Es ist sehr erfreulich und überfällig, dass zum ersten Mal eine Biographie über Ayn Rand in deutscher Sprache erscheint. In den USA gehört die Schriftstellerin und Philosophin Ayn Rand zu den großen Klassikern der Literatur, zumindest was die Auflagenzahlen angeht: Jährlich werden immer noch eine halbe Million Bücher von ihr verkauft, vor allem ihr Hauptroman Atlas Shrugged".
Die Biographie von David Schah bietet eine prägnante Übersicht über Rands Leben. Was die Biographie besonders wertvoll macht, ist dass der gesellschaftliche und historische Hintergrund, der für den Werdegang von Ayn Rand eine Rolle gespielt hatte, ausführlicher beleuchtet wird, etwa der Kriegskommunismus unter Lenin, die etatistische New-Deal-Politik oder auch die Entwicklung von Hollywood. Ferner wird auch auf die Rolle Ayn Rands in Deutschland eingegangen. Besonders gelungen sind die bündigen und gut verständlichen Zusammenfassungen einiger Schlüsselbegriffe der Philosophie von Ayn Rand, des Objektivismus.
Was den biographischen Werdegang angeht, standen Schah wahrscheinlich nur wenige Quellen zur Verfügung, hauptsächlich die sehr umfangreiche Biographie von Barbara Branden, die stilistisch gesehen keine Offenbarung ist. Aus dieser wird zum Teil auch wörtlich zitiert, etwa was die Liebesbeziehung der Philosophin mit ihrem Schüler Nathaniel Branden angeht. Leider sind die übersetzten Stellen des holprigen Originals manchmal etwas zu wörtlich geraten und daher stilistisch nicht ausgebügelt worden, was an einigen Stellen den Lesefluss stört, zumal der Autor an anderen Stellen durchaus durch Wortwitz und Eleganz brilliert.
Etwas zu ausführlich ist meines Erachtens auch die Darstellung des angeblich sektenhaften" Charakters der Objektivisten geraten. Hier hat David Schah sich zu sehr auf den Libertären Murray Rothbard und The Objectivist Center" verlassen und zu wenig die Meinung des Ayn Rand Institute" zu diesem Vorwurf eingeholt. Ansonsten ist die Darstellungsweise jedoch recht ausgewogen und objektiv, auch wenn unverkennbar ist, dass der Autor selbst ein Faible für Ayn Rand hat - ansonsten hätte er ja wahrscheinlich auch kaum ihre Biographie geschrieben.
Im großen und ganzen ist die Biographie auf jeden Fall sehr lesenswert und eine sehr brauchbare Einführung in Leben, Werk und Philosophie von Ayn Rand.