Die hilfreichsten Kundenrezensionen
11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Spannend, kritisch, amüsant - was will man mehr?, 11. März 2010
Die 'Spezialeinheit beim Reichskriminalamt für Gewaltverbrechen von internationalem Charakter' in Stockholm, kurz A-Team genannt, steht wegen Nichtbeschäftigung kurz vor der Auflösung. Da naht 'Entspannung': Ein Serienmörder aus den USA ist auf dem Weg nach Schweden, das A-Team ist in Alarmbereitschaft. Schon nach kurzer Zeit werden mehrere Tote gefunden, auf grausame Art und Weise gefoltert und ermordet. Doch es lässt sich kein Muster erkennen, völlig untypisch für einen Serienmörder scheint er seine Opfer wahllos auszuwählen. Kerstin Holm und Paul Hjelm, Mitglieder des A-Teams, fliegen nach New York, um mehr über die bisherigen Ermittlungen des FBI zu erfahren. Endlich mal ein Krimi ohne schwedische depressive Ermittler :-) Natürlich haben auch die Angehörigen des A-Teams ihre Schwächen (wie auch Stärken), aber zur Abwechslung mal keine 'normale' Lebenssinnkrise (sieht man von Paul Hjelm ab) die sich in Form von Resignation, Frust und Flucht in den Alkohol äußert. Statt dessen ein verkrachter Bodybuilder, ein geläuterter Ex-Staranwalt, ein energiegeladener Jazzbassist... Die Figuren werden detailgetreu dargestellt mit all ihren Vor- und Nachteilen, ihren Widersprüchen und inneren Konflikten. Dahl gelingen ungewöhnliche, durchaus vergnügliche Bilder (Zwei Lungenentzündungen kamen durch die Luft gesegelt und suchten ihre rechtmäßigen Besitzer), aber er spart auch nicht mit Gesellschaftskritik. Bemerkenswert ist ein zweiseitiger Part, in dem Hjelm sich Gedanken über das Verhalten der Unternehmen in der Gesellschaft macht. Obwohl das Buch bereits 1998 erschienen ist, lässt es sich 1:1 auf die Bankenkrise des letzten Jahres übertragen. Weshalb nicht die volle Punktzahl? Im Klappentext wird in der Zusammenfassung erklärt, dass es sich um das zweite Buch mit Kommissar Hjelm handelt. Direkt darunter in der Autorennotiz steht hingegen, es wäre sein erster Fall. Nach der Lektüre würde ich nun sagen, es ist das zweite Buch. Ein weiterer Grund für den Abzug sind die überdurchschnittlich vielen Rechtschreibefehler.
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33 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Spannend, tiefsinnig, grausam, 10. Juni 2003
Ein neuer, spannender Roman um die spezielle Ermittlergruppe, in deren Mittelpunkt erneut vor allem der gebrochene Held Paul Hjelm steht. Die zunehmend mit ihrer in Frage stehenden Existenzberechtigung ringenden Stockholmer Kriminalbeamten werden aus ihrem vorgezogenen Winterschlaf gerissen, als ein mit eiskalter Präzision vorgehender Serienmörder mit dem Ticket seines jüngsten Opfers, eines berüchtigten schwedischen Literaturkritikers, nach Schweden einreist. Schon bald beschäftigen sich die Ermittler mangels Alternativen entweder mit dürftigen Fakten oder auf mehr oder weniger bizarren Hypothesen beruhenden Theorien und der Autor läßt keine Gelegenheit aus, die unterschiedlichen Charaktere zu entwickeln und ihnen mehr Tiefe als im ersten Teil zu verleihen. Hat man sich nach dem brutalen Auftakt, der die kommenden Schrecken nur andeutet - was aber schon völlig ausreichend ist, um die Phantasie des geneigten Lesers anzuregen - auf diese Weise ein wenig einlullen lassen, gewinnt die Geschichte zunehmend an Tempo, einen hübsch exotischen Besuch von Paul Hjelm und Kerstin Holm beim FBI in New York inklusive. Erneut besticht Dahl durch intelligente Wortspiele, einen brilliant gestrickten Plot, in dem die Wahrheit mehr als einen doppelten Boden hat, interessante Persönlichkeiten, mit denen er den Roman bevölkert, einen sehr speziellen Humor und einer entschieden zu starken Prise übertriebener Symbolik. Die letzten 200 von mehr als 350 Seiten lassen nicht los, die Spannung nimmt stetig zu. Leider läßt auch die drastische Beschreibung grausamster Folter- und Tötungsakte nicht nach und wird gegen Ende nur noch von ein paar schlichteren, aber nicht weniger blutrünstigen Schießereien abgelöst. Das Buch hätte weder in Punkto Spannung noch in Sachen tiefschürfender gesellschaftspolitisch-philosophischer Überlegungen (dies ist ein schwedischer Krimi, es geht nicht ohne ...) gelitten, wenn Dahl auf dieses übermäßige Blutvergießen verzichtet hätte. Böses Blut, um einen im Roman überstrapazierten Gedanken aufzugreifen, kehrt wieder - als Nachtlektüre im heimischen Kuschelbett ist dieses Buch definitiv nicht geeignet.
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
etwas widersprüchlich, 23. November 2004
Dahls Krimi, von dem der "Spiegel" damals ganz begeistert war, mit Sjöwall und Wahlöö zu vergleichen, ist etwas übertrieben. Im Vergleich mit den großartigen düsteren Gesellschaftsdramen aus den 70ern präsentiert Dahl zwar ein Figurenpanorama an Ermittlern, das tatsächlich an die großen Vorgänger erinnert, das war's dann aber auch schon. Die erstaunliche Brutalität des Killers, mit dem er auf der Serienmörderekelskala sicher punkten konnte, wird konterkariert von der stets präsenten Ironie der Ermittler und des Autors, die bis zu slapstickhaften Szenen reicht. Die schauderhaftesten Szenen, gefolgt von einem Ablacher und gemildert von melancholischen Lebens- und Beziehungserfahrungen aus dem Leben der beteiligten Polizisten ergibt eine Mischung, die mal mehr, mal weniger überzeugt. So weist der Roman zwar starke Szenen auf, nimmt sich dabei aber selber nicht immer ernst. Die Geschichte der Serienkillerfamilie ist darüberhinaus schon ziemlich weit aus der psychologischen Klamottenkiste hergeholt. Der politische Bezug zum Irak, der sich am Ende ergibt, weist dann wieder eine gewisse Aktualität (auf dem Stand des Erscheinens ) auf. So ist das Fazit wie der Roman: etwas widersprüchlich.
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