Warum nur lebe ich nicht in den Siebzigern, um diese Band - die geilste, großartigste, gigantischste der Welt, live erleben zu können? - Nun ja, es lässt sich nun einmal nicht ändern. Aber die BBC Sessions sind nach "The Song Remains The Same" die zweite Möglichkeit, in die Magie eines Zeppelin-Konzerts einzutauchen. Und nicht nur das: Die erste CD beinhaltet rare Tracks, die im Studio aufgenommen wurden, primitive "just-so"-Aufnahmen. Dementsprechend waren die Bandmitglieder offensichtlich drauf - oder wie erklärt man sich die komisch klingenden Vocals von Robert Plant bei "Whole Lotta Love" auf CD 1? - Also ich tippe beispielsweise bei diesem Track darauf, dass er sich vorher ganz gut einen hinter die Binde gekippt hat - die wilden Siebziger eben... Oder auch bei "How Many More Times", wo er mittendrin auf einmal den Text vergisst und man deutlich hören kann, wie jemand ihm zweimal das Wort vorsagen muss, das er als nächstes zu singen hat.
Ich jedenfalls finde es herrlich, einerseits die spieltechnischen Fehler herauszuhören (ob sie nun aufgrund von Drogen - mit denen Led Zeppelin ja nicht gerade zimperlich waren - entstanden sind oder nicht) und sich darüber zu amüsieren und andererseits diese grandiosen Songs zwischen Hard Rock, Blues und Rock and Roll zu genießen. Jedenfalls ist es viel sympathischer, die Songs unverfälscht und nicht nachbearbeitet zu Ohren zu bekommen.
Hervorstechend sind auf jeden Fall "Dazed And Confused" (auf beiden CDs - die Version auf der ersten CD ist meiner Meinung nach besser als die auf dem Debütalbum der Band), mit dem berühmten Geigenbogensolo von Jimmy Page auf CD 2, das "Whole Lotta Love"-Medley und natürlich die ERSTE Live-Performance von "Stairway To Heaven". Allerdings liebe ich auch den Akustikteil mit "Going To California" und "That's The Way".
Es würde aber den Rahmen sprengen, wenn ich jeden Track einzeln beschreiben würde, obwohl ich das gerne täte, da jeder Track etwas für sich hat. Seien es die drei "Communication Breakdown"-Versionen, die allesamt unterschiedlich klingen und etwas für sich sind (zum Beispiel mal mit Overdubs, dann live wieder ohne), das wunderbar bluesige "You Shook Me" von Willie Dixon (auch in zwei Versionen vertreten) oder der herrliche "Travelling Riverside Blues" mit der schmeichelnden Slide-Gitarre von Jimmy Page.
Kein Fan von Led Zeppelin kann um dieses großartige Werk herumkommen, man spürt die Frische und die Unbekümmertheit der Band in dieser Zeit, Ende der Sechziger- Anfang der Siebziger Jahre: Robert Plants rauchige Stimme, Jimmy Pages filigranes Gitarrenspiel, John Paul Jones treibender Bass und John Bonhams kraftvolles Schlagzeug - all das kommt eigentlich nirgendwo so geil wie auf diesem Doppelalbum, eben wegen dieser Unberechenbarkeit, die die Band an den Tag legt. - Ich freue mich schon auf das lang angekündigte Live-Album, das dieses Jahr endlich erscheinen soll - und auf die mögliche Reunion mit Jason Bonham an den Drums...