Was macht frau, wenn frau als Freifliegende bei Regenwetter irgendwo zu Besuch ist und sich langweilt? Ich bin in eine Bibliothek gegangen. Dort fand ich "Böse Hexen gibt es nicht". Zuerst dachte ich, dass sei wieder so ein kommerzielles BdS, doch weit gefehlt. Es ist ein Sachbuch. Beschreibungen magischer Techniken, Ritualanleitungen und auch Rezepte sucht frau vergebens, aber das ist bei einem Sachbuch auch nicht anders zu erwarten. Das ist auch nicht der Inhalt des Buches. Der Inhalt des Buches ist eine weit gespannte, vorurteilsfreie Betrachtung des Hexenwesens. Der Autor schlägt einen weiten Bogen, ausgehend vom Schamanismus am Ende der letzten Eiszeit über die mittelalterliche Inquisition bis zu den heutigen Hexen und Naturreligionen. Er belegt anhand von anschaulichen Beispielen, wie sich die Geschichte der Hexerei entwickelt hat und welche Techniken dabei zum Einsatz gekommen sind bzw. heute noch kommen. Besonders interessant daran: Das Kapitel "Hexenlaboratorium Küche?" Aber auch alle anderen Kapitel sind hervorragend informativ: die Zeittafel, die anschauliche Beschreibung der Aufgaben einer Hagia, die exemplarisch angeführten Hexenmittel und die Ausführungen über Hexen heute. Frau bemerkt sofort, dass dem Autor die Scene ziemlich bekannt sein muss. Er hat sein Buch wie ein Puzzlespiel zusammengesetzt. Die einzelnen Puzzleteile liefert die heutige anerkannte Wissenschaft mit vielen isolierten Fakten. Hier werden sie zusammen betrachtet. Da sie einander ergänzen, ergibt sich ein neues Hexenbild, dass überhaupt nicht zu den üblichen Vorurteilen passt. "Böse Hexen..." ist mein Geheimtipp. Für alle, die sich für Mittelalter, Hexerei und verwandte Gebiete interessieren, ist es die Pflichtlektüre schlechthin! Daher hat das Buch die fünf Sterne trotz fehlender Anleitungen absolut verdient!