Müller versteht es gut, in essayistischer Schreibweise eine Momentaufnahme zu zeichnen. Was macht den Raum aus und wie wird dieser durch die Kultur und Gesellschaft geprägt? Gut recherchierte historische Fakten ergänzen diese Nachzeichnung auf eine gelungene Art und Weise, dennoch liest sich "B - Eine deutsche Reise" keinesfalls wie ein Reiseführer oder ein Reisetagebuch. Es gelingt dem Autor, eine beinahe wissenschaftliche, soziologische Sicht des Raumes zu erzeugen, ohne dabei in Fachjargon abzudriften. Auch kritische Anmerkungen beispielsweise zur Bürde eines Weltkulturerbes für eine kleine Stadt finden ihren Platz.
Die Aufmachung des Buches ist sehr gelungen, das Titelbild und die Textgestaltung sind sehr ansprechend. Hier und dort sind kleine schwarz-weiße Fotografien und Karten zur Orientierung beigefügt.
Müller ermuntert mit seinen Gedankengängen und Wahrnehmungen den Leser, sich selbst auf die Reise zu begeben und dabei das eigene Land näher kennen zu lernen. Davon abgesehen kann doch ein Trip auf der Bundesstraße auch durchaus entspannter sein als das Gehetze und Gedrängel auf den deutschen Autobahnen. Slow down und die eigenen Erfahrungen machen ist angesagt! Spätestens nach Müllers letzter Station, der "letzten" Bundesstraße Nr. 999 Ortsumgehung Rödental, juckt es in den Fingern, Alternativrouten zur nächsten Autobahnfahrt zu erkunden.