Kurzbeschreibung
Nach Rainer Maria Rilke war "Gott ... guter Laune", als er Böhmen schuf, und stattete es mit "tausend Reizen" aus. Und wirklich: Im Böhmerwald lockt der tiefe, unendlich scheinende Nadelwald; da tost der ungezähmte Wildbach Widra; einzigartige Mooraugen wie das Königsfilz lassen den Wanderer schauen und staunen; typische Böhmerwaldhäuschen und weltberühmte Kulturdenkmäler laden zum Betrachten ein; Alleen von Birken, Eichen, Apfelbäumen oder Ebereschen begleiten den Reisenden auf seinem Weg; Storchennester ruhen wie dicke Polster auf den Kaminen... und über allem liegt Stille - Stille, die das Flüstern der Bäche und das Rauschen des Waldes für jeden hörbar werden lässt.
Mit diesen Worten führen die Autoren im Vorwort den Böhmerwald ein, der schon im vorigen Jahrhundert die Wanderer anzog und auch heute noch ein wahres Wanderparadies ist. Seit der Grenzöffnung wurde die Erschließung für den Tourismus stark vorangetrieben, jedoch immer Hand in Hand mit dem Naturschutz, der im Nationalpark Böhmerwald ganz groß geschrieben wird.
Die Autoren haben aus dem großen Angebot von markierten Wegen 50 schöne Wanderungen ausgewählt, die vom kurzen Spaziergang über Mooswanderungen bis zur langen Bergtour auf den höchsten Gipfel des Böhmerwaldes (Plöckenstein, 1378 m) ein breites Spektrum abdecken. Und immer gibt es ein besonders schönes Stück Natur oder ein kulturelles Einod zu entdecken: romantische Karseen wie den Teufelssee und den Schwarzen See, die gotische Wasserburg in Schwihau, das Naturschutzgebiet Kubany-Urwald, das Weltkulturerbe Wittingau, den schönsten Wildfluss des Böhmerwaldes (die Widra) und vieles, vieles mehr...
Übersichtliche Tourensteckbriefe, farbige Wanderkärtchen mit Routeneintrag und genauer Wegbeschreibung erleichtern die Auswahl und die Orientierung vor Ort.
Es lohnt sich, in den Böhmerwald auf Entdeckungsreise zu gehen!
Vorwort
Das Jahr 1989 brachte nicht nur für das deutsche Volk die Wiedervereinigung, auch für das damals noch Tschechoslowakei genannte Land an der bayerischen Ostgrenze bedeutete es die politische Befreiung. Unser Wanderführer entstand im fünften und sechsten Jahr nach dieser Grenzöffnung, dem Fall des "Eisernen Vorhangs" und befaßt sich mit dem Böhmerwald (Sumava), von dem große Teile mehr als 40 Jahre lang Sperrgebiet waren. Seit der Öffnung des Hohen Böhmerwalds wurde mit enormem Aufwand nicht nur der Naturschutz in großem Stil, sondern auch die Erschließung für den Tourismus vorangetrieben. Geschützte Moore wurden mit Bohlenwegen versehen, Informationstafeln an Lehrpfaden aufgestellt, und fast monatlich führen neue Wege durch die Schutzgebiete des Nationalparks Böhmerwald (Narodni park Sumava).
Warum aber zieht der Böhmerwald schon seit dem vorigen Jahrhundert die Wanderer an? Was sind seine Reize, die Rainer Maria Rilke folgendermaßen andeutet:
Gott war guter Laune:
Geizen ist doch wohl nicht
seine Art;
und er lächelte:
da ward Böhmen reich
an tausend Reizen
Nun, da lockt der tiefe, unendlich scheinende Nadelwald, in dessen Innerem die jeweiligen Landesherren wilde Jagden veranstalteten. Da tost der ungezähmte Wildbach Widra (Vydra) die weißgewaschenen Steine herab und holt sich das angestammte Bett zurück, indem er selbst Straßen unterspült. Einzigartige Mooraugen wie das Königsfilz (Chalupska slat) lassen den Wanderer schauen und staunen. An anderer Stelle ducken sich typische Böhmerwaldholzhäuschen mit farbenfrohen Walmdächern in die Täler oder schmiegen sich an bewaldete Hügel, Kirchen prunken in wiederhergestellter Schönheit. Weltberühmte Kulturdenkmäler und Adelssitze verführen den Besucher, Alleen von Birken, Eichen, Apfelbäumen oder Ebereschen begleiten den Reisenden auf seinem Weg, und Storchennester ruhen wie dicke Polster auf Kaminen. Und über allem liegt viel Stille - Stille, die das Flüstern der Bäche und das Rauschen des Waldes für jeden hörbar werden läßt, und das die Tschechen auch mit dem Namen für ihre schöne Heimat ausdrucken: Sumava -"die Rauschende"!