüpfelchen ist der Schreibstil eckig und unelegant und bisweilen einschläfernd.
Hier nun einige wenige Beispiele, die mir aufgefallen sind:
- S. 76: "... Ex-Muhajedin...", ich lasse mich gern belehren, sollte es sich hier NICHT um einen Tippfehler handeln.
ebd.: "... das OKW-Amt ... (OKV = Oberkommando der Wehrmacht) ..." - kein Kommentar.
Insgesamt ist dieser Absatz sehr verwirrend, z.B. "Zählen konnten die Deutschen auf ihren Freund König Faruk I., der von den Briten gezwungen wurde, seinen NS-freundlichen Premier zu entlassen ..." Dieser (Neben-)Satz stiftet Verwirrung. Außerdem muss auf Seiten des Lesers spekuliert werden, dass der Premier der zuvor erwähnte Admiral war...(?) Ohne Hintergrundwissen schwerlich zu verstehen.
- S. 85/87/91: Zunächst wird gesagt, A. M. Nagib führt einen Staatsstreich durch und übernimmt die Macht (S. 85). Exakt das Gleiche wird S. 87 über Nasser gesagt - gleiches Datum -, der dann zwei Jahre später Nagib "endgültig" "ausschaltete". Nassers (nicht Nagibs) Staatsstreich wird S. 91 nochmals erwähnt.
- auf S. 159 wird hervorgehoben, dass das nun folgende Kapitel großteils auf einer Dissertation beruht, diese Diss. erscheint nicht in der Literaturliste - enttäuschend, da man sich vielleicht dafür interessieren könnte...
- S. 208: Es werden einige syrische Generale aufgezählt, die nach Deutschland reisen wollten. Einer davon heißt "... al-Ichtijar". Weiter unten wird ein anderer Name als (wahrscheinlich?) einer dieser Generale genannt, "al-Ekhtiyar". Wer ist das bitte?? Ist das der obengenannte al-Ichtijar? Möglicherweise, denn es scheint ja für arabische Namen mehrere Schreibweisen zu geben. Wenn nicht, was hätte dieser Name dann hier für eine Relevanz?
- ebd.: Was, bitte, bedeutet "Dringlichkeitsstufe 'Citissime'"? Wenn der Autor schon meint, sein Expertenwissen zusätzlich anhand - wenig relevanter - spezifischer Termini hervorheben zu müssen, dann darf er dem Leser auch eine erklärende Anmerkung gönnen.
Mit solchen und ähnlichen Auffälligkeiten und daraus resultierenden Fragen muss man sich andauernd herumärgern - mal bei mehr, mal bei weniger wichtigen Themenbereichen. Zudem werden plötzlich irgendwelche Passagen kursiv gedruckt, von denen wohl nur der Auto wusste, warum das so sein soll. Jedenfalls geht meist nicht hervor, ob es ein Zitat, ein Dokument oder sonstwas sein soll. Andererseits werden zahlreiche Zitate angeführt (also mit Anführungsstrichen markiert), denen jedoch keinerlei Quellenangaben folgen. Das Ganze erinnert in der Tat sehr an einen unfertigen Entwurf eines Buches.
Kurz noch zum Inhalt, da gibt es sicherlich sehr interessante Einsichten (daher auch 2 Sterne anstatt nur einen für das Buch), und vielleicht werde ich daher noch mal einen Versuch starten, das Buch zu Ende zu lesen. Allerdings frage ich mich doch, was das erste Kapitel in einer solchen Breite thematisch dort verloren hat. Nun gut, da ich das Buch nicht komplett gelesen habe, kann es ja sein, dass am Ende noch der Bogen von der Bespitzelungsaffäre zum Nahen Osten gespannt wird (sicherlich ein weiter Bogen...).
Nein, alles in allem möchte ich als interessierter Laie so etwas nicht lesen; dafür möchte ich kein Geld bezahlen!
Es sei noch der Fairness halber erwähnt, dass ich dem Lektorat eine ähnliche Mail geschrieben habe, und man hat mir dort zügig und sehr freundlich geantwortet - man wolle meine kritischen Anmerkungen in einer möglichen folgenden Ausgabe berücksichtigen. Meine Empfehlung: das Buch komplett neu schreiben lassen, vielleicht mit einem schriftstellerisch etwas begabteren Co-Autor.