Inhalt:
Die beiden Call-Center-Agenten Kuli (Bjarne Mädel) und Paul (Florian Lukas) werden am Telefon unfreiwillig Zeugen eines Verbrechens - und befinden sich schon bald in einem Chaos aus Mord, Eifersucht, Friedenspolitik und thematisch sortierten Schallplatten ...
Story:
Sie schienen es ihm angetan zu haben. Die Rede ist von Bjarne Mädel und Florian Lukas, die Sven Stricker unbedingt noch einmal in einem seiner Hörspiele hören wollte und daher mit "Böses Ende" ein Hörspielskript verfasst hat, das ebenso spitzfindische Elemente besitzt wie die vergleichbaren Stücke "Herr Lehmann" und "Der kleine Bruder", die im Hörverlag erschienen sind und auf den Vorlagen von Sven Regener basieren. Nun also von Ivar Leon Mengers Psychothriller GmbH herausgegeben, bietet "Böses Ende" dem Zuhörer ein geradezu gewohntes Bild der beiden genannten Hörspiele. Ungemein viele Zeitsprünge sowie unerwartete und sehr direkte Ortswechsel schaffen eine extreme Dynamik innerhalb des Hörspiels, die zur Kurzweiligkeit entscheidend beiträgt. Im Spiel mit den einzelnen Charakteren beweist Sven Stricker sein großes Talent im Zeichnen von Personen, die unterschiedlicher wohl kaum sein können, dennoch aber immer wieder aufeinandertreffen und daher ungemein sympathisch erscheinen. Das Tollpatsch-Motiv, in das Bjarne Mädel spätestens seit seiner Rolle in der Fernsehserie "Stromberg" immer wieder gerne gesteckt wird, findet auch hier wieder seinen Anklang, doch damit nicht genug. Florian Lukas stellt den Antagonisten dar, der skurillerweise perfekt mit der Figur Ulrich Kulenkampff harmoniert, sodass letzten Endes nur das volle Lob für das Debuthörspiel von Sven Stricker als Skriptautor bleibt.
Sprecher:
Erstaunlicherweise hat man es angesichts der mitwirkenden Personen nicht mit einem Film zu tun, sondern mit einem Hörspiel. Doch woher rührt diese Assoziation mit einem Film? Nun, zum einen kennt man Gesichter wie die von Bjarne Mädel, Florian Lukas und Lutz Herkenrath, um nur beispielhaft diese drei zu nennen, aus zahlreichen Fernsehproduktionen, andererseits bieten alle Sprecher - und hierbei möchte ich keinen ausnehmen - ein außergewöhnlich hohes Maß an Authentizität. Angefangen bei den beiden zentralen Akteuren, Bjarne Mädel und Florian Lukas, die unzweifelhaft ihre Rollen grandios ausfüllen über Gerd Baltus in der Rolle eines Kommissars, der wohl nüchtern auf seine wohlverdiente Rente hinarbeitet und auch keinen Hehl daraus macht, dies zu verbergen, Kerstin Draeger, Ulrike C. Tscharre, Stephan Schad, Lutz Herkenrath bis hin zu Marike Fell, die ebenso wie alle anderen Sprecher eine überzeugende Darbietung abliefert, gelingt Regisseur Sven Stricker eine makellosse Auswahl hinsichtlich des Sprecherensembles für "Böses Ende". Im Übrigen werden diese in einem höchst ansprechenden Booklet und einer insgesamt außerordentlich guten Aufmachung dem Hörer präsentiert, eine mutige Variante der Gestaltung, die mir persönlich sehr zusagte, wie auch die Sprecherleistungen, die ungemein authentisch sind.
Musik und Effekte:
Doch damit noch nicht genug, der Hörer wird auch noch sanft dauerberieselt, was keinesfalls negativ gemeint ist. Bass- und Gitarrenspuren begleiten das Geschehen fast ohne Pause, sie bilden praktisch den roten Faden von "Böses Ende", das so viele Szenensprünge besitzt wie kaum ein zweites Hörspiel. Dabei setzt man auch wieder auf instrumentale Begleitungen von Tilman Ehrhorn, der auch schon an den "Wallander"-Hörspielen beteiligt war, die im Hörverlag erschienen. So entsteht ein idealer Rahmen für die Handlung von "Böses Ende", den die Sprecher exzellent ausfüllen. An Effekten wird genau das geboten, was man erwarten würde - die Handlungsorte sind stets klar gekennzeichnet, der Handlung zu folgen stellt keine gewaltige Herausforderung dar, im Gegenteil ist man stets sehr erheitert über die Geschehnisse, die real und wie aus dem Leben gegriffen scheinen. Insofern eine sehr ordentliche Inszenierung, die Kay Poppe zur Gesamtproduktion beisteuert.
Fazit:
Sven Strickers Debut verleitet mich zu der Aussage, ihn als Meister der Überraschung zu bezeichnen, denn so viele Wendungen innerhalb eines einstündigen Hörspiels erlebt man selten. In Zusammenarbeit mit Kay Poppe, der für die technische und musikalische Untermalung von "Böses Ende" zuständig ist, entsteht als Konsequenz aus dem hervorragenden Skript und den ausgezeichneten Sprechern ein dramatisches, urkomisches und schlichtweg unterhaltsames Hörspiel, das das Prädikat "sehr gut" wie kaum eine andere Produktion verdient hat. Eine weise Entscheidung von Ivar Leon Menger, das Duo Sven Stricker & Kay Poppe zu fördern, denn das hier Gebotene erfüllt alle geweckten Hoffnungen und Erwartungen.
Note 1