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Böse Philosophen: Ein Salon in Paris und das vergessene Erbe der Aufklärung
 
 
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Böse Philosophen: Ein Salon in Paris und das vergessene Erbe der Aufklärung [Gebundene Ausgabe]

Philipp Blom
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Wenn es eine Unsterblichkeit gibt, schrieb Diderot in seinem diesbezüglichen Enzyklopädie-Artikel, dann nur im Gedächtnis der Menschen, die sich an das Leben und Werk der Toten erinnern. Dazu hat Philipp Blom auf eine Weise beigetragen, über die sich die radikalen Aufklärer gefreut hätten. Mit seiner emphatischen Erzählung hat er sie aus der Krypta des Vergessens geholt und für uns lebendig werden lassen." Manfred Geier, Süddeutsche Zeitung, 14.03.11 "Das schöne Buch bietet em Leser durchweg Erkenntnisgewinn und zugleich Leselust...". Lutger Lütkehaus, Neue Zürcher Zeitung, 29.07.11 "Philipp Blom zeichnet ein faszinierendes Porträt des vorrevolutionären Paris. ... Leichtfüßig und doch präzise verschränkt er individuelle Lebensläufe mit den drängenden zeitgenössischen Strömungen. ... Ein engagiertes Plädoyer - und eine äußerst spannende Lektüre." Michael Freund, Der Standard, 07.05.11 "Ein lesenswertes Buch, das sich das "vergessene Erbe der Aufklärung" zur Herzensangelegenheit macht - ebenso brillant wie unterhaltsam." Ludger Lütkehaus, Neue Zürcher Zeitung, 29.06.11 "Eine große Geschichtserzählung auf der Basis penibler Recherche, die Leser von der ersten bis zu letzten Seite fesselt." Hellmut Butterweck, Wiener Zeitung.01.07.11 "Detailreich, anregend." Adolf Holl, Die Presse, 09.07.11.

"Philipp Blom hat mit seinem fesselnden philosophischen Panorama, mit seiner Schilderung der Welt der Intellektuellen in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts ein Tor zu neuer Befassung mit ihnen aufgestoßen. Erst wenn man den Kreis soweit schlägt, wie er es tut, kommen kulturgeschichtliche Zusammenhänge in den Blick, die von den heute üblichen monographischen Darstellungen nicht erfasst werden." Henning Ritter, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.11 "Philipp Blom rehabilitiert die "bösen Philosophen" der Aufklärung. ... Ein ebenso gelehrtes wie amüsantes Buch. ... Die philosophischen Fragen, um die damals gerungen wurde, breitet Blom mit leichter Hand vor uns aus. Reichlich eingestreute Anekdoten sorgen dafür, dass wir auch in den theorielastigen Passagen nicht die Geduld verlieren." Jörg von Uthmann, Die Welt, 12.03.11 "Philipp Blom hat die Wege der bürgerlichen Aufklärer Mitte des 18. Jahrhunderts verfolgt und präzise ein intellektuelles Gravitationszentrum der Zeit verortet. ... Die 'bösen Philosophen' erklären, dass Aufklärung nichts ist, was Intellektuellen ohne Risiko in den Schoß fällt und sich dann in Menschen verkörpert, die auf einem Sockel stehen." Mario Scalla, Frankfurter Rundschau, 02.04.11 "Eine gut lesbare und intelligente Kulturgeschichte mit reichlich Farbe, Polemik und Pathos." Alfred Pfoser, Falter, 18.03.11 "In seinem Buch 'Böse Philosophen' schildert der britische Historiker Philipp Blom höchst anregend und anschaulich, wie im Pariser Salon d'Holbach von Denkern wie Diderot, Rousseau, Hume und vielen Gästen der moderne Mensch neu erfunden wurde." Volker Isfort, Abendzeitung, 12.04.11 "Blom gelingt es sehr überzeugend, die Gedanken der Epoche wieder zum Leben zu erwecken." Tim Caspar Boehme, die tageszeitung, 17.03.11

Kurzbeschreibung

Paris, wenige Jahre vor Ausbruch der Revolution: Im Salon des Barons d'Holbach treffen sich regelmäßig die besten Köpfe Europas. Denis Diderot, David Hume, Laurence Sterne, Jean-Jacques Rousseau und viele andere Denker des 18. Jahrhunderts streiten um eine zeitgemäße Philosophie, die die Religion hinter sich lässt und allein auf die Kraft des Verstandes setzt, aber auch den Leidenschaften angemessenen Platz einräumt. Philipp Blom erzählt ein Kapitel europäischer Geschichte und bringt die radikale Variante der Aufklärung wieder in Erinnerung, die eine Idee von einer wirklich menschlichen Gesellschaft hatte. Ein historisches Meisterstück und philosophisches Plädoyer zugleich.

