Eine schwere Geburt kann man "B'Day" wohl nicht nennen. Direkt im Anschluss an die Dreharbeiten zu Beyoncé nächstem Film, "Dreamgirls", stürzte der Workaholic ins Studio, um in der unglaublichen Zeit von zwei Wochen das Album aufzunehmen - Grund zur Annahme, einen Schnellschuss kredenzt zu bekommen. Dem ist nur auf den ersten Blick so.
Viele mögen behaupten (ich tat es anfangs auch), dass "B'Day" eher auf zukünftige Klassiker vom Kaliber eines "Crazy In Love" verzichtet. Das interessante ist aber, dass sich gar noch mehr Klassiker als auf dem (von mir auch als absolut überbewertet empfundenen) Vorgänger "Dangerously In Love" befinden - man muss sich bloß erstmal reinhören. Richtig ist, dass das Album sehr hysterisch geworden ist, man kann quasi die gesamte Spielzeit wahlweise schreien oder singen (sofern man allein im Auto ist). Stilitisch bewegt sich Beyoncé auf dem sicheren Terrain des Black-Music-Mainstremas, vermag aber in verschiedene Genres zu springen, von 70er Soul ("Suga Mama") über Hiphopanleihen ("Upgrade U" mit Jay-Z) bis hin zur örtlichen Irrenanstalt ("Ring The Alarm"). Das die Songs deutlich weniger schnell zugänglich werden, wie bei Destiny's Child- oder früheren Beyoncé-Werken, liegt auch an zum Teil wagemutigsten Tempowechseln, deren Harmonie erst nach geraumer Zeit begreiflich wird, nämlich dann, wenn aus wirren Geräuschen und Lyrics eine Struktur entsteht. Spätestens dann kann man auch die erst recht ähnlich wirkenden Nummern "Freakum Dress" und "Green Light" differenzieren (oh wie hochgestochen!) und lieben lernen.
Erfreulich (für mich) ist, dass Madame Knowles bei ihrem zweiten Soloalbum weitgehend auf den typischen, langsamen R'n'B-Schmalz verzichtete ("eigentlich nur "Resentment" und "Kitty Kat") und durchgehend zum Mitwippen bis Abgehen einlädt - ein von mir oft bemängeltes Manko an Black-Alben. Insgesamt also eine sehr überzeugende, wenn auch gewöhnungsbedürftige Arbeit. Highlights wären "Ring The Alarm", "Irreplaceable" (defintiv ein Hit, wird 3. Single, Mid-Tempo) und "Green Light". Bisher eins der überzeugensten Werke des Herbstes, allerdings auch eins, dass vielerorts sicher schnell missfällt.