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Bürger Grass: Biografie eines deutschen Dichters
 
 
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Bürger Grass: Biografie eines deutschen Dichters [Gebundene Ausgabe]

Michael Jürgs
2.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
  • Verlag: C. Bertelsmann Verlag; Auflage: 1. Aufl. (5. September 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3570005763
  • ISBN-13: 978-3570005767
  • Größe und/oder Gewicht: 23,5 x 15,9 x 3,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 688.078 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Michael Jürgs
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Aus der Amazon.de-Redaktion

Nun stand er wieder am Lesepult, Brille halb herabgerutscht, die Pfeife erkaltet, das Rotweinglas stets griffbereit. Den Triumph, eine nationale Debatte literarisch losgetreten zu haben, genoss er sichtlich. Figuren aus früheren Romanen hatten noch einmal ihren Auftritt, ein literarischer Kreis schloss sich. Selbst sein kritischer Quälgeist, der "unvermeidliche Nörgler", den er ein Leben lang nicht loswerden sollte, schämte sich seiner Tränen nicht. Als längst niemand mehr damit gerechnet hatte, als es so aussah, als ob er ausgeschrieben hätte, hatte Günter Grass sein altes Danzig noch einmal aufgesucht -- und war mit einem Bestseller zurückgekehrt.

Mit dem Überraschungserfolg der Novelle Im Krebsgang und der sich anschließenden politischen Diskussion, endet Michael Jürgs' lange Reise ins Innenleben des Bürgers Grass. Nicht nur stur Lebensdaten herbetend, umschwebt der ehemalige Stern-Chefredakteur den nunmehr 75-Jährigen förmlich meditierend, schlägt aber beim Versuch, eigenen dichterischen Impulsen nachzugeben, bisweilen über die Stränge. Vom Sohn eines Kolonialwarenhändlers in Danzig-Langfuhr zum Bildhauer, Grafiker und Romancier -- schließlich zum Gewissen der Nation. Viel Privates über den nicht immer grundsoliden Patriarchen, Frauen- und Pilzkenner weiß Jürgs zu berichten, das Werk des Nobelpreisträgers bleibt indes merkwürdig unterbelichtet.

Literaturfreunde werden die Interna aus der Gruppe 47 dankbar begrüßen, jenem legendären Literaturkreis, der 1958 die ersten Kapitel der Blechtrommel zu hören bekam. Dann wieder werden wir mit kulinarischen Fragwürdigkeiten wie Kutteln konfrontiert, die Grass Freunden mit Vorliebe auftischte, was geladenen Schöngeistern nicht selten den Schweiß auf die Stirn trieb. Auch erfahren wir mit Staunen, welch feuriger Tangotänzer Grass noch immer ist.

Leicht schieflagiges, aber einfühlsames Porträt eines "auf eine verquere Art Unkomplizierten". SPD-Wahlkämpfer und Brandt-Freund mit dem Image des ewig Belehrenden. Ein Fighter mit schlechten Nehmerqualitäten. Hochempfindsam, robust genug jedoch, Kunst- und Geschäftssinn auf das Förderlichste zu verbinden. Einer, der sich schließlich, allen Erfolgen zum Trotz, stets als politisch engagierter Kleinbürger Grass begriff. Und den werden wir noch lange brauchen. --Ravi Unger

