Macht man sich als Leser jemals Gedanken darüber, welche Strapazen Forscher, Filmer und Fotografen auf sich nehmen, um an neue Erkenntnisse und spektakuläres Bildmaterial (wie in dem Buch) zu kommen? Theresa Hays Reiseerzählungen BÄREN, WÖLFE UND GROSSE FISCHE lassen erahnen, was für ein atemberaubendes Erlebnis ist, in Alaska Bären zu beobachten - und was für eine Anstrengung.
Seit Ende der 80-er Jahre reist Theresa Hay zusammen mit ihrem Mann Gerd in den Sommermonaten nach Alaska, um dort Braun- und Schwarzbären zu beobachten, zu fotografieren und zu filmen. Brooks River, Pack Creek, Anan Creek, der Denali National-Park, Admirality Island und Kodiak Island zählen dabei zu ihren bevorzugten Gebieten.
Die Aleuten-Range, speziell die Küste mit ihren vielen Buchten, stand jahrelang auf ihrer Wunschliste. Erst 2007 und 2010 kommt ein Besuch bei den Küstenbären in Hallo Bay im Katmai-Nationalpark zustande.
Wenn in Alaska auf eines Verlass ist, dann auf das unbeständige Wetter. Die Autorin und ihr Mann wissen das und warnen ihre Reisegefährten schon in der Planungsphase. Es kann allerhand schief gehen bei so einer Tour nach Hallo Bay. Es ist nicht einmal gesagt, dass man ans Ziel kommt. Wenn das Wetter zu schlecht ist, geht nichts. Doch die Freunde wollen es wagen, und so wird eine Schlechtwetterversicherung abgeschlossen, Flüge und Unterkunft gebucht.
Ende Juli 2007 schaffen es die Bärenbeobachter tatsächlich bis Hallo Bay und wohnen dort in einem Zeltlager, aus dem man sich tunlichst nicht ohne die erfahrenen Guides entfernt - aus Gründen der eigenen Sicherheit. Auch wenn man reichlich Erfahrung hat und sämtliche "Bären-Regeln" beherrscht, ist das besser so.
Geduld ist eine der wichtigsten Eigenschaften beim Beobachten von Tieren. Wer zu schnell aufgibt, sieht nichts. Trotz schlechten Wetters haben die Bärenfreunde eine paar interessante Begegnungen. Aus nächster Nähe beobachten sie eine Bärenmutter mit zwei Jungen beim Grasfressen. Sie treffen auf einen gewaltigen alten Bären, der voller Narben ist und einen arthritisch-schleppenden Gang hat. Als der auf die Gruppe zumarschiert, wird den Teilnehmern angst und bange ... Manchmal verläuft so eine Bärenbegegnung eben wesentlich enger als den Besuchern lieb ist. Und dann können sie nur hoffen, dass die Guides im Ernstfall wissen, was zu tun ist.
Wie bei der Planung befürchtet, klappt der Rückreisetermin nicht. Das Wetter ist zu schlecht, der Buschflieger kann sie nicht abholen und nach Homer zurückbringen. Sie sitzen fest, und alle Anschlussflüge sind beim Teufel ...
Im Juli 2010 brechen die Hays erneut mit drei Reisegefährten nach Hallo Bay auf. Eine Begegnung mit dem großen, narbigen Bär, den die Freunde schon von ihrem letzten Besuch kennen, mündet in eine brenzlige Situation. Und ein verstauchter Knöchel macht die Teilnahme an den Touren zu einer schmerzhaften Strapaze. Doch die Tierbegegnungen entschädigen die Tourteilnehmer für alles! Ob sie fast über einen schlafenden Bären stolpern, Bär und Wolf beim Lachsfang beobachten oder einem braunen Riesen ausweichen müssen, der ihnen den Weg versperrt - diese Erlebnisse sind es, die den unvergleichlichen Reiz der Tierbeobachtung ausmachen Da nimmt man auch die Zitterpartie in Kauf: Kommt der Flieger aus Homer, um uns abzuholen, oder kommt er nicht?
Wir erfahren hier einiges über Bären, Wölfe und andere Wildtiere, Wissenswertes über Alaska - und gewinnen hochinteressante Einblicke in die Abläufe solcher Bärenbeobachtungs-Touren. Die abenteuerlustigen unter den Leserinnen und Lesern werden vermutlich gleich im Internet auf die Pirsch gehen und nachsehen, wie man am besten nach Alaska kommt. Die weniger mutigen unter uns werden froh sein, dass es Menschen gibt, die solche Anstrengungen und Aufregungen freiwillig auf sich nehmen und uns dann in Wort und Bild davon berichten ...