Bereits vier Jahre vor John Carpenters "Halloween" sollte mit "Black Christmas" ein Slasher in die Kinos kommen, der es jedoch trotz ähnlicher Stilmittel nie zu solchem Ruhm bringen sollte. Es gab die Kameraperspektive aus der Sicht des Mörders, einen Haufen junger Frauen der von diesem dezimiert wird und ein Ende, welches einem im Ungewissen lässt. Die Mädchen laufen im ungünstigsten Zeitpunkt die Treppe hinauf anstatt zur Tür hinaus und überhaupt gibt es vieles, was einem bekannt vor kommt, nur mit dem Unterschied, das "Black Christmas" damals einer der ersten Filme dieser Machart war, wohlgemerkt vor "Halloween".
Dabei ist, genreüblich, die Geschichte an sich schnell erzählt: Die Bewohner eines Schwesternwohnheims werden zur Weihnachtszeit von einem unheimlichen Anrufer mit scheinbar obszönen Anrufen terrorisiert - aber auch dezimiert. Das dies zu Beginn noch nicht sonderlich auffällt liegt daran, dass die Mädchen glauben, ihre Freundinnen sind übers Fest nach Hause gefahren, ohne sich zu verabschieden. Doch schon bald erkennen sie die Wahrheit...
Aufgrund der im Genre oft verwendeten Standards, wie oben beschrieben (nehmt bitte noch die unheimlichen Anrufe mit in die Liste auf) wirkt der Film heutzutage leider nicht mehr, wie er dies 1974 getan haben muss. Vieles kennt man aus nachfolgenden Slasherfilmen, zu vieles kann man voraus sagen. Und doch schafft es der Film, einen zeitweise zu packen. So sieht man z.B. nie den Killer direkt. Gerade zu Beginn des Films (welcher frappierend an "Halloween" erinnert, bzw. andersherum) sieht man das Geschehen aus seiner Perspektive, wie er ums Haus herumschleicht, wie er seine Opfer beobachtet - und im Grunde weiß man auch nichts über ihn und wird auch nichts erfahren. Aus den Anrufen wird man nicht schlau und auch sonst hält sich der Film sehr bedeckt. Einerseits ist das natürlich gut, endlich mal ein Film, der dem Zuschauer die Auflösung nicht auf dem Präsentiertteller überreicht, andererseits kann dies aber auch frustierend sein, ganz nach dem Motto "Und was sollte das jetzt?". Natürlich präsentiert einem der Film einen Verdächtigen, dass dieser aber nicht der Mörder ist, kann man sich ja denken. Das die Opfer dies nicht tun, liegt eher daran, dass der Zuschauer mehr weiß als diese, trägt aber auch nicht zur Spannung bei.
Aber noch ein anderer Aspekt trägt dazu bei, dass der Film heutzutage vllt. nicht mehr ganz so gut funktioniert wie früher: Er ist alt. Es ist schon extrem gewöhnungsbedürftig, wie die Leute da rumlaufen, besonders die, deren Name mir nicht mehr einfällt, jedenfalls sieht sie aus wie die Mutter von Atze Schröder. Auch die ganze Sache mit der Identifizierung des Anrufers regt zum Schmunzeln an, wie der arme Polizist wie ein Gestörter durch die Telefonzentrale rennt um zu gucken, wo der Anrufer herkommt, nur damit dieser kurz vorher auflegen kann.
"Black Christmas" ist, besonders für die besinnnliche Adventszeit, durchaus guckbar, aber es gibt bessere Slasher. Ja, z.B. "Halloween".