Die 23jährige Venetia Thompson entschließt sich nach ihrem Russisch-Studium spontan zu einer Bewerbung als Broker-Trainee. Keine allzu nahe liegende Berufswahl, da Thompson bereits als Kind eine ausgesprochene Abneigung gegen Mathematik hatte und nach eigener Aussage nicht die geringsten Vorkenntnisse über Finanzwirtschaft besaß. Recht schnell arbeitet sie sich jedoch in die Grundlagen des Berufes ein und genießt den damit verbundenen Lebensstil.
Der Beginn des Buches liest sich entsprechend zügig und interessant. Etwa ab der Mitte beginnt sich die recht kurze Geschichte jedoch allmählich in die Länge zu ziehen. Es folgt die immer gleiche Beschreibung ihres Tagesablaufs: Venetia wacht gegen 6 Uhr morgens verkatert irgendwo auf, stellt sich kurz unter die Dusche oder versucht, ihr verschmiertes Make-Up in der Bürotoilette einigermaßen herzurichten. Anschließend arbeitet sie, beginnt jedoch meist schon mittags mit etlichen Gläsern Alkohol mit Kollegen oder bei Kundenessen zu feiern, bis sie angetrunken zu einer Abendveranstaltung verschwindet, die ihrerseits bis in die frühen Morgenstunden dauert. Zwischendurch übergibt sie sich scheinbar pausenlos und wirft alle nur denkbaren Medikamente ein.
Als sie gegen Ende des ersten Jahres (mitten in der Finanzkrise) nicht den von ihr gewünschten Gehaltsbonus erhält, erkennt sie, dass ein hohes Gehalt letztlich die einzige Motivation für sie ist, in diesem Beruf zu arbeiten. Um ihre Kündigung zu provozieren, schreibt sie schließlich einen Artikel über ihre Arbeitsbedingungen. Als sich Thompson weigert, selbst zu kündigen, ist sie überrascht, dass plötzlich privat geglaubte Chats und Emails dazu herangezogen werden, sie wegen groben Fehlverhaltens zu entlassen.
Das Thema des Buches besitzt durchaus Potential und auch die Geschichte selbst liest sich streckenweise recht interessant. Leider bleibt die Autorin bei der Schilderung ihrer eigenen Person sehr eindimensional. Letztlich bleibt das Bild einer egoistischen, kalten und gleichzeitig unglaublich naiven jungen Frau, die nur an Geld interessiert ist und ihr eigenes gutes Aussehen für ihre wichtigste Ressource zu halten scheint. Auch wurde mir nicht ganz klar, worin genau der Grund für ihren Zusammenbruch lag. Sie selbst beschreibt ihren Job als nur phasenweise stressig und letztlich ist es kaum vorstellbar, dass ein Trainee jeden Tag in der Woche mittags UND abends Kunden zu Essen und Feiern ausführen muss und dabei zum Trinken regelrecht genötigt wird. Venetias beste Freundin Lena trinkt z.B. gar keinen Alkohol und verlässt Partys auch eher früh. Eine Verantwortung für die von ihr vermutlich selbst mitverursachte Situation übernimmt Thompson leider nicht.
Wer lesen möchte, wie eine Berufsanfängerin in eine ihr völlig unbekannte Branche einsteigt, dort ein stressiges Jahr verbringt, bevor sie ein Buch veröffentlicht, in dem sie Chef und Kollegen bloßstellt, ist mit "Der Teufel trägt Prada" vermutlich besser beraten.