...innerhalb der deutschen Parteienlandschaft. Sie sind der Meinung, das ist ein abwegiger Gedanke? Rebecca Niazi-Shahabi, um die Dreißig, belehrt uns mit ihrem Selbstversuch eines Besseren. Rechtzeitig zur Bundestagswahl liefert die Autorin einen authentischen Erfahrungsbericht über ihre Partnersuche der etwas anderen Art bei den fünf größten deutschen Parteien ab und gewährt uns nebenbei auch noch interessante Einsichten in den mühseligen Parteialltag abseits des großen Spielfelds Politik, das man vom Fernseher kennt.
Wie kommt man auf die Idee, ausgerechnet unter politisch Aktiven den Mann fürs Leben suchen zu wollen? Diese Frage wird recht pragmatisch im Gespräch mit Freundin Uta beantwortet. Uta schlägt Rebecca das Internet vor; die zahlreichen Foren sind praktisch und ungemein beliebt. Aber wo bleibt da die Romantik, fragt Rebecca zurück. Sie ist altmodisch und will jemanden ganz unbedarft, "per Zufall" kennenlernen. Nächste Möglichkeit wäre der Arbeitsplatz, aber was tun, wenn die Kollegen überwiegend weiblich sind? Das Nachtleben scheidet auch aus, denn in den meisten Lokalen tummeln sich nur noch Zwanzigjährige, da würde sie sich fehl am Platz fühlen. Also kommen die beiden Freundinnen zu dem Schluss, Frau solle sich am besten dorthin begeben, wo überwiegend Männer anzutreffen sind. Dies wären dann der Fußballverein oder die Parteien. Klingt eigentlich logisch.
Rebecca besucht nun also in Berlin ein Jahr lang Parteiveranstaltungen: vom biederen Ortsgruppenstammtisch, über interessante Vorträge und Ausstellungen, dem Würstchengrillen im Grünen, bis hin zu Mega-Events mit Prominentenbeteiligung. Sie stellt fest, dass unter den CDU-Männern die meisten potentiellen Fremdgeher sind, bei der SPD überwiegend treue Familienväter anzutreffen sind, bei den Grünen die Männer keinen Wert auf ein gepflegtes Äußeres legen und deshalb an ihr, mit gepflegtem Äußeren, wenig Interesse zeigen, unter den Linken die ältesten Männer sind und bei der FDP die Jüngsten, dafür sind die aber entweder schwul oder selbstverliebt. Natürlich kommt Frau Niazi-Shahabi bei ihrem Projekt dem einen oder anderen Mann näher, aber ob sie letztendlich den geeigneten "Bündnispartner" fürs Leben findet, wird an der Stelle nicht verraten.
Schon allein für die Idee und ihr Durchhaltevermögen zolle ich der Autorin meinen Respekt. Ihre Erlebnisse und Begegnungen werden reell, unvoreingenommen und mit zwinkerndem Auge geschildert, sie liefert keine Plattitüden oder skandalöse Enthüllungen ab. Das Buch liest sich wie ein Mix aus informativem Sachbuch und Roman. Ich muss aber leider zugeben, dass ich aufgrund der Fülle an Bekanntschaften, die kurz aufeinander geschlossen werden, des Öfteren ins Straucheln geriet, wer denn nun eigentlich wer ist.