Über den Autor

Philipp Blom , geboren 1970 in Hamburg, studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford. Er lebt heute als Schriftsteller und Historiker in Wien und schreibt regelmäßig für europäische und amerikanische Zeitschriften und Zeitungen.

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Chez M. Holbach
Als Thiry d'Holbach 1748 aus den Niederlanden nach Paris zurückkehrte, brachte er neue Ideen und einen großen Hunger nach intellektuellen Entdeckungen mit. Durch das Vermögen seines Onkels finanziell abgesichert, hatte Holbach sich auf keinen Beruf festgelegt und war unsicher, welchen Weg er einschlagen sollte. Er heiratete und erwarb eine Lizenz als Rechtsanwalt, übte diesen Beruf allerdings nie aus. Stattdessen begann er, in seinem Haus eine wissenschaftliche Bibliothek aufzubauen, und sammelte nicht nur Kunstwerke, sondern auch Tausende von Gesteinsproben für seine wissenschaftliche Arbeit. Er suchte nach einer geistigen Herausforderung, und als er von der Encyclopédie hörte, zögerte er nicht, dem Herausgeber seine Mitarbeit anzubieten. Im Laufe der Jahre sollte er Hunderte von Artikeln beitragen, ursprünglich zu ideologischen und anderen wissenschaftlichen Fragen, dann aber auch, mit äußerster gebotener Vorsicht, zu so kontroversen Fragen wie Priester und Theokratie.
Holbach war kein Mensch, der gerne tatenlos herumsaß, und er verstand es auch, seinen Wohlstand zu konstruktiven Zwecken zu nutzen, aber trotz seiner dauernden Beschäftigung wurde ihm bewusst, dass er für das Leben eines Privatgelehrten nicht geeignet war. Er brauchte Gesellschaft und neue Ideen, das angeregte Hin und Her einer offenen Diskussion. Solche Diskussionen fanden in den Akademien statt, aber dort schienen sie ihm zu trocken zu sein; Gesellschaft gab es in den verschiedenen Salons, aber der Ton dort war dem Baron oft zu unverbindlich und völlig ungeeignet für intensive philosophische Diskussionen: Respektable Damen moderierten die höfliche Konversation und die Vorlesungen aus neuen Werken. Kontroversen gab es nur hinter vorgehaltener Hand.
Den Baron verlangte es nach etwas Intensiverem, ein Nachhall der nächtelangen Studentenfeiern seiner Leidener Tage, und endlich Bebaron Paul Thiry d'Holbach wurde auch der "chef des café de l'europe" genannt. Im Verborgenen war er auch ein wichtiger atheistischer Autor. anonymer Stich
nach einer Zeichnung von Charlesnicolas Cochin, ca. 1758. Foto: Sammlung des Autors
schlossen Holbach und seine Frau, diese Erinnerungen selbst zu neuem Leben zu erwecken. Die Gruppe der Enzyklopädisten, zu denen Holbach inzwischen auch selbst gehörte, eignete sich ideal als harter Kern von Gästen für seinen neuen Salon. Die Kombination von Holbachs Bescheidenheit und Großzügigkeit und Diderots intellektuellen Verbindungen und seiner mitreißenden Redekunst erwies sich als enorm erfolgreich, und schon bald folgten einige der führenden Köpfe unter den jüngeren und progressiven Wissenschaftlern seiner Einladung. Sie alle schätzten es, dass sie hier freier sprechen konnten als irgendwo sonst, dass Fragen, die es in der offiziellen Kultur nicht gab, hier bei Wein und Essen angeregt und kontrovers diskutiert wurden. Besonders Diderot machte sich bald diesen Ort zu eigen, an dem er ungehindert seiner größten Leidenschaft frönen konnte: mit Freunden zu sprechen, Gegner zu provozieren und all diejenigen zu unterhalten, die bislang weder zur einen noch zur anderen Gruppe gehörten.
Mehrere von Holbachs regelmäßigen Gästen während der frühen 1750er Jahre schrieben auch für die Encyclopédie. Da waren Jean-Jacques Rousseau, der über musikalische Fragen schrieb, der Literaturkritiker Jean-Francois Marmontel, der draufgängerische Charles Georges Le Roy, Leutnant der königlichen Jagd und Aufseher für Parks und Wälder, zu dessen Beiträgen hirsch, JAgd und instinkt gehörten, der Berufsoffizier Jean-Francois de Saint-Lambert, der auch als Dichter von sich
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reden machte, und der Ingenieur und Historiker Nicolas-Antoine Boulanger.