Kurzbeschreibung

Ich gebe kein Bild ab. Sinnlos, mich auf einen Nenner bringen zu wollen." So hat Günter Grass, der in diesem Jahr 75 Jahre alt wird, einst über sich geschrieben. Und in der Tat sind Werk und Leben des Sprachbildhauers Grass provozierend vielfältig und facettenreich. Er kann schreiben - Romane, Novellen, Gedichte, Theaterstücke, Reden -, er kann zeichnen, malen, formen. Seine Werke, vom legendären Erstling "Die Blechtrommel" über "Katz und Maus" und dem "Butt" bis zur "Rättin" und dem "Weiten Feld" sind weltweit bekannt, millionenfach verkauft. 90 Prozent aller Deutschen kennen den Namen Günter Grass. Die einen schelten ihn den Oberlehrer, die anderen halten ihn für das Gewissen der Nation. Denn Grass hat immer wieder den Elfenbeinturm verlassen und sich eingemischt: getrommelt für Brandt, geredet gegen das Vergessen, besungen die Demokratie. Seine Feinde sind genauso hochkarätig wie seine Freunde. Und alles ist über ihn schon geschrieben worden - nur keine wirkliche Biografie. Die legt nun der renommierte Journalist und erfolgreiche Biograf Michael Jürgs vor. Basierend auf vielen intensiven Gesprächen mit Grass, auf genauer Spurensuche und auf mehr als 50 Interviews mit Menschen, die in seinem Leben eine Rolle spielten, ihn auf seinem Weg begleiteten. Entstanden ist keine akademische Interpretation des Grass'schen Werkes; Jürgs verbindet viele Geschichten zur Geschichte des wortmächtigen Dichters, des sechsfachen Vaters und fünfzehnfachen Großvaters, des sinnenfrohen Mannes, der viele Frauen liebte, des bekennenden Kleinbürgers, des Patriarchen aus Kaschubien.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Vorneweg: Ich habe Germanistik studiert habe und über Grass Examen gemacht bei einem der wohl besten Grass-Kenner Deutschlands: Volker Neuhaus. Von daher hatte ich natürlich schon Vorkenntnisse über Grass' Leben und Werk. In dieser Biographie von Jürgs steht sein - wie der Titel signalisiert - Leben im Vordergrund; über das Werk erfährt man nur, was in Verbindung mit Grass' Leben steht. Leider schreibt der Autor, den ich ansonsten für seine Glossen sehr schätze, gerne auch über sich selber und wie er sich Grass nähert und schimpft dabei (wie Grass auch - was für ein Zufall) mehrmals über die Germanisten, die Grass' Bücher nach autobiographischen Schlüsselstellen abklopfen. Das nervt insbesondere anfangs ziemlich; die ersten 100 Seiten fande ich daher - Achtung Wortspiel! - grässlich. Insgesamt hat Jürgs aber eine sehr informative Biographie über Grass geschrieben, aus der auch ich noch Neues erfahren habe. Schade, dass die 90er Jahre und die Gegenwart bei Jürgs äußerst kurz und knapp wegkommen: Der Riesenkrach über das weite Feld, der Grass ziemlich angeschlagen hatte, wird auf wenigen Seiten abgehandelt. Das sehr wortwitzige Buch liest sich unterhaltsam und kommt Grass auch stilistisch durchaus nahe, daher doch noch vier Sterne.
Wer sich speziell über Grass' Werk informieren möchte, sei an die vorzüglichen - und weitaus schmaleren - Bändchen von Claudia Mayer-Iswandy und Volker Neuhaus verwiesen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Der Bürger Grass 21. August 2009
Von Günter Nawe "Herodot" TOP 100 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Es bleibt immer ein fragwürdiges Unterfangen, einen noch Lebenden mit einer Biografie zu würdigen. Das gilt auch dann, wenn der zu Würdigende ein Literatur-Nobelpreisträger ist und Günter Grass heißt und in Kürze 75 Jahre alt wird. Sei's aber drum: das Buch ist geschrieben und soll gelesen sein. Und vielleicht ist ihm Gutes abzugewinnen?

Michael Jürgs ist geübt in gefälliger Biografik. Hat der Journalist sich auf diesem Feld doch schon heftig getummelt. Unter anderem ist eine Richard-Tauber-Biografie aus seiner Feder, sind es "Der Fall Romy Schneider" und "Der Fall Axel Springer". Und nun also "Bürger Grass. Biografie eines deutschen Dichters". Und zugegeben: Ihm ist mit dieser Biografie ein hochinteressantes, ein spannendes Buch gelungen. Basierend auf vielen Gesprächen mit Grass selbst, auf Interviews mit Weg- und Zeitgefährten, in umfassender Kenntnis des Werks hat sich Jürgs auf erfolgreiche Spurensuche begeben.

Dass der Biograf seinem Helden Grass äußert zugetan ist, beweist er mit jeder Zeile. So gerät ihm gleichsam unter der Hand die Lebensbeschreibung des Sprachbildhauers, des Dichters, des sich ständige einmischenden homo politicus zu einer Art Hagiografie. Das geht so weit, dass Jürgs versucht, sich dem Objekt seiner schriftstellernden Begierde im Grass'schen Stil zu nähern. Man gewöhnt sich allerdings im Laufe der Lektüre fast daran und nimmt mehr oder weniger gelassen die nie endend wollende Begeisterung mit all ihren Lobpreisungen und Schmeicheleien hin. Das hat sich allerdinsg nach dem "Geständnis" von Grass sowohl bei Jürgs als auch bei (diesem) Leser geändert.

