Ich muß zugeben als langjähriger Anhänger Bülents, der wie ein Pilgerer regelmäßig seine Live-Shows im Mannheimer Capitol besucht und als unverbesserlicher Mannheimer Patriot(Monnem, des is des beschte do, was es gibbt!) bin ich von seinen Werken von vornherein leicht zu überzeugen... Von daher kann ich nicht verstehen, wie einer der anderen Rezensenten von "Brunnenvergiftern" sprechen kann, ist Bülent doch ein Paradebeispiel einen integrierten Türken(Halb Türken, wie der Titel schon sagt), der 100% angekommen ist und trotzdem seine Herkunft zu würdigen weiß... Leider entzieht sich einiges des Humors, den Bülent hier bietet dem Verständnis von Nicht-Mannheimern oder Anwohnern eben dieser eigentümlichen Region... Die Darstellung seiner verschiedenen Charaktere entspricht dem Mannheimer Alltag, von Realität zu sprechen, könnte da grotesk erscheinen... Harald, Manfred, Hassan, Hakan... ich kenne sie selber persönlich(im übertragenen Sinne als Stereotypen)... sind sie doch meine Nachbarn, wenn nicht sogar Freunde... Wenn also Harald in seinen Hasstiraden gegen die Menschheit einen "Dreckstürken" fallen lässt, dann ist das typisch monnemerisch einfach eine bunte Ausdrucksweise ohne politischen Hintergrund...
Hier liegt denke ich auch die grosse Stärke dieses Programms... Bülent arbeitet sich durch den Alltag der Mannheimer, egal aus welchem Teil der Bevölkerung sie stammen, vom Ur-Monnemer-Vieh bis zur Möchtegern High Society Dame, die mit ihrem Akzent und dem Hochdeutschen kämpft... das Programm greift nicht nach fremden Welten um zu unterhalten, sondern bleibt da wo es hingehört: In Monnem...
Was aber in Monnem für hysterische Lachanfälle sorgt(wie ich bei meinem letzten Live Besuch beim aktuellen Programm feststellen konnte), sorgt anderorts oder im TV(wie bei Otti oder Quatsch Comedy) für mäßigen Beifall... Was ihn zum Diplomat Mannheims macht, scheint gerade bei 5minütigen TV-Auftritten ein Manko zu sein... Hier müßte der foine Herr vielleicht etwas mehr Richtung Comedy Mainstream arbeiten, damit das nächste Programm sich schlichtweg auch dem letzten Insulaner als großartige Langzeitanalyse eines eigentümlichen Volkes offenbart...