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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
71 von 79 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kaputte Gemütlichkeit,
Von
Rezension bezieht sich auf: Böse Schafe (Gebundene Ausgabe)
Einen Menschen lieben und im nachhinein nicht wissen, wer er eigentlich war: Unzählige Romane voller Klischees sind zu diesem Thema geschrieben worden - selten allerdings derart berührend wie in Böse Schafe, dem neuen Buch der Berliner Schriftstellerin Katja Lange-Müller. Die Autorin treibt die Fremdheits-Konstellation auf die Spitze. Soja, die Aushilfsblumenhändlerin, liebt einen Mann, von dem sie erst später erfährt, dass er drogenabhängig ist. Sie entdeckt sein Tagebuch und muss erkennen, dass sie in diesem überhaupt nicht vorkommt. Behutsam nähert sich Soja in dem Roman ihrem Du, einem gewissen Harry, der wie sie aus der DDR stammt. Behutsam, denn Katja Lange-Müller vermeidet die Charakterisierung ihrer Hauptfigur mit allzu großem Selbstmitleid. Dabei taucht sie ein in das Westberlin vor dem Mauerfall. Der Leser erkennt die kaputte Gemütlichkeit einer Welt wieder, in der die Aussteiger und noch nicht die ehrgeizigen Hauptstädter das Szene-Bild dominieren. Sprachwitz und Schnodderschnauze statt austauschbarer Urbanität: Katja Lange-Müller, die 1984 aus der DDR nach Westberlin übersiedelte, beherrscht viele Tonlagen virtuos. Und sie schafft in diesem wunderbaren Roman etwas, was nur die wenigsten können: Sie lässt den Figuren ihre Würde - bemerkenswert angesichts des Tabu-Milieus, in dem die Handlung spielt. Am Ende bleibt Soja der Traum von einer gemeinsamen Vergangenheit, die kein später gefundenes Tagebuch zerstören kann: "Wir haben einander und Zeit; nichts sonst, doch davon ganz viel, obwohl es scheint, als existiere sie gar nicht mehr." Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ungeheuere Nähe,
Von
Rezension bezieht sich auf: Böse Schafe (Gebundene Ausgabe)
Katja Lange-Müller gelingt mit diesem Buch das Kunststück, eine Liebesgeschichte von derart authentisch wirkender Intimität zu erzählen, die vergessen lässt, dass es sich um einen Roman und nicht etwa um reale Tagebuchaufzeichnungen oder Briefe handelt. Nichts an diesem Text wirkt gekünstelt oder gar konstruiert, nichts gefühlsduselig oder gar anbiedernd, und gerade dadurch erzeugt sie eine ungeheuere Nähe zu ihrer Protagonistin, eine Nähe, die einen sämtliche emotionalen Wechselbäder durchleiden lässt, die die Liebe zu einem heroinsüchtigen Menschen mit sich bringt, eine Liebe, die in doppeltem Sinne stärker und schmerzhafter ist als die Sucht.
Dabei ist Böse Schafe" alles andere als ein betroffenheitsschwangerer "Drogenroman". Es ist ein von großer Empathie gezeichnetes Bild zweier sich durch das Leben mogelnder Existenzen im Westberlin der Vorwendezeit, die auf ebenso komische wie tragische Weise eine Symbiose eingehen. Dass Katja Lange-Müller trotz ihrer pointierten Milieuschilderungen jener Nach-68er-Loser-Boheme nahezu alle linksromantischen Klischees zu umschiffen vermag, ist nicht minder bemerkenswert. Bleibt zu hoffen, dass Katja Lange-Müller auf diesem Weg weitermacht, auch wenn sie angekündigt hat, dass mit Böse Schafe" ihre Berlin-Trilogie" abgeschlossen sei. Es gibt reichlich Themen für eine Autorin, die so klasse schreiben kann. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dicht, hart und perfekt gefügt ...,
Von
Rezension bezieht sich auf: Böse Schafe (Gebundene Ausgabe)
... ist dieser großartige Roman. Er ist so wie die Mauern von Macchu Picchu, die ohne Mörtel aufgeführt sind und in deren Fugen man bis heute kein Blatt Papier stecken kann.
Katja Lange-Müller hat ein Meisterwerk geschrieben, über ein Sujet, das so psychologisch stimmig wie verstörend ist: Die Liebe einer jungen tatkräftigen Frau zu einem Mann, dessen Charakter von der Rauschgiftsucht zerfressen ist. Jeder, der sich überlegt, ob er sich mit einem Junkie zusammentun will, sollte unbedingt dieses Buch lesen. Außerdem gibt der Roman die Stimmung einer Kindheit in der DDR wieder und die Atmosphäre von Westberlin kurz vor dem Mauerfall. So echt und lebensnah, dass das Buch einen Ehrenplatz in der Hausbibliothek verdient, weil es zu seiner packenden Handlung auch noch das Zeitdokument eines Lebensgefühls ist. Dies hat die Autorin gekonnt eingefangen und so glaubhaft eingesetzt, dass es ganz selbstverständlich den Roman mitträgt und die Handlungen der Figuren überhaupt nachvollziehbar macht. Dass "Böse Schafe" ganz wunderbar geschrieben, und auch noch etwas für den Leserausch ist, muss ich hier auch noch unbedingt erwähnen. Man sollte allerdings nicht darauf hoffen, dass man sich bei der Lektüre wohl fühlt. Dazu ist die Geschichte einfach zu verstörend. Hinter jeder Idylle tut sich in diesem Buch das Grauen auf. Und ein Happyend gibt's auch nicht, das ist von Anfang an klar. Dies ist ein großartiges, logisches, hartes Buch voll innerer Wahrheit, das man trotzdem unbedingt gelesen haben muss. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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