Aus der Amazon.de-Redaktion
Die Autorin nimmt ihre Leser mit auf eine spannende Reise durch die Jahrhunderte -- von der Bibel bis zu Harry Potter. Liebe, Politik, Sex, Wirtschaft, Frauen, Zivilisation, Psyche, Moderne, Utopien: Die Einteilung in Themengebiete, denen jeweils ein Kapitel des Buches gewidmet wird, ist sehr sinnvoll. Zu vermissen ist wenig, zu kurz kommt zum Beispiel die Philosophie sowie die Naturwissenschaften.
Christiane Zschirnt versucht mit ihren Inhaltsangaben und Erläuterungen, den potenziellen Lesern die Angst zu nehmen vor den großen Namen, vor der Komplexität mancher Werke. Denn wenn man Grundidee und stilistische Absichten eines Autors begriffen hat, kann man sich sogar in Textlabyrinthe wie Ulysses oder Der Mann ohne Eigenschaften mit einigem Vergnügen hineinwagen.
Bücher -- Alles, was man lesen muss ist weit mehr als eine Aufforderung zum Lesen berühmter Romane und theoretischer Schriften. Es dient auch als eine Art Kompass, um auf dem weiten Wissensmeer nicht verloren zu gehen. Sehr kompetent und fern jeder akademischen Langeweile legt die Autorin die roten Fäden frei, die sich durch die europäische Ideen- und Geistesgeschichte ziehen. So werden die meisten erstaunt erfahren, warum Defoes Robinson Crusoe ein Paradebeispiel für Max Webers Thesen über die Entstehung des modernen Kapitalismus ist. --Christian Stahl
Kurzbeschreibung
Klappentext
Für Sie
"Tor zur grandiosen Welt des Lesens."
Badische Neueste Nachrichten
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Über den Autor
Auszug aus Bücher. Alles, was man lesen muss. von Christiane Zschirnt. Copyright © 2002. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Angenommen, Shakespeare wäre durch einen göttlichen Ratschluß wiedergeboren
worden und Sie träfen ihn im Bahnhofsrestaurant von Hannover und er zwinkerte
Ihnen zu und verwickelte Sie in ein faszinierendes Gespräch, würden Sie da nach
ein paar Höflichkeitsfloskeln sich erheben und sagen: "Entschuldigen Sie, Mr.
Shakespeare, Ihre Ansichten über den Hamlet sind sicher äußerst erhellend, aber
ich muss leider gehen"? Shakespeare würde Sie mit eiserner Hand auf Ihren Sitz
zurückdrücken und fragen: "Was haben Sie vor, das wichtiger wäre als ein
Gespräch mit mir, dem Autor unsterblicher Werke, der nächst Gott am meisten
geschaffen hat?" Und Sie würden antworten: "Ach, nichts Besonderes. Ich treff
mich mit Berti Karsunke und den anderen zum Stammtisch."
Nun, dies ist ein freies Land, und jedem steht es frei, sich von Shakespeare
schnell zu verabschieden, um sich mit Berti Karsunke zu treffen. Nichts gegen
Berti Karsunke. Auch er kann faszinierend sein. Tatsächlich würde man ihn auch
bei Shakespeare schon finden. Er trägt zwar nicht den Namen "Berti Karsunke",
sondern "Andreas Bleichenwang", aber es ist definitiv der gleiche Mann.
Doch was würden Sie sagen, wenn auch Sie selbst sich in Shakespeare
wiedertreffen würden, wenn Ihre Freundin in Ihnen Zettel, den verzauberten
Weber, wiedererkennte, der sich "am Morgen danach" in einen Esel
zurückverwandelt hat? Würde das nicht Ihr Interesse wecken?
Aber auch in diesem Fall werden viele der Gesellschaft von Berti Karsunke der
von Shakespeare den Vorzug geben. Sie persönlich nicht, aber wir wissen durch
eingehende statistische Erhebungen über Theaterbesuche und Bücherkäufe, dass
eine große Mehrheit Berti Karsunke aus Oberhausen den Vorzug vor Willy
Shakespeare aus Stratford gibt. Wem will man es verübeln, wenn er einem Menü von
Bocuse eine Portion Pommes mit Majo an der Frittenbude vorzieht?
Niemand wird bestraft, wenn er nicht in das Gespräch der Zivilisation eintritt.
Es ist ein alter Rechtsgrundsatz: Wer sich durch eine Tat unabsichtlich selber
schädigt - etwa eine Mutter, die aus Versehen ihr eigenes Kind überfahrt - wird
nicht noch zusätzlich bestraft. Und so darf sich jeder aus der Kultur
verabschieden, ohne dafür belangt zu werden. Denn er selbst trägt ja den
Schaden. Er findet sich in der Lage eines Mannes, der mitten in einem von
Lachsalven geschütteltem Publikum einer Komödie zusieht und die Pointen nicht
versteht. Er bewegt sich in seiner eigenen Kultur wie ein Ausländer. Er versteht
ihre Sprache nicht, er ist wie einer, der sein Erbe ausgeschlagen hat. Damit hat
er darauf verzichtet, die erhabensten Gedanken und die berauschendste Poesie
kennen zu lernen. Er hat freiwillig auf das höchste Glücksgefühl verzichtet, das
es gibt - nämlich Gottes Schöpfungsgedanken zu lesen.