"Ich gebe kein Bild ab. Sinnlos mich auf einen Nenner bringen zu wollen." Auch: "Auf verquere Weise bin ich unkompliziert." Und das ist der am 16. Oktober 1927 in Danzig-Langfuhr, Labesweg 13, geborenen Kaschube und Blechtrommler allemal. Beginnend als Soldat (und später mehr) und gelernter Bildhauer wird aus ihm erst der Lyriker, dann der große Erzähler, der mit seiner "Blechtrommel" die deutsche (Nachkriegs-) Literatur (mit Böll, mit Lenz) entscheidend prägt. Mit der "Blechtrommel" kommt "Bruder Ruhm", der den Dichter mit der barocken Sprachgewalt von nun an begleiten soll.

Jürgs geht es aber in erster Linie um den "Bürger Grass", erst im Untertitel um den deutschen Dichter. So hat der Dichter Grass Bruder Ruhm eingesetzt, um den Bürger Grass zu etablieren. Er hat den Elfenbeinturm verlassen, um sich im Alltag zu engagieren. Er hat in Wahlkämpfen heftig für seinen Freund Willy Brandt und die Es-Pe-De getrommelt, gegen das Vergessen angeredet und angeschrieben - zuletzt mit der brillanten Novelle "Im Krebsgang"; er hat die Demokratie besungen und ihre vermeintlichen Feinde beschimpft. Er hat sich gegen den Strom der Zeit in die Diskussion um die deutsche Wiedervereinigung eingemischt. Er tat dies alles sehr gründlich. Schnell galt er als eine Art Gewissen der Nation. All das ging jedoch nicht ohne Blessuren ab. Für andere ohnehin, für ihn selbst, oft genug die beleidigte Leberwurst spielend, nicht minder.

Und immer wieder Gedichte, Novellen, Romane. Nicht alle waren, sind gut. So musste er sich der Kritik stellen. Hier wie dort - der Dichter und der bekennende Kleinbürger gerieten ins Kreuzfeuer. Viel Feind, viel Ehr. Wer austeilt, muss auch einstecken können. Kann er nicht. Und so sind aus vielen Freunden Feinde geworden, Erzfeinde gab und gibt es auch. Sie sind mit dem Namen Reich-Ranicki beschrieben. Reich ist Günter Grass auch geworden. Frauen haben ihn geliebt und lieben ihn - und er sie. Patriarch einer großen Sippe ist der sechsfache Vater und fünfzehnfache Großvater. Tänzerisch weiß er zu überzeugen, seine Kochkünste sind berühmt. Und dann gab es 1999 endlich den Literatur-Nobelpreis. Verdient! Grass ist auf dem dichterischen Olymp - und genießt es. Weise mag er mittlerweile vielleicht(?) geworden sein, sanft immer noch nicht. Und auf "verquere Weise unkompliziert" ist er ebenfalls noch.

Sehr deutlich wird an den Lebens- und Werkstationen des Bürgers und Dichters Grass die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und ein Stück Literaturgeschichte der deutschen Republik. Wir erfahren Umfassendes von der Geschichte der Gruppe 47, auch wenn dem Biografen vor lauter Begeisterung für seinen Helden der eine und andere Fehler unterläuft.

Hat Jürgs uns nun ein Bild vom Bürger und Dichter Günter Grass gegeben? Ja. Auf einen Nenner konnte er ihn allerdings auch nicht bringen. Versucht hat er, ein "Gesamtkunstwerk" Grass zu schaffen. Gelungen ist ihm ein Torso, aber auch der nicht schlecht. Denn wie auch immer: Günter Grass lebt - und so werden wir geduldig auf die ultimative Biografie warten wollen und müssen. Und in der mag sich manches/vieles im Lichte beuer Erkenntnisse anders darstellen.
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2 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Nur zum Einschlafen 6. November 2002
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Ich habe dieses Buch bis ans Ende gelesen, und es war nur eine Qual. Lieber die Bücher von Grass lesen als dieses schwülstige Machwerk!
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