Der Lektor: Rampenlichtscheues Wesen mit ausgeprägtem Hang zur Akribie. Lebt im Schatten seiner Autoren und weiß immer alles besser. Vereint die Fähigkeiten eines Deutschlehrers, Finanzministers, Privatdetektivs und Seelenklempners.
So weit so gut. Aber was genau macht eigentlich ein Lektor? Eine Frage, auf die sich viele eine Antwort wünschen. Entweder weil sie selber Lektor werden wollen oder es bereits sind, aber trotzdem nicht ganz genau wissen, welche Aufgaben alle zu diesem Beruf dazugehören. Denn mit Ausnahme des Prinzips Learning-by-doing gibt es ja keine Ausbildung.
Die Antworten auf alle Fragen rund ums Lektorendasein gibt "Bücher machen", das erste - und bisher einzige - Handbuch, das sich mit der Entstehungsgeschichte eines Buches aus der Sicht eines Lektors/Redakteurs befasst. Und das erfreulicherweise nicht im Schlaftablettenmodus, sondern in einem Sprachstil, den man auch über längere Strecken prima lesen kann. Sehr ausführlich geht das Buch auf die Kernaufgaben des Lektors wie Programmplanung, Projektmanagement und Manuskriptbearbeitung ein. Man schließt Bekanntschaft mit Hurenkindern und Schusterjungen, lernt den Binde- vom Gedankenstrich unterscheiden und erfährt, was ein Geviert ist. Besonders gut gelungen finde ich die Tipps zum Verfassen griffiger, lebendiger Texte für Buchumschlag, Vorschau und Pressenotizen.
Doch Lektor sein bedeutet eben nicht nur, Manuskripte prüfen, lesen und korrigieren. Um ein Buch erfolgreich am Markt zu platzieren braucht es einiges an „Schnittstellenwissen", so zum Beispiel zum Thema Marketing und Vertrieb, auch rechtliche Fragen, besonders zum Urheberrecht, gehören dazu. Und nicht zuletzt natürlich ein herstellerisches Know-how. Gerade in kleinen Verlagen arbeiten Lektoren und Hersteller oft eng zusammen. Dieser wichtigen Symbiose trägt das Buch in einem sehr ausführlichen Herstellungskapitel Rechnung: Wie positioniere ich ein Bild richtig? Welche Schrifttypen passen zusammen und welche nicht? Welche Formen der Bindung gibt es und für welche Zwecke eigenen sie sich? Dies sind nur einige der vielen Fragen, auf die das Buch Antworten bietet.
Clever, nützlich und hilfreich sind die vielen Checklisten, die man für seine tägliche Arbeit brauchen kann, zum Beispiel Checklisten zur Manuskriptbewertung, zur Herstellungsübergabe und zum Korrekturdurchgang. Auch Tipps und Empfehlungen für weitere Recherche fehlen nicht wie Internetadressen zu Literaturagenten oder zu Übersetzer- und Lektorenverbänden.
Ich bin selber Lektor und sehr froh, dass der Bramann-Verlag dieses Werk auf den Markt gebracht hat. Ein Buch, das sich sowohl an Frischlinge als auch an alte Hasen richtet, denn auch mit einigen Jahren Berufserfahrung auf dem Buckel erfährt man bei der Lektüre viel Neues, Wichtiges und Interessantes! Es steht in Griffweite auf meinem Schreibtisch und war mir schon in so manch haariger Situation ein wertvoller Ratgeber; sei's in einem konkreten „Notfall" oder bei generellen Fragen.
Wer also wissen will, was ein Lektor eigentlich macht, kauft sich am besten dieses Buch. Da steht's drin!