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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
46 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Jahrhundertwerk,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Böse Geister (Gebundene Ausgabe)
"Böse Geister" ist einer der größten und wichtigsten Romane aller Zeiten. Die Facetten des Romans sind zu komplex und miteinander verwoben, um sie im einzelnen zu beleuchten. Denn es gibt im eigentlichen Sinne keine Hauptperson. Gleich mehrere Charaktere werden um den ideellen Mittelpunkt gruppiert. Beherrschendes Thema ist das Streben nach Freiheit, sowohl politisch in Form des Liberalismus als auch persönlich in Form des Selbswillens. Letzendlich vergeblich versuchen die Personen auf verschiedene Art und Weise, sich von so empfundenen Zwängen zu befreien.Die Genialität Dostojewskijs liegt darin, daß er den gesamten Menschen widerspiegelt und nicht einen ausgewählten Ausschnitt des Lebens. Indem er politische und persönliche Interessen verknüpft, deckt er die wahren Dilemmata der Personen auf. Dieses intellektuelle Anliegen inszeniert Dostojewskij auf äußerst spannende Art und Weise. Die Handlung hat ein atemberaubendes Tempo - einmal begonnen zu lesen, kann man das Buch kaum beiseite legen. Dostojewskij beherrscht die Menschenführung wie kaum ein anderer. Derart handlungstriebende Dialoge selbst mehrerer Personen gleichzeitig habe ich in ähnlicher Art und Weise lediglich bei William Gaddis gesehen. Sowohl die Handlung als auch die Sprache sind klar und präzise. Kein Handlungsstrang ist für den Gesamtroman unwichtig. Dostojweskij verliert eine einmal eingeführte Person, meist bis zu ihrem mehr oder weniger gewaltsamen Tod, nicht aus den Augen. Damit ergibt der Roman ein abgeschlossenes Ganzes an dem nichts fehlt oder etwas zu viel ist. Genauso verhält es sich mit der Sprache. Die klare knappe Sprache verdichtet das Gesagte auf den Kern seiner Aussage. Dank sei der Übersetzerin, diese Sprache Dostojewskijs ins Deutsche übertragen zu haben. Insgesamt sind die "Bösen Geister" ein Roman von unvergleichlicher Dichte. Die Handlung ist mitreißend. In geradezu seherischer Art und Weise hat Dostojewskij die politischen und menschlichen Entwicklungen unseres Jahrhunderts präzise vorhergesagt. Die Auseinandersetzung mit dem Thema "Freiheit" erfolgt auf höchstem Nieveau unter Einbeziehung der verschiedensten Denkweisen. Jede Seite des Romans ist mehr wert, als das Buch eigentlich kostet! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dostojewskijs düsteres Sittenbild in herausragender Neuübersetzung,
Von
Rezension bezieht sich auf: Böse Geister (Taschenbuch)
"Böse Geister", 1873 veröffentlicht und auf dem deutschen Buchmarkt lange unter dem Titel "Die Dämonen" erhältlich, kann als großes literarisches Gegenbild zu Dostojewskijs Roman "Der Idiot" gelesen werden. Während dort der etwas weltfremde, aber gutmütige Fürst Myschkin an seiner Vereinzelung inmitten einen böswilligen, intriganten Gesellschaft irre wird, malt Dostojewskij in "Böse Geister" das Panorama eben dieser aus den moralischen Angeln gehobenen, jede echte positive Gesinnung zynisch verachtenden Gesellschaft. Im Mittelpunkt steht Stawrogin, ein Held von der psychologischen Dimension eines Raskolnikow, von fataler Attraktivität, manipulativ, voller viriler Energie und doch zutiefst ambivalent, schwankend zwischen unterdrückter Wahrhaftigkeit und theatralischer Anbiederung. Der Roman ist inhaltlich hochkomplex; in ihm kreuzen sich amouröse Abenteuer, mikropolitisches Gezänk, Ränkeschmiedereien, Zerwürfnisse und inszenierte Weltanschauungen. Kein leichter Stoff also. Die erneute Lektüre lohnt aber. Heute mehr denn je. Das ist einer über die Maßen intelligenten, außerordentlich sprachbegabten und -sensiblen Frau zu verdanken: Swetlana Geier (1923-2010). Ihr verdanken wir die vermutlich auf lange Zeit maßgebliche Übersetzung von Dostojewskijs Romanen ins Deutsche - eine überragend sensible, präzise und sorgfältige Übertragung. Und eine ausgesprochen moderne. Geiers Übersetzung entfernt den über die Jahre entstandenen Grauschleier von Dostojewskijs Prosa; Charaktere, Dialoge und Räume erhalten ihre Farbigkeit, ihre Kontur, ihre Tiefenschärfe zurück. Und ihre Melodie. Geier hat die großen Romane Dostojewskijs übertragen; sie ist die "Frau mit den fünf Elefanten". Wer mehr über ihre unglaublich akkurate, kleinteilige, aufmerksame und feinfühlige Arbeit an der russischen und deutschen Sprache erfahren möchte, dem sei die gleichnamige Fernsehdokumentation (auf DVD erhältlich) wärmstens ans Herz gelegt."Böse Geister", kein unmittelbar zugänglicher Roman, erscheint in neuem Glanz, in neuer Vitalität: Geier gelingt es, Dostojewskijs Charakterisierungen wieder "zum Sprechen" zu bringen; sie macht den Jargon der Cliquen wieder deutlich und, darauf haben viele Kommentatoren hingewiesen, macht am Roman Dostojewskijs das Literarische, Ästhetische wieder spürbar. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine Stadt in einer düsteren Epoche,
Von
Rezension bezieht sich auf: Böse Geister (Gebundene Ausgabe)
Dostojewskij verwebt Handlungstränge und Personen, Vergangenheit und Gegenwart, Denkweisen und Beziehungsnetze, Wahrheit und Betrug, und alles steht unter Hochdruck wie ein Dampfkessel, der dann auch explodiert. Er zeichnet anhand einer Stadt ein raffiniertes, pessimistisches Epochenbild, obwohl er gegen Ende anmerkt, nach dieser (erzählten) Geschichte hätte sich die Stadt beruhigt.Für mich steht nicht Nikolaj im Zentrum, sondern seine Mutter Warwara Petrowna Stawrogin. Von Anfang bis Ende kehrt die Handlung immer wieder zu ihr zurück und sie lebt, während alle andern tot sind, zuvorderst der vielverehrte Stepan, der altliberale Intellektuelle und Nikolai, ihr geheimnisumwobener und weitgereister Sohn, der Bürger des Kantons Uri in der Schweiz. Es ist nicht leicht, immer die Übersicht zu bewahren. Es empfielt sich bei dieser Vielstimmigkeit, das Namenverzeichnis der wichtigsten Personen und Personenkreise auf S. 962 bei jedem Zweifel zu konsultieren. Es ist übrigens eine sehr gepflegte, solid gebundene Ausgabe - keine Selbstverständlichkeit mehr! - , die z.B. in den Anmerkungen Bilder aufweist und so jeden Cent wert ist. Dostjewskij gehört zu den Grössten. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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