Kommunikation mit dem Verkäufer
Obwohl ich dem Verkäufer per Email mitgeteilt hatte, dass ich wegen noch erforderlicher Renovierungsarbeiten einen späteren Liefertermin benötigen würde, erfolgte seinerseits keine Reaktion.
Spedition
Satt dessen rief zwei Tage nach Kaufabwicklung eine freundliche Spediteurin an, mit der ein Liefertermin vereinbart werden konnte. Dabei war es möglich, sich auf eine Tageszeit vor oder nach 13:00 Uhr festzulegen. Etwa 30 Minuten vor dem Eintreffen der Spedition meldete sich diese nochmals telefonisch und erkundigte sich, ob jemand zu Hause ist.
Die Anlieferung erfolgte auf einer Europalette. Der Karton von etwa 210 x 110 x 26 cm stand dabei aufrecht und wurde von zwei galgenähnlichen auf der Palette fest verschraubten Konstruktionen gestützt. Das gesamte Gebilde war in einer schwarzen Kunststofffolie eingeschlagen und wirkte dadurch wie ein riesiges spitzwinkliges gleichschenkliges dreieckiges Etwas - war aber zugegebener Maßen optimal gegen Nässe geschützt. Um die Palette wieder mitnehmen zu können, hätten aber Folie und diverse Spanngurte entfernt werden müssen. Das war mir nicht möglich, da ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht über weitere helfende Hände verfügte, so dass das ganze Teil erst einmal vor der Haustür stehen bleiben musste. Deshalb sollte ich der Spediteurin 25,- ¤ Pfand zahlen. Wir vereinbarten jedoch, dass die Palette in meinem Vorgarten stehen bleibt und dass sie im Zuge einer nächsten Anlieferung, die in meiner Wohnortnähe erfolgt, von der Spedition abgeholt werden soll (heute, also zehn Tage später, ziert das gute Stück immer noch meinen Vorgarten!).
Weiterer Transport im eigenen Haus
An alles war im Vorfeld gedacht worden' nur nicht daran, wie das Paket durch das Treppenhaus in den Keller gelangen sollte. Hierzu wurde es erforderlich, ein vom Keller bis zum Dachgeschoss montiertes hölzernes Treppengeländer komplett zu demontieren. Zum Glück war der Tisch sehr gut verpackt und mittels zusätzlicher Holzecken und Styroporeinlagen gegen Stoßbeschädigungen geschützt, so dass er nicht unter unseren ersten erfolglosen Transportbemühungen leiden musste. Eine Demontage des Tisches wurde zuerst zwar in Erwägung gezogen, scheiterte jedoch daran, dass einige Teile des Unterbaus miteinander nicht nur verschraubt, sondern auch verleimt sind.
Mein Tip: Zuerst mit dem Kartondeckel ausprobieren, wie das Gesamtpaket wohl am ehesten durch das Treppenhaus manövriert werden kann.
Aufbau und Platzbedarf
Einmal im Keller angelangt, glich der weitere Aufbau einem Kinderspiel. Es mussten lediglich die Füße sowie die Seitenverkleidungen angeschraubt werden. (Ein Blick auf die beiliegende Aufbauskizze hätte die Sache noch enorm erleichtert, da man - wie ich erfahren musste - die Füße durchaus falsch anbringen kann, so dass die Seitenverkleidungen anschließend nicht passen.) Dabei liegt der Tisch quasi auf dem Rücken und muss anschließend gedreht werden, was nochmals zwei kräftige Personen und ein Höchstmaß an Achtsamkeit erfordert, damit die Füße nicht abbrechen. Schade war, dass einige Unterlegscheiben fehlten, so dass auf Privatbestände zurückgegriffen werden musste.
Beim Spielen erwies es sich, dass ein Mindestabstand von 140 cm zu den den Tisch umgebenden Wänden, Möbelstücken etc. unbedingt eingehalten werden muss. Es können zwar Regale oder Sitzgelegenheiten aufgestellt werden, die von geringerer Höhe als der Tisch sind (also etwa unter 80 cm) - es ist aber zu berücksichtigen, dass man je nach Lage der Kugel neben dem Platz für das Queue oft auch eine erstaunliche Beinfreiheit benötigt.
