Das Lernen ist Svetlana schon immer leicht gefallen. Auch die deutsche Sprache hat sie förmlich in sich aufgesogen, seit sie vor drei Jahren mit ihren Eltern aus der Ukraine nach Norddeutschland gezogen ist. Als Svetlana ein Stipendium für das Eliteinternat Erlenhof bekommt, ist die ganze Familie überglücklich. Leider haben Svetlanas neue Mitschüler so gar nichts übrig für das Mädchen aus einfachen Verhältnissen, das sie zudem alle an Wissen übertrifft. Schnell entwickelt sie sich zum bevorzugten Opfer der Klasse. Erst sind es nur dumme Sprüche auf ihrem Handy, dann Anfeindungen und peinlich Fotos im Internet. Svetlana weiß sich nicht mehr zu helfen. Was kann sie tun, damit es endlich aufhört?
"Böses Spiel" ist ein Buch mit einem aktuellen Thema: Cyber-Mobbing. Es wird klar gemacht, dass die Anonymität des Internets es Svetlanas Mitschülern sehr einfach macht, sie zu quälen. Svetlana selbst steht dem Ganzen hilflos gegenüber, denn sie weiß nicht mehr, wem sie vertrauen kann. Offene Anfeindungen der Täter in der Klasse (die natürlich viel leichter nachzuweisen und auch von den Lehrern wahrzunehmen wären) sind somit nicht mehr nötig. Eine perfide Art, jemanden emotional zu zerstören.
Trotz dieser interessanten Thematik ist "Böses Spiel" nicht so gut, wie es sein könnte. Die Charaktere sind zwar bei Weitem nicht so zweidimensional wie in Brigitte Blobels letzem Buch, "Jeansgröße Null", aber richtig dreidimensional wird nur Svetlana selbst und vielleicht noch in Ansätzen ihre Mutter. Die Personen vom Erlenhof - Schüler wie Lehrer - bleiben eher platt und sind dadurch austauschbar. Dazu kommt, dass die Handlung leider sehr gradlinig ist. Sogar ohne das Lesen des Prologs (in dem das Ende vorweggenommen wird) ist nach ein paar Seiten klar, worauf das Buch hinausläuft. Etwas mehr Nebenhandlung hätte nicht schaden können.
Alles in allem ist "Böses Spiel" sicher lesenswert, wenn man sich gern mit solcher Thematik beschäftigt. An Brigitte Blobels bessere Bücher ("Alessas Schuld", "Liebe wie die Hölle") kommt es aber nicht heran.