Ein neuer, spannender Roman um die spezielle Ermittlergruppe, in deren Mittelpunkt erneut vor allem der gebrochene Held Paul Hjelm steht. Die zunehmend mit ihrer in Frage stehenden Existenzberechtigung ringenden Stockholmer Kriminalbeamten werden aus ihrem vorgezogenen Winterschlaf gerissen, als ein mit eiskalter Präzision vorgehender Serienmörder mit dem Ticket seines jüngsten Opfers, eines berüchtigten schwedischen Literaturkritikers, nach Schweden einreist. Schon bald beschäftigen sich die Ermittler mangels Alternativen entweder mit dürftigen Fakten oder auf mehr oder weniger bizarren Hypothesen beruhenden Theorien und der Autor läßt keine Gelegenheit aus, die unterschiedlichen Charaktere zu entwickeln und ihnen mehr Tiefe als im ersten Teil zu verleihen.
Hat man sich nach dem brutalen Auftakt, der die kommenden Schrecken nur andeutet - was aber schon völlig ausreichend ist, um die Phantasie des geneigten Lesers anzuregen - auf diese Weise ein wenig einlullen lassen, gewinnt die Geschichte zunehmend an Tempo, einen hübsch exotischen Besuch von Paul Hjelm und Kerstin Holm beim FBI in New York inklusive.
Erneut besticht Dahl durch intelligente Wortspiele, einen brilliant gestrickten Plot, in dem die Wahrheit mehr als einen doppelten Boden hat, interessante Persönlichkeiten, mit denen er den Roman bevölkert, einen sehr speziellen Humor und einer entschieden zu starken Prise übertriebener Symbolik. Die letzten 200 von mehr als 350 Seiten lassen nicht los, die Spannung nimmt stetig zu.
Leider läßt auch die drastische Beschreibung grausamster Folter- und Tötungsakte nicht nach und wird gegen Ende nur noch von ein paar schlichteren, aber nicht weniger blutrünstigen Schießereien abgelöst. Das Buch hätte weder in Punkto Spannung noch in Sachen tiefschürfender gesellschaftspolitisch-philosophischer Überlegungen (dies ist ein schwedischer Krimi, es geht nicht ohne ...) gelitten, wenn Dahl auf dieses übermäßige Blutvergießen verzichtet hätte. Böses Blut, um einen im Roman überstrapazierten Gedanken aufzugreifen, kehrt wieder - als Nachtlektüre im heimischen Kuschelbett ist dieses Buch definitiv nicht geeignet.