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Um die Eisbären in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten, filmen und fotografieren zu können, mieten sich die Hays ein „Tundra-Buggy" mit Fahrer, und dann geht es los. So ein Buggy ist ein speziell ausgestattetes, lastwagengroßes Gefährt mit Busaufsatz und bis zu zwei Meter hohen Traktorreifen. Damit kann man querfeldein fahren, über aufgeweichte Böden und notfalls auch durch flache Gewässer. Bären können zwar hineinschauen - was zu faszinierenden, fellnahen Kontakten führt - aber solange die Menschen im Buggy bleiben, sind sie vor den Tieren sicher.
Wir erfahren viele interessante Details über das Leben der Eisbären. Wir begegnen Bärenmüttern und ihren Kindern, Eisbären die spielerisch miteinander kämpfen oder Beute machen und solchen, die sich sehr für die menschlichen Besucher und deren Verpflegung interessieren.
Trotz raffiniert konstruierter Tundra-Buggys und routinierter, sachkundiger Fahrer ist eine Tundra-Tour kein Ausflug in den Park. Theresa Hay schildert die Touren in ihrer bildhaften Sprache so, dass der Leser das Gefühl hat, selbst mit im Buggy zu sitzen. Und da ertappt man sich schon manchmal dabei, dass man den Atem anhält und sich am Sitz festklammert, wenn es im Buch wieder mal brenzlig wird. Und kritische Situationen gab's im Lauf der Zeit schon ein paar.
Mit Buggy-Fahrerin Conny verirren sie sich in einem Blizzard. Man sieht keine fünf Meter weit. Und ausgerechnet als Conny aussteigt um die Lage zu sondieren, nähert sich ein Eisbär ... Und was macht man, wenn plötzlich ein Eisbär durchs geöffnete Seitenfenster des Autos guckt - und der elektrische Fensterheber nicht geht? Oder wenn man aussteigt um einen Polarfuchs zu filmen und dabei nicht bemerkt, dass ein Eisbär im Anmarsch ist? Wenn die Bärenfreunde reisen, machen die Schutzengel vermutlich Überstunden.
Ich finde es toll, dass es Menschen gibt, die solche abenteuerlichen Reisen unternehmen und sie für all die interessierten Angsthasen festhalten, die es nie wagen würden, die Tiere in ihrer Heimat zu besuchen. Also für Leute wie mich. Wir können dann in Ruhe zu Hause die spannenden Begegnungen nacherleben. Wer etwas mutiger veranlagt ist, lässt sich von diesem mitreißenden Buch vielleicht zu einer eigenen Reise in die kanadische Tundra inspirieren.
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