In den 60ern war es üblich, dass die Rockgruppen ihre Titel in den BBC Studios für Shows wie "Saturday Club" oder "Top of the Pops" nochmals live einspielten. Daraus resultieren eine Menge CD's mit BBC Aufnahmen der diversen Gruppen (Beatles, Kinks etc.). Auch die Yardbirds spielten einen Gutteil ihres Repertoires für die BBC nochmals ein. Nachdem dieses Material bislang nur auf verschiedenen inoffiziellen und semi-offiziellen Tonträgern in unterschiedlicher Qualität zu haben war, ist diese Edition von Repertoire Records eine gute Sache. Klanglich hervorragend, chronologisch geordnet und mit nettem Booklet im Digipack ist diese Ausgabe wahrlich zu begrüßen.
Die Musikstücke werden hin und wieder von kurzen Interviews unterbrochen, auch eine nette Sache, die den Live-Charakter noch unterstreicht. Störend hingegen ist, dass der Moderator immer wieder mal in die Musik hineinquatscht. Das hat mich beim Radio auch immer genervt. Die meisten Titel sind reguläre Yardbirds-Nummern, alle hervorragend gespielt, manche aufgrund der Spontaneität sogar besser als das Original, wenige vielleicht nicht ganz so treibend, aber das ist Geschmacksache. Dass die Yardbirds eine hervorragende Liveband waren, wird hier wieder mal bewiesen. Alle Titel stammen aus den Zeiten mit Jeff Beck und Jimmy Page. Aus der Zeit mit Eric Clapton sind keine Titel darunter. Einige Stücke wurden speziell für diese Sessions aufgenommen, etwa "Dust My Broom" mit Jeff Beck als Leadsänger, wobei klar zu erkennen ist, dass das die Vorlage für "The Nazz Are Blue" ist. Dann gibt's da noch "Baby, Scratch My Back", die Vorlage für "Rack My Mind". "The Sun Is Shining" wird auch von Beck gesungen. Von "Smokestack Lightning" und "Too Much Monkey Business" gibt es hier praktisch eine Studioversion. Aus der Page Ära stammt der Dylan Cover "Most Likely You Go Your Way and I'll Go Mine".
So hervorragend und begrüßenswert diese Edition ist, es gibt trotzdem was zu kritisieren:
1. Der Interviewte über die USA Tour ist Paul Samwell-Smith, was auch klar zu hören ist, und nicht wie angegeben Keith Relf;
2. Jeff Beck spielt Lead wie deutlich zu erkennen ist bis einschließlich Nummer 25 und nicht wie angeführt bis 21 und Jimmy Page ab Nummer 26.
Trotz dieser redaktionellen Mängel ist diese CD ein Muss für alle Yardbirds Fans, was sage ich, für alle Fans der Musik der 60er.