Oft wurde an so einem Abend aus einem Werk vorgelesen, an dem einer der Gäste gerade arbeitete, Briefe von Freunden oder bekannten Wissenschaftlern wurden vorgetragen und diskutiert, und schon bald ging es zum Essen und zu einer immer weiter ausufernden Unterhaltung über Politik, Philosophie und Geschichte. Tratsch und große Ideen flogen über Kreuz, Nachrichten aus fremden Ländern wurden mit der Situation in Frankreich verglichen, Wissenschaftler berichteten über neue Experimente oder interessante Theorien. Die Atmosphäre, in der all dies stattfand, war zugleich freier und weniger förmlich als in vielen anderen Salons, in denen eine Dame den Ton bestimmte. Unter den Mitarbeitern der Encyclopédie herrschte ein anderes Gesprächsethos, und Madame Holbach war klug genug, nicht zu versuchen, der überwiegend männlichen Versammlung in ihrem Haus ihren Stempel aufzudrücken. Während die meisten Gastgeberinnen sich bemühten, zwischen den Temperamenten und Ansichten ihrer männlichen Gäste zu vermitteln, und ihre eigene Meinung taktvoll zurückhielten, war der Hausherr dieses Salons einer der radikalsten Geister von allen.
Eine weitere Attraktion des Holbachschen Salons waren sein Weinkeller und die beneidenswerte Reputation seines Kochs. Leider lässt sich nicht sagen, was an einem bestimmten Abend auf Holbachs Tisch aufgetragen wurde, denn weder Rezepte noch Küchenbücher oder Haushaltsrechnungen aus seinem Haus sind überliefert. Trotzdem kann man sich ein relativ gutes Bild von der großbürgerlichen Küche dieser Zeit machen, wenn man zum Beispiel Vincent de la Chapelles Le cuisinier moderne aus dem Jahr 1735 aufschlägt, das auch mehrere Beispielmenüs für une bonne table bourgeoise beinhaltet, ein kleines Abendessen für 14 bis 20 Personen in einem Stadthaus, gedacht nicht für einen Hochadeligen, sondern für einen wohlhabenderen Gastgeber wie Holbach, der gutes Essen liebte und für seine Großzügigkeit bekannt war, ohne extravagant zu sein. La Chapelle schlägt vor, das Gedeck um einen Aufsatz in der Mitte des Tisches herum zu planen:
Ein Menu
Für vierzehn Gäste, das auch für zwanzig zum Abendessen reicht
Erster Gang In der Mitte des Tisches ein Gedeck, das während des gesamten Ganges bleibt
An den beiden Enden zwei Suppen 1 Kohlsuppe 1 Gurkensuppe
4 Entrées für die 4 Ecken der Tischmitte 1 Taubenpastete 1 Gericht aus zwei poulets a la reine mit einer appetitlichen Sauce 1 kalte Brust in Hühnerfrikassee 1 Ochsenschwanz in Eintopf 6 hors-d'ouvres für die beiden Seiten und die 4 Ecken des Tischmittelpunkts 1 Schale gegrilltes Lammfleisch 1 Ochsengaumen in schmalen Streifen 1 schwarze Hasenpastete 1 Blumenkohl in Brot 2 hors-d'ouvres mit kleinen anregenden Patés für die beiden Seiten des Tischmittelpunkts
Zweiter Gang 2 Zusätze für die beiden Suppen
1 aus Stücken von Rinderfleisch 1 Kalb, am Spiess gegrillt
Dritter Gang Braten und Nebengerichte gemeinsam
4 Bratengerichte an den 4 Ecken des Tischmittelpunkts
1 mit Huhn 1 mit drei Fasanen 1 mit 18 Lerchen 1 mit einer Rouen-Ente
2 Salate
2 Nebengerichte für beide Enden
1 Fleischpastete 1 kalte Pastete
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4 kleine Nebengerichte für die 4 Ecken
1 Rahmgebackenes 1 kleine grüne Bohnen 1 Trüffel im Bouillon 1 Himbeergelee
Vierter Gang Dessert
Für die beiden Enden des Tischmittelpunkts
2 grosse Schalen mit Früchten
Für die beiden Seiten
2 Schalen mit Waffeln
Für die 4 Ecken
4 diverse Früchtekompotts 4 Schalen mit unterschiedlichen Konfitüren
Zu so einem Menü gehörten noch die angemessenen Weine (Holbach liebte guten Burgunder), und so überrascht es auch nicht, dass Diderot sich in Briefen ständig über seine Verdauung beklagt: "Ich werde rund wie ein Ball, wie Sie mich verachten werden!" (an Sophie Volland, 20. Oktober 1760); "meine Galle ist geschwollen, ich habe angefangen zu moralisieren" (22. September 1761); "Ich habe gefressen wie ein junger Wolf ... Ich habe Weine mit allen möglichen Namen getrunken; eine Melone von unglaublicher Perfidie erwartete mich; und glauben Sie wirklich, dass es möglich war, diesem enormen Eis zu widerstehen? Und dann die Liköre; und dann der Kaffee, und dann eine vermaledeite Verdauung, die...
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