Mängel
Außer den fehlenden Unterscheiben ist noch zu bemängeln, dass zwei Schrauben der Unterkonstruktionen von offenkundig übermotivierten chinesischen Monteuren derart fest angezogen worden waren, dass sie durch die Spielfeldplatte stießen und dadurch unter dem Tischtuch kleine Beulen bildeten. Glücklicher Weise konnten die beiden Schrauben zurück gedreht und die Beulen mit der Rundung eines Schraubendrehergriffes wieder zurück gedrückt werden. Am das Spielfeld umgebenden Rahmen befand sich eine minimale Beschädigung im Furnier, die aber kaum sichtbar ist, da der Hersteller sie wohl schon mit farbigem Wachs ausgebessert hatte. Der Kugelrücklauf ist grundsätzlich leise und funktioniert gut. Die Kugeln fallen lediglich im Bereich der beiden Ecklöcher, die neben der Kugelausgabe liegen, mit einem lauten Scheppern hinein. Das liegt daran, dass die Rücklaufbahnen, die aus einem Material bestehen, dass dem von Möbelrückwenden ähnelt, dort aufeinander liegen und in im Untergehäuse eingelassenen Nuten so geführt werden, dass dort Vibrationen entstehen. Das Scheppern konnte zunächst mittels kleinen Möbelunterlegkeilen, die ich in die Nuten gesteckt habe, vermieden werden - leider lösen sich die Keile aber immer wieder.
Das Tuch scheint nicht von besonders guter Qualität sein und fusselte zunächst ziemlich stark. Nach mehrmaligen Bürsten und Absaugen hat das Fusseln jedoch deutlich nachgelassen.
Auf glattem Untergrund verrutscht der Tisch trotz seines Gewichtes von ca. 100 kg wenn man sich dagegen lehnt, was bei so manchem Spielzug aber unvermeidbar ist. Abhilfe schaffen selbstklebende Rutschstopper aus dem Baumarkt, die passend zugeschnitten und unter die Füße geklebt werden können.
Das Holzdekor ist etwas heller, als die Abbildungen vermuten lassen - es entspricht aber voll und ganz dem Holzfarbton Ahorn, so wie der Tisch ja auch beschrieben wird.
Spielfreude
Endlich im Keller stehend macht der Tisch einen guten Eindruck. Dass er unter 250,- ¤ kostet, sieht man ihm nicht an und wird von Gästen oft mit Erstaunen wahrgenommen. Er wirkt angenehm massiv und sieht gut aus. Mit der richtigen Beleuchtung ist er ein echter Blickfang.
Vorrangig haben sich meine beiden 15 und 18 Jahre alten Söhne den Tisch gewünscht, die nun begeistert sind. Wir sind keine routinierten Spieler und haben bisher lediglich hin und wieder mal einen Euro in Kneipen- oder Jugendheimtische investiert. Die Freude, wenn eine Kugel ins Loch geht, überwiegt noch die Enttäuschung, die sich einstellt, wenn ein Stoß mal daneben geht. Aus unserer Sicht laufen die Kugeln völlig normal und gut und stoßen häufig im vorausgeplanten Winkel von den Banden ab. Wenn es mal nicht so ist, liegt das wohl eher an unserem spielerischen Unvermögen. Manchmal entsteht der Eindruck, als würden die Kugeln unlogisch laufen und einer eventuellen Verformung der MDF-Platte folgen - eine etwaige Verformung lässt sich aber auch mittels Präzisionswasserwaagen nicht feststellen; es scheint dann doch eher am Drall zu liegen, den die Kugeln beim Anstoßen erhalten. Auch die beiden Queues und die Kugeln dürften insbesondere bei Anfängern keine Wünsche offen lassen. Die Geräuschkulisse beim Zusammenstoßen und Versenken der Kugeln ist angenehm und klingt - mit Ausnahme der zwei beschriebenen Löcher - professionell. Der Lauf der Kugeln auf der MDF-Platte klingt naturgemäß etwas hohler, als es auf einer Schieferplatte mit entsprechendem Unterbau der Fall ist.
Die Kunststoffverkleidung der Löcher ist übrigens schöner, als auf den Fotos ersichtlich, weil das Material in sich noch ein wenig gemustert ist, so dass ein annähernd holografischer Effekt entsteht.
Fazit
Ein solider Tisch, der mitsamt Zubehör mehr bietet, als der Preis erwarten lässt. Für den Freizeitspieler, der hin und wieder mal mit Freunden und guten Bekannten in anheimelnder privater Atmosphäre bei einem Gläschen Wein oder Bier ein paar Kugeln versenken möchte, ist es eine lohnenswerte Anschaffung, wobei zu hoffen bleibt, dass sich die MDF-Platte nicht im Laufe der Zeit verzieht. Es handelt sich auf jeden Fall um mehr als nur ein Kinderspielzeug (diesen Begriff hatte ich in diesem Zuammenhang schon mal in Billardforen gelesen). Es sollte berücksichtigt werden, dass vergleichbare neue Tische mit einer Schieferplatte erst ab etwa 1.000,- bis 1.300,- ¤ zu bekommen sind. Wie ein ambitionierter Spieler (Landesliga) den Tisch beurteilt, werde ich bald nach berichten können.
Einen Stern Abzug gibt es lediglich auf Grund der beschriebenen (aber behebbaren) Mängel.